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1867
Herzog Adolph verzichtet und geht ins Exil
Herzog Adolph von Nassau verzichtet auf seinen Thron und das nassauische Domänenvermögen, das als Staatseigentum an die Krone Preußens übergeht. Laut Abfindungsvertrag erhält unser ehemaliger Herrscher eine einmalige Abfindungssumme von 15 Millionen Gulden, die Schlösser Biebrich, Weilburg, Platte und das kleine Palais in Wiesbaden. Außerdem hat sich der König von Preußen verpflichtet, an Prinz Nikolaus von Nassau eine jährliche Apanage von 18.000 Gulden zu zahlen und die Dotation des Bistums Limburg um jährlich 10.500 Gulden zu erhöhen.
Herzog Adolph von Nassau
Der Oberlahnkreis, bestehend aus den Ämtern Weilburg, Hadamar und Runkel, mit dem Kreissitz Weilburg wurde durch die Verordnung vom 22. Februar 1867 gebildet. An die Spitze des Landkreises wurde Landrat Hahn berufen.
Die in Limburg verkehrende Postkutsche nimmt auch Pakete entgegen.
Hadamar: Primaner verweigert Hoch auf den König
Eine ungeheuerliche Frechheit legte ein Oberprimaner am Hadamarer Gymnasium an den Tag. Als am 22. März 1867 an der Schule zum ersten Mal der Geburtstag Wilhelms I. gefeiert wurde, bestimmte Direktor Dr. Wesener den Oberprimaner Wilhelm Wirth, ein Hoch auf den Preußenkönig auszubringen. Wirth verweigerte dies, da sein Vater als Amtmann von der preußischen Regierung entfernt worden war.
Wilhelm I. zu Besuch
Welch hohe Ehre wurde 1867 unserem Kreis zuteil! Wilhelm I. besuchte seine Untertanen. Zum ersten Mal an der Lahn, wurde unser Herrscher begeistert empfangen. Tausende standen an der Strecke, um den mit Kränzen und Fahnen geschmückte Extrazug, und sei es auch nur für einen kurzen Augenblick, zu sehen. Alle Städte und Ortschaften waren im festlichen Schmucke, alle Bahnhöfe, jedes Bahnwärterhäuschen mit preußischen Fahnen geziert. Auch da, wo der Zug nicht anhielt, hörte man stimmgewaltige Hochs und Hurras. Besondere Ehre wurde den Orten Weilburg, Limburg, Runkel und Diez erwiesen. Hier unterhielt sich Seine Majestät mit den vorgestellten Beamten und Geistlichen auf das Huldvollste. In Limburg lief der Extrazug unter dem Geläute aller Glocken ein. Hier wie überall erwiderte des Königs Majestät den begeisterten Empfang in der gädigsten, freundlichsten Weise.
Weltchronik 1867
Hinrichtung Kaiser Maximilians von Mexiko (siehe Bild)

Entwicklung der Mehrwert-Theorie durch Karl Marx
Parlaments- und Wahlrechtsreform in Großbritannien durch Disraeli
USA kaufen Alaska von Rußland für 7,2 Millionen Dollar
Bismarck wird Kanzler des “Norddeutschen Bundes”
Forschungsreise Livingstones durch den Kongo
Erfindung des Dynamits durch Nobel
Nikolaus Otto und Eugen Langen konstruieren Gasmotor
Entdeckung der südafrikanischen Diamantenfelder
1868
Der Modetip: Das trägt man in Schupbach
In der Schupbacher Gegend trägt der Mann ein Hemd mit einem kaum fingerbreiten Ärmelbund. Der Stoff ist mit engen Fältchen angesetzt, die Knöpfe aus Leinwand und Werg im Hause gefertigt und der Brustschlitz durch zwei Knöpfe am Halse und der Herzgrube geschlossen. Die Kniebundhosen oder “kurze Buxen” sind vielfach von blauer, für die Feiertage vielfach von weißer Leinwand oder von Hirschleder. Modern sind derzeit Kniebundhosen. Die Frauentracht wird zweckmäßig durch Schürze, Brusttuch und Kopfputz bestimmt.
Turnen ist gesund
Zu dem Zwecke, damit auch die Jugend zur körperlichen Kräftigung und Gewandtheit, zur Herrschaft über den Leib und seiner Organe, zur Stärkung des Mutes und der Entschlossenheit geleitet werde, wird an allen Schulen der ehemaligen nassauischen Landesteile der Turnunterricht eingeführt. Der Turnunterricht soll den Mittel- und Oberstufen in wöchentlich zwei Stunden erteilt werden. Es ist aber wünschenswert, daß auch auf der Unterstufe Turnspiele und Vorübungen angestellt werden.
Am Limburger Fischmarkt
Weltchronik 1868
In Japan tritt der Schogun zurück; Kaiser Mutsuhito übernimmt die Regierung
In Spanien stürzen liberale Generäle Königin Isabella II.
Gründung des “Allgemeinen Deutschen Arbeiterschaftsverbandes” und des “Verbandes der Deutschen Gewerbevereine”
Aufstand in Kuba (bis 1878) gegen die spanische Herrschaft
Der liberale Premierminister William Gladstone verkündet die Schulpflicht in England
In Frankreich findet man Reste des Crô-Magnon-Menschen (Alter: rund 50000 vor Christus)
Richard Wagner schreibt seine Oper “Die Meistersinger von Nürnberg”
Kroatien wird selbständig
Beginnende Industriealisierung in Japan. Geringe Entlohnung erhöht die Konkurrenzfähigkeit der japanischen Waren auf dem Weltmarkt
+ Adalbert Stifter (Bild), österreichischer Dichter, richtet sich selbst
1869
Pfarrer Ibach:
Ein Kämpfer im christlichen Glauben
Zum 1. Oktober 1869 vertraute der Bischof von Limburg Pfarrer Johannes Ilbach die Pfarrei in Villmar an. Bis dahin hatte der 1850 zum Priester geweihte Sohn eines Frankfurter Buchdruckermeisters als bischöflicher Hauskaplan, Domvikar und Ordinariatssekretär in Limburg gewirkt, wo er unter anderem auch den Aufbau der beiden Südtürme am Querbau des Domes veranlaßt hatte. Während seines fast vierzigjährigen Wirkens in Villmar erwarb er sich nicht nur als Seelsorger große Beliebtheit. Er war auch Baumeister und Schriftsteller und machte sich in den Jahren des Kulturkampfes als preußischer Zentrumsabgeordneter für die geistige Freiheit der katholischen stark. Als außergewöhnliche Auszeichnungen erhielt er vom Papst das Ordenkreuz “Pro Ecclesia et Pontifice”, und der preußische König ernannte ihn zum “Ritter des roten Adlerordens IV. Klasse”. Bis zu seinem Tode am 2. Dezember 1908 hatte er sich die Titel eines Dekans, Domherrn, Geistlichen Rates, Monsignore und Päpstlichen Geheimkämmerers erworben. In Villmar, wo er an der Westseite der Pfarrkirche St. Peter und Paul seine letzte Ruhestätte gefunden hat, erinnern die Renovierungen der Pfarrkirche, der Bau des Pfarrhauses und des
Pfarrer Johannes Ibach
Leserbrief
“Wann werden die Lebensverhältnisse sich auch in unserer Heimat verbessern? Täglich hören wir Berichte aus den großen Städten wie Berlin und Frankfurt, wo es den Leuten vortrefflich gehen muß. Wie dagegen unsere Daseinsbedingungen, die als sehr ärmlich bezeichnet werden müssen. So arbeite ich als Handwerker in dem gleichen Raum, der zugleich Wohnstube und Küche ist. Die Kranken halten sich dort auf, und die Windeln werden über dem Ofen getrocknet. Im großen, eisernen Ofen wird für die Familie und das Vieh gekocht. Jeder von uns hat nur ein Paar Schuhe, die aber so gearbeitet sind, daß man den rechten und den linken Schuh vertauschen kann. Nur deshalb ist es uns überhaupt möglich, ab und zu die Schuhe zu wechseln. Wie lange soll das noch so weitergehen?
Handwerker P. M. aus Werschau
Weltchonik 1869
In Deutschland fällt das Verbot von Gewerkschaften (Koalitionsrecht)
Die allgemeine Wehrpflicht wird in Österreich eingeführt
Der amerikanische Präsident Grant ordnet zur Erteilung des Wahlrechts Intelligenztests an
Gründung der “Sozialdemokratischen Arbeiterpartei” durch August Bebel und Wilhelm Liebknecht
Erste Fahrräder mit Kettenantrieb zum Hinterrad auf dem Straßen
Der Suezkanal wird eröffnet (siehe Bild). Der Kanal, erbaut von Ferdinand de Lesseps, verkürzt den Seeweg nach Indien und Ostasien.
Eisenbahnbau durch die USA vom Atlantik zum Pazifik
Alfred E. Brehm veröffentlicht sein sechsbändiges Werk “Tierleben”
Der Deutsche Alpenverein wird gegründet
+ Hector Berlioz, fanzösischer Komponist, Vater der neuzeitlichen Programmusik verstirbt.
1870
Der Sedanstag
Auch im Weilburger Land, besonders bei der 25. Wiederkehr des “Ruhmestages” im Jahre 1895 stand die Lahnstadt ganz im Zeichen dieses patriotischen Gedenktages. Die festlichen Aktivitäten begannen bereits am Vorabend: Einläuten, Kanonendonner, Freudenfeuer am Windhof, Illumination der ganzen Stadt, Fackelzug von der Frankfurter Straße zum Bahnhof und zurück, Zapfenstreich... Der eigentliche Gedenktag, der 1. September 1895, ein Sonntag, verlief so: Empfang der auswärtigen Veteranen aus Kirschhofen, Odersbach, Waldhausen, Ahausen, Drommershausen, Aumenau, Allendorf, Merenberg, Mengerskirchen, Edelsberg, Selters, Waldernbach, Schupbach,Weinbach, Gräveneck, Obershausen, Philippstein und Hofen, Festgottesdienste, Parade und Ehrung der Veteranen auf dem Kasernenplatz, (viele) Ansprachen, “Ehrenmal” im Speisesaal der königlichen Unteroffiziersvorschule, Festzug unter Beteiligung der Weilburger Schulen und Vereine. Auf dem Festplatz am Schießhaus, dem heutigen Kirmesplatz, begann dann ein Volksfest, von dem ein zeitgenössischer Chronist berichtet:
Die Villmarer Veteranen des Krieges 70/71. Eine Aufnahme von 1912.
“Von dem Concerte konnte der vorgerückten Zeit wegen nur der erste Theil abgespielt werden, um den Kriegern vor ihrer Heimreise Gelegenheit zum Tanze zu geben. Während desselben fanden auf dem oberen Theile des Festplatzes die Belustigungen für die Jugend statt”.
Karl Schapper - Frühsoziaist und europäischer Arbeiterführer
Der am 30. Dezember 1812 in Weinbach geborene Pfafferssohn Karl Schapper machte sich in seinem Leben bei Arbeiterdelegierten und Gewerkschaftsführern einen Namen. Nachdem er in den Jahren 1828 bis 1831 das nassauische Landes-Central-Gymnasium in Weilburg besucht hatte, nahm der in Gießen das Studium der Forstwissenschaft auf. Als Mitglied der Gießener Burschenschaft beteiligte er sich am 3. April 1833 am Frankfurter Wachensturm und floh Anfang Januar 1834 in die Schweiz. In den Jahren 1848 und 1849 weilte Schapper, nach 14jährigem Exil in der Schweiz, in Frankreich und England, wieder in seiner Heimat und wurde zum Antreiber der nassauischen Demokratenbewegung. Inzwischen zu einem europäischen Arbeiterführer emporgestiegen, wurde er zunächst Förderer von Karl Marx, den er später aber scharf kritisierte. Wegen seines Widerstandes gegen die von der Deutschen Nationalversammlung verabschiedete Verfassung eines deutschen Nationalstaates wurde er zunächst in Wiesbaden inhaftiert. Nach seinem Freispruch wurde er aber vom Herzog des Landes verwiesen. Sein Weg führte ihn wieder nach London, wo er als Sprachlehrer wirkte und Mitglied der Zentrale der ersten Sozialistischen Internationale wurde. Hier verstarb er auch am 28. April 1870.
Karl Schapper
Weltchronik 1870
In Deutschland wird die katholische Zentrumspartei gegründet
Im preußisch-französischen Streit um die spanische Thronfolge löst Bismarck durch Kürzung der “Emser Depesche” Wilhelms I. die französische Kriegserklärung aus. Unter der Führung von Helmuth von Moltke siegen die deutschen Truppen. Die Süddeutschen Staaten schließen sich Preußen und dem “Norddeutschen Bund” an (siehe Bild)
Neger erhalten in den USA das Wahlrecht
Heinrich Schliemann beginnt mit den Ausgrabungen in Troja
Das Vatikanische Konzil verkündet das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes
Der Generalpostmeister des Neuddeutschen Bundes, Heinrich von Stephan, führt die Postkutsche ein
+ Charles Dickens, Mitbegründer des sozialen Romans verstirbt

1871
Schande! Eulenthurm abgerissen!
Alle Proteste haben nichts gefruchtet: Unser “Eulenthurm”, das Wahrzeichen am Diezer Thor, ist gefallen. Konnten die Abbrucharbeiten kurzfristig noch verhindert werden, haben Spekulanten nun erreicht, daß diese “Perle” Limburgs verschwunden ist. War das wirklich nötig? Längst ging der Wagenverkehr, der sowieso durch die Anlage der Eisenbahn stark zusammengeschrumpft war, nicht mehr durch die Altstadt. Der Graben war der Grabenstraße gewichen und so der Altstadt genommen. Das Diezer Thor war beileibe kein Hindernis. Wenn aber eine Stadt einmal dabei ist, ihr altes Bild zu sprengen und sich auszudehnen, dann ist leider die Sprache des Spekulations- und Geschäftsgeistes imme lauter als die warnende Stimme jener, die wenigstens einen Teil des alten Kleides ihrer Stadt erhalten wollen.
Der Eulenthurm in Limburg
SIEG!! - Aber Ehre bewahren
Der Glocken und Böller eherner Munde verkündeten heute, am 04. März, Frieden und bewirkten Freude. Sofort prangte ganz Hadamar im Fahnenschmuck und Kränzen. Zur Feier des Friedens wurden abends ein großer Fackelzug durch die Stadt geführt, Mönchsberg und Marktplatz bengalisch beleuchtet und eine die ganze Stadt umfassende brillante Illumination ins Werk gesetzt. Zahlreiche Transparente fesselten den Blick und ließen obligate Rippenstöße sowie unangenehme Fußklemmungen an dem teilweise schlechten Pflaster Hadamars leicht verschmerzen. Gegen allen guten Geschmack verstoßend, wenn auch gelungen in der Ausführung, war der gehängte Napoleon. Gegen eine solche Schaustellung muß entschieden protestiert werden. Denn, wenn die Behandlung, welche dem gefangenen Kaiser in der Capitulation von Sedan und auf der Wilhelmshöh zu Theil wurde, der erste bittere Tropfen in diesem Krieg für unser Volk war, so sind derartige Verhöhnungen ein weiterer bitterer Tropfen, weil sie unserer unwürdig sind und uns fühlen lassen, daß manchem Deutschen die Noblesse des Charakters abgeht.
Weltchronik 1971
Im Frankfurter Frieden muß Frankreich Elsaß-Lothringen an Deutschland abtreten und Kriegsentschädigungen von 5 Milliarden Franc zahlen. Deutschland entwickelt sich vom Agrar- zum Industriestaat
Kaiserproklamation Wilhelms I. im Spielgelsaal von Versailles (siehe Bild) Das Deutsche Reich entsteht auf Initiative Bismarcks, der erster deutscher Reichskanzler wird (bis 1890) Aufstand der Pariser Kommune
Schaffung des Deutschen Strafgesetzbuches
Rom wird zur Hauptstadt Italiens erklärt. Dem Papst verbleibt die Hoheit über den Vatikanstaat
Uraufführung von Guiseppe Verdis “Aida”
Die erste Strecke der Berliner Ringbahn führt von Moabit nach Schöneberg
1872
Untergang des Bergbaus an der Lahn
In den Gründerjahren des Oberlahnkreises hatte der Bergbau im Weilburger Land noch eine herausragende Bedeutung. Sein Niedergang, der sich nach dem Höhepunkt ab Mitte des 19. Jahrhunderts vollzog, bedeutete den Verlust zahlreicher Arbertsplätze, der bis heute nicht ganz wettgemacht werden konnte. Der Bergbau hatte einige hundert Jahre Geschichte in den Räumen der heutigen Großgemeinden Löhnberg, Weilburg, Weilmünster und Villmar geprägt. Bis zur Gründung des Herzogtums Nassau waren die Verhältnisse im damaligen heimischen Bergbau alles andere als ideal. Erst eine am 8. Oktober 1816 erlassene Bergwerksordnung hatte eine einheitliche Regelung gesorgt, die sich mit dem Beitritt Nassaus zum Deutschen Zollverein im Jahre 1835 recht günstig entwickelte, zumal neue Techniken die Gewinnung tiefer Erze ermöglichen. Die günstige Entwicklung hielt allerdings nicht lange an. Starke Konkurrenz führte zu fühlbaren Einschränkungen. Aufschwung gab es jedoch noch einmal, als Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten Kokshochöfen an der Ruhr entstanden. Das Lahn-Erz wurde wieder zu einem begehrten Artikel. Allerdings zogen sich später einige der beteiligten Unternehmen nach und nach zurück und stiegen schließlich auch Krupp (spätere Harz-Lahn), Gutehoffnungshütte und Buderus Wetzlar aus. Der Höhepunkt der Bergbautätigkeit im Herzogtum Nassau war im Jahre 1858, also rund zehn Jahre vor Gründung des Oberlahnkreises. In diesm Jahr waren insgesamt 2905 Gruben verliehen, von denen 1279 in Betrieb waren. 10200 Arbeiter von insgesamt 90000 im Herzogtum lebenden männlichen Personen fanden in ihnen Broterwerb. Der technische Fortschritt mit dem Einsatz der Mechanisierung und des elektrischen Stromes kam dem im Niedergang befindlichen heimischen Bergbau nur noch teilweise zugute, zumal das beschränkte Vorkommen von Bodenschätzen erforderliche hohe Investitionen nicht rechtfertigte. So war das Ende des Bergbaus im Nassauer Land und das letzte “Glückauf” vorprogrammiert.
Auf dem etwa 2 km nordwestlich der Gemeinde Gräveneck gelegene Gelände wurde bereits seit 1807 nach Eisenstein gegraben. Später entstanden dort zwei Erzgruben (Georg und Joseph). Im Bild sieht man einen Teil der Belegschaft um 1910.
Weltchronik 1872
Einführung staatlicher Schulaufsicht in Preußen
Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in Frankreich und in Japan, wo das Heer nach französischem und preußischem Vorbild neu organisiert
Pastor Friedrich von Bodelschwingh (linkes Bild) leitet in Bethel bei Bielefeld eine Anstalt für Epileptiker
Pullmann führt Speisewagen im Eisenbahnbetrieb ein
Oskar II, wird König von Schweden
Bau der ersten Eisenbahn in Japan
Bismarck beginnt den “Kulturkampf” gegen die katholische Kirche mit Verbot des Ordens und Ausweisung der Jesuiten
John D. Rockefeller sen. (rechtes Bild) gründete die “Standard Oil Company” 
+ Ludwig Feuerbach, deutscher Philosoph und
+ Franz Grillparzer, österreichischer Bühnendichter versterben
1873
Seelbach versank in Schutt und Asche
Eine Feuersbrunst legte in der Nacht vom 29. zum 30. August in Schutt und Asche. 73 Wohnhäuser und 149 Nebengebäude mit Scheunen und Stallungen, die zwölf Schulhäuser, das Pfarrhaus und die Kirche branten ab. Die meisten Bewohner waren obdachlos und wurden in den Nachbardörfern aufgenommen. Groß war die Not, aber auch die Hilfe. Der milde Winter gestattete einen zügigen Aufbau des Dorfes, der im Herbst 1874 nahezu abgeschlossen war. Die neue Kirchen wurde 1876 und die neue Dorfschule 1878 eingeweiht. Bereits über hundert Jahre zuvor, am 18. Oktober 1767 waren bei einem Großbrand 38 Wohnhäuser, 33 Scheunen, 39 Stallungen mit Nebengebäuden sowie die Notkirche zerstört worden. Der 1826 in Seelbach geborene Lehrer Johann Georg Wirbelauer erlebte das Feuer 1873 mit und notierte in der Schulchronik: “Um halb elf Uhr brach in der am westlichen Rand des Ortes gelegenen Scheune, dem Peter Würz gehörig, Feuer aus. Viele Einwohner hatten sich schon zu Bette begeben, andere earen in den Scheinen am Flachsreffen (Flachs hecheln oder kämmen) beschäftigt. Alle Familien wurden durch das Sturmgeläute in die größen Schrecken und Ängste versetzt. Denn das wütende Element, begünstigt durch den starken Westwind, verwandelte das ganze Dorf in kurzer Zeit in ein herzzerreißendes Flammenmeer. Das so schnelle Umsichgreifen des Feuers wurde besonders auch erhöht durch die gefüllten Scheunen sowie durch die verheerende Trockenheit wegen der vorangegangenen warmen Tage. Hierdurch waren viele Menschen so gehindert, daß sie fast nichts retten konnten. Am ersten Morgen dieser fürchterlichen Nacht hatten wir alle in der Gemeinde im tiefsten Schmerz erlebt, wie es mit den schwachen Menschen so bald anders sein kann. Das so reich gesegnte Dorf mit den vielen schönen Wohnungen lag größtenteils in Asche. Welch ein Jammer! Welch großes Unglück! Neues Obdach mußte gesucht werden. Wohin? Wo hinaus? Einzelne versuchten sich im Ort unterzubringen. Viele aber mußten aufpacken und nach Aumenau, Falkenbach, Arfurt, Wirbelau, Eschenau, Schupbach wandern, um besonders bei Anverwandten unterzukommen. Der Kummer um das Verlorene war groß, doch auch in der schwersten Anfechtung sendet der Herr wieder Hilfe. Diese kam von vielen Seiten in rührender Weise. Wagen voll Brot, Stroh, Heu Frucht, Hülsenfrüchten, Mehl, Fleisch, Kaffee wurden aus nahen und entferten Gemeinden hierhin geliefert und die Geschenke an die Abgebrannten verteilt. Auch viele Kasten mit Kleidungsstücken trafen ein.
So sah Seelbach nach dem Großbrand von 1873 aus.
Viel Sorge brachte uns die Pflege des Viehs. Dieses wurde teilweise abgeschafft, stellenweise auch hier und da an gute helfende Menschenfreunde zur Fütterung auf einige Zeit untergebracht. Für das nicht abgeschaffte Vieh mußte nun im Laufe des Winters Sroh, Heu, Hafer gekauft werden. Diese Ausgaben kosteten viel Geld, ebenso die Saatfrucht, weil die gelieferte Frucht lange nicht bei der großen Dürftigkeit reichte.”
Weltchronik 1873
Einführung einer einheitlichen Reichsgoldwährung in Deutschland
In Preußen verschärfen die Bismarckschen “Maigesetze” gegen kirchlichen Einfluß in Schule und Staat den Kulturkampf
Napoleon II. (rechtes Bild) stirbt an seinem Verbannungsort Chislehurst (England) 
In Berlin wird das Drei-Kaiser-Bündnis zwischen Deutschland (Wilhelm I.), Österreich (Franz-Josef I. linkes Bild) und Rußland (Zar Alexander II.) zur Erhaltung es Friedens abgeschlossen.
Weltwirtschaftskrise beendet die Konjunktur der Gründerjahre in Deutschland.
Nach Abdankung des spanischen Königs Amadeos I. wird Spanien zur Republik erklärt.
Wiener Burgtheater von Gottfried Semper erbaut.
NSU-Motorenwerke in Neckarsulm gegründet.
+ Justus Liebig, deutscher Chemiker verstirbt.
1874
Vor geschichtsträchtiger Kulisse bei Runkel Ritterfeden, Hexenwahn und Bürgersinn
Gelagert an sanftem Uferhang , umrahmt von den Wassern der Lahn, die Häuser dicht gedrängt um die trutzige Burg, gegenüber auf luftiger Höhe Schloß Schadeck. Zusammen mit der alten Brücke steinerne Zeugen einer bewegten Vergangenheit. Dieses Bild der Stadt Runkel, die zur Zeit der Gründung des Oberlahnkreises rund 1200 Einwohner hatte, erinnert an Kampf; an das Ringen von Naturkräften, die in grauer Vorzeit in unermüdlichem Nagen des Wassers zwei Felsschroffen gegenüberstellten und an die Fehden befeindeter Ritter, die sich in unerbitterlicher Zwietracht zu vernichten suchten. Das Bild ist umrankt von Herrschaftsdünkel, Frondienst, Burgen- und Schlösserromantik, Bürgertum und gesellschaftlichen Entwicklungen, die nicht frei waren von Greueltaten, Morden, Hexenverbrennungen und Bemühungen, in diesem Teil des Lahntales eine dominierende Rolle zu spielen. Davon zeugt auch das dritte Werk mittelalterlicher Baukunst, die alte Brücke, die seit mehr als 500 Jahren einen wichtigen Verkehrsweg zwischen Weilburg und Limburg über die Lahn spannt. Der geschichtsträchige Ort spielt seit dem Mittelalter eine Rolle im heimischen Raum, obwohl er mit der Anerkennung als Stadt viel länger als andere Ansiedlungen warten mußte, die nicht die Voraussetzungen Runkels zur Verleihung der Stadtrechte hatten. Erst nachdem Mitte des 19. Jahrhunderts Graf Johann Ludwig Adolf Runkel zum Sitz der Landesregierung, des Konsistoriums und der Rentkammer gemacht hatte, kam die Bezeichnung Stadt allmählich auf, ohne daß Stadtrechte verliehen worden wären. In dem Hauptort von Herrschaft und Amt Runkel entwickelten sich neben Rittertum und Herrschaftsdenken auch Bürgersinn. Runkel wurde unter nassauischer Verwaltung 1813 Sitz eines Amtmannes, eines Landesoberschultheißen und einer Rezeptur. Noch unter preußischer Verwaltung erhielt es 1866 ein Amtsgericht und wurde 1883 das Amtsgerichtsgebäude errichtet, das nach der Auflösung des Gerichts zunächst einige Jahre von dem Filmleuchtenhersteller Otto Hedler genutzt wurde und heute Domizil der Stadtverwaltung der Großgemeinde ist.
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Lahnpartie vor historischen Bauwerken
Weltchronik 1874
Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in Rußland mit sechsjähriger Dienstzeit
Emile Zola (linkes Bild) “Der Bauch von Paris”

Theodor Storm (rechtes Bild) “Pope Popenspäler”
Die Fidschi-Inseln werden britische Kronkolonie
Die Pockenschutzimpgung wird in Deutschland durch Gesetz geregelt, die Todesfälle nehmen in kurzer Zeit am
In Preußen wird durch Gesetz die obligatorische Zivilehe eingeführt.

+ Fritz Reuter (linkes Bild), plattdeutscher Dichter,
+ August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (rechtes Bild), Verfasser des Deutschlandlied-Textes versterben.
1875
Stillgestanden zum Fototermin an der Weilburger Hainkaserne
Die Weilburger Hainkaserne, die unter anderem auch als Feuerwehrstützpunkt eingerichtet wurde, hat eine lange Geschichte. Ursrünglich war hier eine Münzstätte untergebracht. Um 1820 wurde das Gebäude aufgestockt und in eine Kaserne für das nassauische Militär umgestaltet. Hier war dann viele Jahred ein Bataillon untergebracht. Als nach 1866 die Preißen kamen, wurden die Türme dazugebaut und ein Infantriebataillon nach Weilburg verlegt. 1877 wurde in der Heinkaserne eine Unteroffiziervorschule eingerichtet, die 1914 in die Kasernengebäude an der Frankfurter Straße (der heutigen Technikerschule) verlegt wurde. Danach diente die Hainkaserne verschiedenen Zwecken: so als Schule, Klavierfabrik, Offiziersgefangenenlager (im Ersten Weltkrieg), Arbeitsdienstlager und Knabbergebäckfabrik.
 Bevor die Preußen kamen, war die Hainkaserne noch turmlos.
Die Unteroffiziersvorschüler üben um 1910 auf dem Exerzierplatz (heute wird hier Fußball gespielt) mit dem Bajonett
Johnannes Knapp - Engagierter Liberaler aus Dauborn
Mit Johnnes Knapp VI. aus Dauborn verstarb im Jahre 1875 ein sehr engagierter Politiker und praktizierender Christ. Im Alter von 44 Jahren war der Liberale - Sohn des Hofbeständers Philipp Knapp und Elisabeth - geborene Wagner - in den Kreisbezirksrat gewählt und ein Jahr später in die Zweite Kammer der Städteversammlung des Herzogtums Nassau berufen worden. Er bewirtschaftete den Hof seiner Frau und war Branntweinbrenner. Aus Protokollen ist zu entnehmen, daß er keineswegs ein “Hinterbänkler” fwar, sondern eine unerschrockene und fortschrittliche Haltung zeigte. Unter anderem wandte er sich gegen die außerordentliche Anlehnung des Herzogtums an Österreich. Die politische Zukunft des Herzotums Nassau sah Knapp nur in der Anlehnung an Preußen. Als im September 1866 die Annektion des Herzogtums durch die Preußen vollzogen wurde, war die politische Tätigkeit Knapps noch nicht zu Ende. Von 1867 an war er Mitglied des Reichstages des Norddeutschen Bundes, des Zollparlaments, sodann des Deutschen Reichstages und seit 1871 des Preußischen Abgeordnetenhauses.
Weltchronik 1875
Die Krieg-in-Sicht-Krise: Bismarck warnt Frankreich wegen Aufrüstung.
Die standesamtliche Ziviltrauung wird in Deutschland obligatorisch.
Wiederherstellung der Monarchie in Spanien. Alfons XII., Sohn Isabellas, wird König.
Die USA erwerben einen Stützpunkt auf Hawaii (Pearl Harbour).
Vereinigung der Lassalleaner und Marxisten zur “Sozialistischen Arbeiterpartei” Deutschlands (Gothaer Programm).
Legalisierung von Streiks in England.
England erwirbt die Mehrheit an Suezkanal-Aktien
Ernst Curtius, Geschichts- und Altertumsforscher, veranlaßt und leitet die Ausgrabungen von Olympia (bis 1881).
Das Deutsche Reich hat 42.729.000 Einwohner.
+ Georges Bizet, französischer Komponist verstirbt.
+ Eduard Mörike (linkes Bild), deutscher Dichter verstirbt.
+ Hans Christian Andersen (rechtes Bild), dänischer Dichter verstirbt.

1876
Die Schule für den mittleren landwirtschaftlichen Besitzstand
Die Landwirtschaftsschule in Weilburg, gegründet im Oktober 1876, gehört zu den höheren Lehranstalten und dient insbesondere den Bedürfnissen des mittleren landwirtschaftlichen Besitzstandes der Provinz Hessen-Nassau. Sie ist in der Provinz die einzige Anstalt dieser Art und darf nicht verwechselt werden mit den sogenannten landwirtschaftlichen Schulen, die als Fachschulen in jedem Kreis bestehen und für den bäuerlichen Stand arbeiten. Die Landwirschaftsschule vermittelt allgemeines fachliches Wissen; ihr Lehrplan ähnelt dem der 6klassigen Realschulen, sie arbeitet aber weniger mit sprachlichen als mit naturwissenschaflich-landwirtschaftlichen Stoffgebieten. Schulträger ist die Stadt Weilburg. Das Schulgeld wurde vom Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten in Berlin von 120 auf 150 Mark erhöht. (Mitteilung der Stadt Weilburg im Jahre 1924)
Edler Tropfen aus Dauborner Brennereien
Es ist nirgendwo überliefert, wer die “Schnapsidee” hatte, die Dauborn weit über die Grenzen der Heimat bekannt gemacht hat. Als im Jahre 1886 der Kreis Limburg gegründet wurde, gab es den Dauborner Branntwein schon über 200 Jahre. Auch ist nicht bekannt, ob einst die adeligen Nonnenmädchen vom Kloster Gnadenthal dem harten Korn Geschmack abgewinnen konnten, denn erst lange nach der Auflösung des Klosters brache am 19. November 1663 eine Eingabe der Reichsritterschaft von Friedberg um Restitution des alten Klosters zum Ausdruck, “daß Gebäude des Klosters als Brannthäuser mißbraucht werden”.
Aus geschichtlichen Unterlagen geht hervor, daß 1655 der Stadthalter der Grafschaft Diez, Freiherr von Hohenfeld, die Einkünfte des Hofes mit der Einrichtung einer Brennerei zu verbessern suchte und mit einem sachkundigen Meister und einem Brennkessel aus Holland am 21. März 1656 die Entwicklung der Dauborner Branntweinbrennerei einleitete. Es entwickelte sich eine blühende Branntweinwirtschaft, in der durchweg wohlhabende Buernfamilien auch den technischen Fortschritt einziehen ließen, aber auch Steuer- und Zollbeamte in ihre Bücher schauen lassen mußten. Um die Jahrhundertwende gab es in Dauborn und Gnadenthal rund 100 Brennereien, und fast jeder Grundstückseigner hatte das Brennrecht, einige von ihnen schon eine Wasserleitung und großzügig eingerichtete Gerätschaften. Es war ein Heer von Generälen ohne Generalstab, dem die beiden Weltkriege - im Ersten Weltkrieg durch die zwangsweise Abgabe von Kupferteilen der Brenngeräte - den Niedergang brachten. Heute hält noch ein halbes Dutzend Standhafte die große Tradition der Dauborner Schnapsbrenner aufrecht in der Vermarktung eines nach wie vor geschätzten edlen Tropfens.
Historischer Dauborner Branntweinkrug.
Weltchronik 1876
Konrad Adenauer, deutscher Bundskanzler von 1949 bis 1963, wird geboren.
Weltausstellung in Philadelphia.
Gefecht am Little Bighorn River: Die Sioux-Indianer vernichten das 6. Dragonerregiment bis auf den letzten Mann.
Alexander Graham Bell konstruiert ein technisch brauchbares Telefon.
Nikolaus Otto erfindet einen Viertakt-Benzinmotor.
Carl Linde erfindet eine Ammoniak-Kältemaschine.
Mark Twain (linkes Bild) schreibt seinen Roman “Tom Sawyer”. 
Das Bayreuther Festspielhaus wird mit Richard Wagners (rechtes Bild) “Ring der Nibelungen” eröffnet.
Kapitän Webb durchschwimmt erstmalig den Ärmelkanal.
Auflösung der 1864 in London gegründeten 1. Internationalen wegen des Gegensatzes zwischen Marx und Bakunin auf dem Haager Kongreß 1872.
1877
Was damals in der Zeitung stand ...
Die Preise steigen Limburg, 10. Mai 1877. Theuerung scheint die erste hier fühlbare Folge des im Orient ausbrechenden Krieges zu sein. Gerade die nothwendigsten Lebensmittel, wie Brod und Fleisch, sind in kurzer Zeit aufgeschlagen und wird das Fleisch bei dem fortgesetzten Aufkauf von Vieh für Kriegszwecke trotz eintretendem Futtermangel wohl noch mehr im Preise steigen.
Fackelzug für Bürgermeister Limburg 26. Juni 1877. Gestern abend nach 9 Uhr brachten die hiesige freiwillige Feuerwehr und der Gesamgsverein “Eintracht” dem seitherigen Bürgermeister-Stellvertreter, Herrn Posthalter Menges, aus Anlaß seiner gestern Nachmittag erfolgten einstimmigen Wahl zum Bürgermeister der Stadt einen prächtigen, an 100 Lampions zählenden Fackelzug. Vor der Wohnung desselben wechselten die Klänge eines Musikcorps mit einigen gut vorgetragenen Liedern des Gesangvereins in angenehmer Weise ab. Nach einem Hoch, welches ein Führer der Feuerwehr auf den neuen Bürgermeister ausbrachte, dankte dieser für die ihm dargebrachte Ovation in kurzer Ansprache, welche mit einem Hoch auf die Stadt Limburg schloß. Die allgemeine Beliebtheit, deren sich Herr Menges erfreut, läßt annehmen, daß ihm nach erfolgter Bestätigung seiner Wahl durch die königliche Regierung auch noch von Seiten der Stadt eine Ovation dargebracht wurde.
Orgelnd und singend durch die Lande Limburg Limburg 6. August 1877. Der bekannte blinde Sänger Keim durchzieht noch immer trotz seines hohen Alters orgelnd und singend die Ortschaften und Städte unseres ehemaligen Herzogthums. Vor längerer Zeit war derselbe auch in unserer Stadt und ließ sich hören mit selbstverfaßten Gedichten “wo mit Choralbegleitung von ihm selber gesungen werden” Gegenstand seines Gesanges ist in letzter Zeit auch die neue Bauschule in Idstein, welche dem Taunusstädtchen einigen Ersatz für die Verlegung des Lehrer-Seminars von dort bieten soll.
Amtsapotheke Runkel Unser geschätzter Amtsapotheker Karl Engel überließ jüngst für 72.000 Mark die Runkeler Amtsapotheke seinem Sohn Max. Besondere Ehre war Karl Engel 1845 zuteilgeworden, als Herzog Adolph von Nassau sich “gnädigst gewogen gefunden, den geprüften Kandidaten der Pharmazie zum Amtsapotheker des Medizinalbezirks Runkel zu ernennen und ihm statt der Besoldung die in der Gebührenordnung bestimmten Emolumente zu bewilligen”.
 Diese Kriegsveteranen von 1870/71 haben sich in Wirbelau versammelt. Von links: Karl Kissel, Fürfurt: August Lenz Wirbelau - Bruder von Johannette May, geb. Lenz (Großmutter von Dr. Karl Hermann May): Harrach, Algringen.
Weltchronik 1877
Der burische Freistaat Transvaal (Südafrika) wird britische Kononie
England erzwingt Schutzherrschaft über Afghanistan und schaltet damit den russischen Einfluß aus.
Königin Victoria von Großbritannien nimmt den Titel “Kaiserin von Indien” an.
Rußland und Rumänien beginnen einen erfolgreichen Krieg gegen die Türken um die Befreiung der Balkanstaaten.
Thomas Alva Edison erfindet den Phonographen.
Errichtung des Reichsparlamentes in Berlin.
Stanley erforscht den Lauf des Kongo.
In Wien wird das Schrammelquartett gegründet.
In Deutschland wird die gesetzliche Fleischbeschau eingeführt.
Hermann Blohm und Ernst Voß gründen in Hamburg eine Werft.
“Blaues Kreuz”, christlicher Verein zur Bekämpfung des Alkoholgenusses, wird in Genf gegründet.
+ Carl Metz, Gründer der ersten freiwilligen Feuerwehr, verstirbt.
1878
Brückenschlag bei Aumenau
Die Aumenauer Lahnbrücke ist seit über hundert Jahren eine wichtige Verkehrsverbindung, ermöglicht sie doch den Menschen in Wirblau, Falkenbach, Seelbach, Arfurt und Aumenau über den Bahnhof auf der Westerwaldseite den Anschluß an die Züge, die zwischen Limburg und Weilburg verkehren. Aumenau war schon seit altersher ein Verkehrsknotenpunkt, doch solange es keine Brücken gab, durchquerten die Kutschen und Wagen die Lahnfurt, die sich auf der Höhe der alten Schule in der Lahnstraße befand. Als die Lahntalbahn 1862 in Betrieb ging - die erste Lokomotive wurde übrigens auf den Namen Aumenau getauft - sah sich die Gemeinde gezwungen, in den Jahren 1878/79 für 90.000 Mark eine Brücke zu bauen. Sie war nach fünf Jahrzehnten dem wachsenden Fahrzeugverkehr nicht mehr gewachsen. Im September 1929 wurde sie flußabwärts auf einem Holzgerüst verschoben und an der alten Stelle innerhalb weniger Wochen - vom 20. September bis 11. November - durch eine Eisenkontruktion der Gutehoffnungshütte in Oberhausen ersetzt.
 Das ist die Mannschaft, die 1929 die zweite Lahnbrücke baute.
Das Polizeigericht tagt
In der heutigen öffentlichen Sitzung des hiesigen Polizeigerichts kamen nachstehende Fälle zur Verhandlung: 1) ein Bursche aus Rohnestadt, welcher mit einem zehnfpfündigen Stein nach spielenden Kindern geworfen, wurde wegen Verübung groben Unfugs zu einer Haftstrafe von 3 Wochen verurtheilt; 2) ein Einwohner von Winkels wegen Beleidigung des Bürgermeisters zu Probbach während Ausübung seines Dienstes zu gleicher Strafe; 3) eine Tagelöhnerin von Hirschhausen wegen Diebstahls zu 10 Tagen Gefängnis; 4) ein Wagner und ein Strohdecker von Winkels wegen Baupolizei-Übertretung (Reparatur eines Strohdaches ohne Erlaubnis) zu Geldstrafen von 9 bzw. 5 Mark; 5) ein Kaufmann von Langendernbach wurde von der Anklage, einen Grubenschacht unverwahrt gelassen zu haben, freigesprochen, da nicht festgestellt werden konnte, daß der Beschuldigte zur fraglichen Zeit die Aufsicht über den Schacht gehabt habe; 6) wurde ein Landmann von Winkels von der Ihm zur Last gelegten Straßenpolizeiübertretung (Laufenlassen von Mistjauche) freigesprochen, da es sich festgestelltermaßen nicht um einen öffentlichen Weg, sondern um einen Durchgang bzw. Fahrt handelte, welche zur Hofreithe des Beschuldigten gehörte. Aus dem Weilburger Tageblatt vom 2.2.1878
Weltchronik 1878
Das “Sozialistengesetz” verbietet die Parteipresse und -organisation.
Einmarsch österreichischer Truppen in Bosnien-Herzegowina trifft auf bewaffneten Widerstand der Bevölkerung. Die Österreicher erstürmen Sarajewo.
Ende des russisch-türkischen Krieges: Der Balkan gerät unter russische Vorherrschaft (siehe Bild: Die Vertragsunterzeichnung).

Erster deutscher Fußballverein in Hannover gegründet.
William Booth gründet die Heilsarmee.
+ Papst Pius IX. (siehe Bild) verstirbt, Nachfolger wird Papst Leo XII.

1879
Weilburg feiert Kirchweih wie zu alten Zeiten
Die Weilburger Kirchweih ist ohne die Bürgergarde nicht denkbar, wiel sie dafür sorgt, daß sich der Festbrauch seit alten Zeiten unverfälscht erhalten hat. Die Kirchweih wurde erstmals im Jahre 1569 gefeiert und stand im Zusammenhang mit dem im Monat August stattfindenen Laurentiusmarkt. Der August ist inzwischen nach vielen Terminverschiebungen in den letzten Jahren wieder der ständige Festmonat. Mit der Kirchweih ist auch ein Bürgerschießen verbunden. Das erste fand auf Anordnung des Grafen Friedrich am 13. Juni 1669 statt. Als Preise winkten “zwey strimpf und Band”. An dem Festablauf in den letzen hundert Jahren hat sich kaum etwas geändert, nur mit dem Unterschied, daß die Gardisten schon um vier Uhr morgens austanden und um 7.30 Uhr zum Kirmesplatz marschierten, allerdings auch schon mittags nach Hause zogen, weil um 15 Uhr das Tanzvergnügen begann. Die Weilburger haben sich früher auf die Kirchweih vorbereitet, war es doch für die meisten die einzige festliche Veranstaltung des ganzen Jahres. Nur beim sogenannten Herrenfrühstück am ersten Tag waren die Standesunterschiede ausgeprägt, deshalb war die Beteiligung des einfachen Volkes bis zum Ersten Weltkrieg mäßig. Heute heißt es Festfrühstück, und es spricht die ganze Bevölkerung an.
Der Kindertanz zählte schon immer zu den Glanzpunkten des zweiten Kirchweihtages, dem eigentlichen Festtag der Familie. Die Kirchweih fand bis 1985 meistens in der Wochenmitte statt.
Am folgenden Sonntag war Nachkirmes, wo hauptsächlich die Lahnbevölkerung Gelegenheit bekam, zu feiern.
Ende des zweiten Weltkrieges konnte die Bürgergard vorübergehend das beliebte Fest nicht organisieren. Die Besatzungsmacht löste den Verein auf und verbot das Tragen der nassauischen Uniformen. 1947 wurde die Kirchweih in bescheidenem Rahmen und mehr als Erinnerungsfeier wieder gegangen.
Ab 1950 ging es dann nach alter Väter Sitte weiter.
Mit dem Verlegen des Festes auf das Wochenende hat die Kirchweih wieder starken Zulauf bekommen, und so dürfte die über vierhunderjährige Festtradition noch lange fortbestehen.
 Die Bürgergarde ist auf dem Schießplatz angetreten (ein Foto um 1930), von links: Emil Reucker, Julius Hölzgen, Karl Scharf, Gustav Schick, Josef Beck, Karl Stamm, Jean Adler, Georg Quint, unbekannt, Hasselbach, August Hölzgen, Ferdinand Löw.
Weltchronik 1879
Das Deutsche Reich und Österreich schließen Zweierbund gegen feindliche Angriffe.
Jossif Wissarionowitsch Dschugaschwili, genannt Stalin, wird geboren.
Ferdinand des Lesseps beginnt mit dem Bau des Panamakanals.

Edison (siehe Bild), erfindet die Kohlenfandlampe mit Schraubsockel.

Erste elektrische Lokomotive (siehe Bild), von Werner von Siemens.
Salpeterkrieg zwischen Bolivien, Peru und Chile (bis 1884)
Herstellung von Thomasstahl aus phosphorhaltigem Eisen.
1880
Heinrich von Gagern
Der spätere Präsident der Frankfurter Nationalversammlung, Heinrich von Gagern, wurde 1798 - im Gegensatz zu seinen fünf Brüdern, die in Weilburg zur Welt kamen - in Bayreuth geboren. Er besuchte wie seine Geschwister das Gymnasium in Weiburg. Im Alter von 17 Jahren nahm er als Unterleutnant an der Schacht von Waterloo teil. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften trat er 1820 in den Dienst des Großherzogtums Hessen, wurde 1829 Regierungsrat in Darmstadt und 1832 in den Landtag gewählt. Während seiner Präsidentschaft in der Frankfurter Paulskirche gelang es ihm nicht, die unvereinbaren Parteimeinungen zu vereinen, und sein Verfassungsentwurf, der ein Deutschland unter Führung Preußens in Union mit Österreich vorsah, fand keine Mehrheit. Dies führte zu seinem Rücktritt und Ausscheiden aus der Versammlung. 1880 starb Heinrich von Gagern in Darmstadt. Heute trägt die 1974 errichtete Haupt- und Realschule in Weilburg seinen Namen.
 Heinrich von Gagern
Vermischtes
§§ Weilburg, 11. Januar. Bei der am 1. Dezember v.J. stattgehabten Volkszählung befanden sich im hieseign Amte: wohnhaft und anwesend 11.008 männliche, und 11.761 weibliche Personen, nicht wohnhaft aber vorübergehend anwesend 247 männliche, und 66 weibliche Personen, wohnhaft aber vorübergehend auswärts abwesend 104 männliche und 36 weibliche Personen.
* Am 6. Januar hiet eine kleine Gesellschaft in der Gemarkung Philippstein eine Treibjagd ab und ergab dieselbe folgendes überraschende Resultat: 20 Hasen, 6 Füchse, 1 Wildschwein, 2 Rehböcke und 1 Lagerschnepfe.
Aus Weilburger Tageblatt 12. Januar 1880
In der Langgasse in Weilburg ging es vor der Jahrhundert- wende noch sehr beschaulich zu. Von der Hektik und Ge- schäftigkeit in der heutigen Zeit ist noch nichts zu spüren. Die Kinder konnten ohne Gefahr auf der Straße spielen, denn Autos fuhren noch nicht. Höchstens ein Pferdefuhr- werk kam einmal vorbei, was die Überreste im Vordergrund beweisen
Weltchronik 1880
Aufstand der Buren unter Paulus Krüger, genannt Ohm Krüger, gegen England.
Konrad Duden (Bild) gibt die erste Auflage seines “Orthographischen Wörterbuches in deutscher Sprache” heraus. Konrad Duden
Der Kölner Dom (Grundsteinlegung 1248) wird fertiggestellt (Bild)
Lewis Wallace schreibt den historischen Roman “’Ben Hur”.
In Paris wird das Revuetheater “Folies-Bergère” eröffnet.
+ Jacques Offenbach, deutsch-französischer Komponist, verstirbt.
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