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Historie Teil 2

1881

 

Nagelschmied - ein ausgestorbener Beruf

Das alte Gewerbe der Nagelschmiede wurde in Mengerskirchen über viele Generationen hin ausgeübt. Seine größte Bedeutung hatte es von 1880 bis unmittelbbar nach dem ersten Weltkrieg. Zwischen 100 und 150 Personen stellten in dieser Zeit Nägel her. Davon betrieben viele noch eine Landwirtschaft, oder sie waren während der Sommermonate als Maurer im Bergischen, das heißt in den Industriebetrieben an Rhein und Ruhr.
Vorwiegend wurden Schuhnägel hergestellt, durchschnittlich um die tausend Stück täglich. Dafür ga es je nach Art und Gewicht 1,20 bis 3 Mark.
Zur Herstellung eines Nagels waren 22 bis 24 Schläge mit einem ein Pfund schwerden Hammer erforderlich. Das bedeutete: Der Schmied mußte täglich über 20.000mal auf den Nagelstock schlagen.
Während des Ersten Weltkrieges hatte besonders die Gebirgstruppe Bedarf an den Spezialnägeln vom Westerwald. Nach Kriegsende setzte durch heimkehrende Soldaten eine große Produktion von Nägeln ein, die zu einem Überangebot führte. Dadurch verfielen die Preise, und es blieb für die Schmiede immer weniger übrig.
1930 waren nur noch 40 Personen mit der Herstellung von Schuhnäglen beschäftigt, um 1938 verstummte das Hämmern der Nagelschmiede in Mengerskirchen ganz. Allerdings erwachte das Gewerbe nach 1945 infolge des allgemeinen Warenmangels noch einmal kurz zu neuem Leben - bis zur Währungsreform 1948.

 


Nagelschmied in Mengerskirchen bei
der Arbeit

 

Gesellenbrief des Nagelschmiedhand-
werks aus dem Jahre 1948.

 


Blick in die Werkstatt eines Nagelschmiedes. Während des Anblasens des
Schmiedefeuers lief ein Hund im Antriebsrat.

 

 

 

Weltchronik 1881

  • Neutralitätsvertrag zwischen dem Deutschen Reich, Österreich und Rußland.
  • Einführung der Versammlungs- und Pressefreiheit in Frankreich.
  • Leopold II. (rechtes Bild), König der Belgier, gründet den Kongostaat.
  • In Rußland wird Zar Alexander II. von Anarchisten ermordet. Nachfolger wird sein Sohn Alexander III. (linkes Bild)
  • Der 15 km lange Gotthard-Tunnel wird fertiggestellt.
  • In Ägypten findet Emil Brugsch-Bey 40 Königsmumien in Tal der Könige.
  • In Berlin verkehrt die erste elektrische Straßenbahn.
  • Gründung der Sozialdemokratischen Vereinigung in Großbritannien.
  • 21. amerikanischer Präsident wird Chester Arthur.
  • Afrika-Expedition des deutschen Gnerals von Wissmann von Luanda bis Sansibar.
  • + Modest Petrowitsch Mussorgski, russischer Komponist verstirbt.

 

 

 

 

1882

 

Pennäler in der guten alten Zeit

Seit 1875 bestand eine Polizeiverordnung, die die Wirte der Stadt und der anliegenden Dörfer mit Geldstrafen bedrohte, wenn sie Schülern des Gymnasiums ohne Beisein der Eltern oder Lehrer geistige Getränke verabreichten. Sowohl in der Stadt als auch in der näheren Umgebung war der Besuch von Gastwirtschaften, Konditoreien und sogenannten “Vergnügungsorten” für Schüler ohne Beisein der Eltern bzw. deren Vertreter völlig verboten, ebenso der gemeinsame Genuß von Alkohol oder Kartenspiel auf den Zimmern der auswärtigen Schüler.
Die Schüler wußten sich aber zu helfen. An Samstagnachmittagen fanden sie sich zusammen, zogen gemeinsam in ein Dorfwirtshaus und leerten dort so manches Fäßchen Bier.
Bei Übertretungen drohten teilweise drastische Strafen, die von einfacher Zurechtweisung bis zur Verweisung von der Schule reichten. Bei ernsteren Vergehen, wie Trinkgelagen, war die übliche Strafe die Verhängung von “Karzer”, eine Art Schulgefängnis, wo man für seine Missetaten büßen mußte.

Im Jahre 1882 bestand das Lehrerkollegium des Gymnasiums in Weilburg aus
13 Personen, die rund 100 Schüler zu unterrichten hatten.
Von links stehend: Heyne, Primer, Weis, Woell, Mank, Gundlach, Weinbrenner (Pedell);
sitzend: Gropius, Leyendecker, Stoll, Bernhardt, Ebhard, Müller (Karl).

 

Diese Weilburger Gymnasiasten trafen sich in einer Dorfkneipe, um bei einem
Glas Bier oder auch mehreren den Schulalltag zu vergessen. Mädchen sucht man
auf diesem Bild vergebens.
Sie besuchten erst ab 1920 das Gymnasium, während diese Aufnahme um die
Jahrhundertwende entstand.

 

 

 

Die Tanzschule

Weilburg, 20. November: Anfangs September eröffnete hier der Tanz- und Anstandslehrer Jean Blees seinen ersten Tanz-Unterrichts-Kursus, undgestern Abend fand im Görlitz’-schen Saale der übliche Abtanz-Schlußball statt. Bei der Polonaise tanzten 60 Paare mit. Da die Paare durch Verlosung zusammengeführt waren, so hatte der Zufall recht komisch gewaltet. Einige alte Damen wurden nämlich von ganz jungen Bürschchen geführt, während manch’ zierliches “Backfischchen” sich der gesetzten Führung eines alten Herrn anbequemen mußte; indessen trug diese trolige Vertheilung der Paare nur dazu bei, die im Allgemeinen recht heitere Feststimmung zu erhöhen. Die Schüler machten fast ohne Ausnahme ihrem Herrn Lehrer Ehre.

Aus dem Weilburger Tageblatt vom 1. November

 

 

 

Weltchronik 1882

  • Für den Fall eines französischen Angriffs schließen dias Deutsche Reich, Österreich und Italien einen Dreibund-Vertrag.
  • Die USA unterbinden die Einwanderung Unbemittelter.
  • Gründung des Berliner Philharmonischen Orchesters.
  • Richard Wagners letzte Oper “Parsival” erscheint.
  • Ferdinand Lindemann veweist die Unmöglichkeit der “Quadratur des Kreises”.
  • Robert Koch entdeckt den Tuberkulosebazillus.
  • T. A. Edison (Bild) gründet in New York das erste öffentliche Elektrizitätswerk.
  • In Wien wird die Operette “Der Bettelstudent” uraufgeführt.
  • Großbritannien besetzt Ägypten (bis 1922).
  • + Charles Darwin, englischer Naturforscher verstirbt.

 

 

 

 

1883

 

Mit der Bahn durchs Lahntal

Bevor dem Oberingenieur Moritz Hilf 1858 die Bauleitung der Lahntalbahn übertragen worden war, waren schon einige Jahre vorher die Pläne zu diesem Bauvorhaben gereift. Nachdem man 1845 zunächst die Eisenbahnlinie als fast unmöglich und unrentabel bezeichnet hatte, legte der belgische Ingenieur Splingard 1851 seine Pläne der Landesregierung vor, die aber nicht deren Zustimmung fanden.
Im Juli 1855 verfügte das Herzogliche Staatsministerium die Ausarbeitung eines neuen Planes bezüglich der Bahn durch das Lahntal. Mit Dekret vom 21. März 1857 wurde schließlich die “Rhein- und Lahneisenbahngesellschaft” beauftragt, innerhalb von vier Jahren die Bauarbeiten auszuführen. Die Arbeit war schwer; alle Einschnitte wurden in Handarbeit mit der Schaufel ausgehoben. Sämtliche Sprengungen wurden mit Schwarzpulver ausgeführt. Die erforderlichen Bohrlöcher mußten mit Hammer und Meißel mühsam in das Gestein geschlagen werden.
Nachdem die 13 km lange Strecke von Oberlahnstein nach Ems am 18. Juni 1858 dem Verkehr übergeben worden war, ging die Baugesellschaft in Konkurs, und hilf übenahm - wie oben erwähnt - die Bauleitung. Die Pläne seiner Vorgänger fanden nicht Hilfs Zustimmung und wurden, soweit dies noch möglich war umgeändert.
Die Strecke wurde durch Planung zusätzlicher Tunnels sowie Brücken über die Lahn erheblich abgekürzt. Am 14. Oktober 1862 war es dann endlich soweit: Die Strecke von Limburg nach Weilburg wurde fertiggestellt, um am 10. Januar 1863 konnte auch der letzte Abschnitt von Weilburg nach Wetzlar für den Verkehr freigegeben werden.
Die Haupteinnahmequelle bildete nicht der Personen- sondern der Güterverkehr. Besonders der Transport von Eisenerz, Kohle, Phosphorit, Marmor, Dachschiefer, Eisen und Getreide beanspruchte den vorhandenen Laderaum. So verkehrten schon blad neben den vier Personenzügen täglich Erzzüge.

Bei Eröffnung der Strecke Nassau - Limburg der Lahntaleisenbahn am 6. Juli 1862:
Einfahrt des ersten Zuges in den Bahnhof Diez (nach einer Zeichnung von Hegenbarth)

 

 

Nassauer Brocksel

Wenn die langen Winternächte die Erde einhüllen und Frost in der Luft liegt, ist die Zeit gekommen, um sich am wärmenden Feuer dem “Nassauer Brocksel” zu widmen. Entstanden ist diese Köslichkeit im Lahndorf Dehrn.
Lange vor der Jahrhundertwende wurde das wertvolle Phosphorit von Bergleuten aus dem Nassauer Land in Dehrn gefördert. Abends stärkten sich die Männer mit einem “Lahntaler”, einem klaren Schnaps. Viele Gäste aßen dazu Lebkuchen aus der neben dem Wirtshaus gelegenen Bäckerei. Als ein Gast einmal Lebkuchen in den Lahntaler eintauchte, war das Brocksel geboren.
Das Rezept: Kräftig schmeckender und nicht krümelnder Lebkuchen wird in einer Schüssel mit dem Schnaps übergossen und gewöhnlich Zucker beigegeben. Das Nassauer Brocksel ist erst “löffelfertig” - bekanntlich wird aus Löffeln gekostet - wenn es zur Erreichung von Harmonie und Abrundung eine Nacht abgedeckt gestanden hat. Für eine gute Grundlage sollte jeder sorgen, denn die Bröckchen “haben es in sich”.

 

 

 

Weltchronik 1883

  • Das Königreich Rumänien verbündet sich mit Österreich-Ungarn und Deutschland.
  • Die Bismarcksche Sozialgesetzgebung beginnt mit der Einführung der Krankenversicherungspflicht.
  • Die Vulkaninsel Krakatau zwischen Java und Sumatra expodiert.
  • Der erste “Christliche Verein Junge Männer” (JVJM) wird in Berlin gegründet.
  • Eröffung der Metropolitan Opera in New York
  • Friedrich Nietzsche schreibt “Also sprach Zarathustra”.
  • In New York wird die Booksyn Bridge vollendet, bis heute vielbewunderter Pionierbau einer Hängebrücke.
  • S. Bishop beobachtet einen rötlich-braunen Ring um die Sonne, der wahrscheinlich durch Bewegung und Reflexion des Sonnenlichtes an von Vulkaausbrüchen und Wüstenstürmen herrührenden Staubteilchen in der Luft entstehen.
  • Sir Hiram Stevens Maxim erfindet das erste brauchbare Maschinengewehr.
  • Ohm Krüger wird Präsident von Transvaal.
  • + Karl Marx, Begründer des historischen Materalismus verstirbt.
  • + Richard Wagner, deutscher Opernkomponist verstirbt.

 

 

 

 

1884

 

Floriansjünger im Goldenen Grund

Zur Regelung der Brandbekämpfung wurden seit dem 13. Jahrhundert in den Städten und Gemeinden Feuerlöschordnungen erlassen mit dem Ziel, daß die Bevölkerung aktiv Löschdienste leistet. So entstand die Pflichtfeuerwehr, um deren Dienstauffassung es nicht besonders gut bestellt war. Es mangelte zudem an einer brauchbaren Ausrüstung, von einer eingeübten Mannschaft ganz zu schweigen. Einen jederzeit verfügbaren Wasservorrat kannte man meist auch noch nicht.
Nachdem 1848 in Weilburg die erste Freiwillige Feuerwehr unserer Heimat gegründet wurde, folgten weitere in Limburg1867, Hadamar 1869 und Staffel 1880.
Am 24. April 1884 versammelten sich im Gasthaus “Zum Schützenhof” 16 Niederselterser Bürger, Bürgermeister Keul sowie der Initiator Major a. D. Kroeck und beschlossen die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr, der erstern des Goldenen Grundes. Zum ersten Kommandanten wählte man einstimmig den Maurermeister Heinrich Ehlig.
Durch Stiftung von Signalhorn, Messinghelm und Rettungsgürtel mit Leine half Kroeck die ersten Ausstattungsprobleme zu lösen.


Die Blauröcke der Freiwilligen Feuerwehr Staffel im Jahre 1901

 

 

 

Peter Joseph Blum - Bischof mit Karriere

Dem am 18. April 1808 in Geisenheim im Rheingau geborenen Peter Joseph Blum kann man wohl ohne Übertreibung eine steile Karriere bescheinigen, denn bereits 1832, im Jahr seiner Priesterweihe, wurde der Domvikar und zugleich Professor am Priesterseminar in Limburg. Nachdem er 1840 in Oberbrechen eine Pfarrstelle angetreten hatte, wurde er am 22. Januar 1842 zum Bischof von Limburg gewählt.
Der um die Wiederbelebung des religiösen Lebens in seiner Diözese hochverdiente Bischof wurde am 17. Oktober 1876 aufgrund verschiedener Gesetze (Klostergesetz etc.) durch den preußischen Gerichtshof aus seinem Amt entlassen. Von 1876 bis 1883 weilte er auf Schloß Haid in Böhmen in der Verbannung und kehrte nach seiner Begnadigung in die Diözese zurück.
1884 verstarb er in Limburg.

 

 

 

Weltchronik 1884

  • Theodor Heuss, erster Bundespräsident wird geboren.
  • Carl Peters gründete die Gesellschaft für deutsche Kolonisation. Das Deutsche Reich beginnt mit der Gründung von Kolonien in Südwestafrika, Kamerum, Togo und im Bismarck-Archipel in der Südsee.
  • Erneuerung des Neutralitätsvertrages zwischen dem Deutschen Reich, Österreich und Rußland.
  • In Deutschland wird die Unfall-Pflichtversicherung eingeführt.
  • Der Arlbergtunnel wird vollendet.
  • Entdeckung der Erreger von Wundstarrkrampf, Diphtherie und Cholera.
  • Gottlieb Daimler (Bild) erfindet den schnellaufenden Verbrennungs-(Benzin-Motor).
  • Ottmar Mergenthaler erfindet die Zeilensetzmaschine. George Eastman den Rollfilm
  • + Emanuel Geibel, deutscher Dichter verstirbt
  • + Gregor Johann Mendel, böhmischer Vererbungsforscher, verstirbt.

 

 

 

 

1885

 

Hopfen und Malz

Die Kunst des Bierbrauens kann auf eine alter Tradition zurückblicken. Das Brauwesen entwickelte sich aus kleinen Anfängen in den Klöstern und Städten im Mittelalter.
Die Brauerein A. Helbig in Weilburg besteht seit 1822, ist somit noch fast ein halbes Jahrhundert älter als der Oberlahnkreis.
Solange Weilburg Residenz war, also bis 1816, gehörte das Bierbrauern zu den Privilegien des Landesherrn. Das gräfliche, später herzogliche Brauhaus befand sich bis 1705 im Viehhof, dann neben der Brückenmühle, bis schließlich 1718 ein neues Brauhaus im Bangert dazukam.
Mit der Verlegung der Residenz nach Wiesbaden erlosch das herzogliche Brauprivileg. Est stand den Bürgern nunmehr frei, Braurechte zu erwerben. 1822 wurde ‘”auf das Gesuch der Witwe des Adam Helbig zu Weilburg um Erlaubnis zur Erbauung einer Bierbrauerey hinter ihrem Hause auf der Stelle eines daselbst stehenden Stalles derselben bekannt gemacht, daß ihr hierzu die polizeiliche Erlaubnis erteilt werden”, sofern sie das Gebäude massiv und feuerfest aufführe. Ihr Haus, das war der heutige Weilburger Hof.
1861 hatten bereits die Auseinandersetzungen mit der damals noch Herzoglich Nassauischen Eisenbahnbauinspektion wegen des Baus einer Trinkhalle und Kegelbahn über dem Felsenkeller im Ahäuser Weg begonnen. Ein weiterer Felsenkeller der heutigen Brauerei Helbig, der Eiskeller auf dem heutigen Brauereigelände, wurde zum Ansatzpunkt, an den sich mancherlei Bautern gliederten: das Wohnhaus mit Stall und Scheune, 1881 eine “Faßremise”, schließlich 1887 der Brauereineubau mit Sudhaus, Darre, Schwankhalle und Gärkeller. Die Biere der Brauerei Helbig sind seit vielen Jahren mit dem Weilburger Hof eng verbunden: ob sich nun die sogenannte “Abendschule”, ein Professoren-Stammtisch, im Weilburger Hof um den schumbekrönten Krug versammelte, oder ob sich die Gymnasiasten, die sich nach dem abendlichen Bummel “auf dem Zement” (Bahnhofstraße) ab sechs Uhr in ihren Zimmern zu befinden hatten, zu heimlichem Biergenuß trafen.
Neben Weilburg wird auch in Niedershausen der Gerstensaft gebraut, während die Brauerei


Die Waldschlößchen-Brauerei der Familie Göbel in Nieders-
hausen wurde im Jahre 1864 gegründet. Vor der Brauerei
erkennt man in der oberen Reihe von links:
Wilhelm Schmidt, Niedershausen, unbekannt, Alex Xaver,
Württemberg, David Knutti, Niedershausen.
Untere Reihe von links:
Heinrich Pfeiffer, Obershausen, Otto Hartung, Niedershausen,
Lorenz Stötter, Niedershausen, Hans Göbel, Niedershausen,
Fritz Göbel, Niedershausen, Kurt Göbel Niedershausen, August
Göbel, Niedershausen; die anderen sind unbekannt.
Die Aufnahme stammt aus dem Jahre 1909.

Busch in Limburg vor kurzem ihre Produktion eingestellt hat.

 

 

Nur ein Jahr wirkte Dr. Christian Ross als Bischof in Limburg.
Im Gründungsjahr des Kreises wurde er Nachfolger von Bischof Blum.
Der aus Kamp am Rhein stammende Roos war seit den sechziger Jahren
des vorigen Jahrhunderts Stadtpfarrer und Domkapitular in Limburg
gewesen. 1886 ging Bischof Roos als Erzbischof nach Freiburg.

 

 

 

Weltchronik 1885

  • König Leopold II. von Belgien erwirbt den Kongo-Staat als Privatbesitz und vererbt ihn dem belgischen Staat.
  • Die Großmächte verpflichten sich zur Unterdrückung des Sklavenhandels
  • Grover Cleveland wird Präsident der Vereinigten Staaten (bis 1889 und von 1893 bis 1897).
  • Carl Benz stellt seinen ersten dreirädrigen Kraftwagen vor. (Bild)
  • Nordenfelt baut das erste brauchbare U-Boot.
  • Car Freiherr von Auer von Welsbach erfindet das Gasglühlicht.
  • Erfindung des autogenen Schweißens.
  • In Leipzig findet die erste Mustermesse statt.
  • + Victor Hugo, französischer Schriftsteller verstirbt.

 

 

 

 

1886

 

Freie Fahrt bis Heckholzhausen

Die Kerkerbachbahn gibt ihnen verehrten Kunden bekannt: Betrieben wird von nun an die Gesamtstrecke von Dehrn über Kerkerbach nach Heckholzhausen!
Am 7. Juni 1884 war die Kerkerbachbahn AG nach Hinterlegung von 1000 Mark bei der Regierungshauptkasse in Wiesbaden in das Handelsregister eingetragen worden. Das Aktienkapital betrug damals 500.000 Reichsmark.
Befördert wurden Personen Gepäck, Srück- und Wagenladungen. Die Bahn wurde von der Berliner Firma Sanderop & Co auf der Strecke Kerkerbach - Heckholzhausen mit 1 m Spurweite eingleisig gebaut, auf der Strecke Dehrn - Kerkerbach mit normaler Spurweite und zusätzlichem dritten Gleis, um den reibungslosen Übergang von einer Strecke zur anderen zu ermöglichen.

Stolz präsentiert sich das Zugpersonal vor der Lokomotive, Marke Dachs, bei
Heckholzhausen. Von links: Karl Leinweber, Zugführer, unbekannt, Fritz Müller,
Lokführer, Wilhelm Kraus, Schaffner, Christian Schneider, Stationsvorsteher.

 

 

 

Feuer machte 19 Camberger Familien obdachlos

Im Gründungsjahr des Kreises Limburg wurde Camberg von einer großen Feuersbrunst heimgesucht, die am 27. November 19 Familien obdachlos machte. Von einem Hinterhaus in der Kirchgasse ausgehend, legten die Flammen trotz des Einsatzes der Feuerwehren aus Camberg und der Nachbarorte den Bereich zwischen Kirchgasse, Pfarrgasse und Strackgasse in Schutt und Asche. Nur ein Haus, das mit einer Brandmauer versehen war, wurde nicht ein Raub der Flammen, wie andere 42 Gebäude, darunter Stallungen und Scheunen, in denen das Feuer reiche Nahrung an den Heu- und Strohvorräten fand.

Aufgrund der neuen Kreisordnung für die Provinz Hessen-Nassau, die am 1. April 1886 in Kraft trat, entstand auch der Kreis Limburg an der Lahn. Er umfaßte das Amt Limburg aus dem Unterlahnkreis, das Amt Hadamar aus dem Oberlahnkreis, ohne die Gemeinden Niedertiefenbach und Waldernbach, aus dem alten Amt Idstein im Untertaunuskreis die Gemeinden Camberg, Dombach, Eisenbach, Erbach, Schwickershausen, Nieder- und Oberselters sowie Würges.

 

 

Kirche für die Camberger Protestanten

Das Jahr 1886 bescherte den wenigen Christen in Camberg und Umgebung gleich zwei bedeutende Ereignisse. Aufgrund eines Gesuches an den Kaiser auf ein “Gnadengeschenk” zwecks Unterstützung zum Bau einer Kirche hatte das Preußische Kultusministerium zum Jahresbeginn Erhebungen über die Lage der evangelischen Christen im Goldenen Grund und Camberg anstellen und den ersten Plan für den Bau einer Kirche zeichnen lassen.
Schon am 8. April beauftragte das königliche Konsistorium zu Wiesbaden als zuständige Behörde den in Gemünden, Kreis Westerburg, amtierenden Pfarrer Karl Lieber “mit der Versehung der Pfarrgeschäfte der Filialgemeinde Camberg mit Wirkung vom 1. Mai”. Diese Filialgemeinde der evangelischen Kirchengemeinde Walddorf bildeten die evangelischen Bürger der Orte Nieder- und Oberselters, Eisenbach, Camberg und Würges bereits seit 1880.

 

 

 

Weltchronik 1886

  • China tritt Burma an England ab.
  • Ludwig II., König von Bayern, wird wegen einer Geisteskrankheit entmündigt und begeht im Starnberger See Selbstmord. Regent wird sein Onkel Prinz Luitpold.
  • In Preußen endet der Kulturkampf. Die Maigesetze werden schrittweise aufgehoben.
  • Anfänge des Jazz in New Orleans.
  • Im Hafen von New York wird die Freiheitsstatue errichtet (Bild)
  • Die Gebrüder Mannesmann entwickeln das “Pilgerschritt-Walzverfahren” zum Walzen nahtloser Röhren
  • Die Goldgräberstadt Johannesburg wird gegründet.
  • Gründung des Deutschen Schwimmverbandes

 

 

 

 

1887

 

Singen fördert die Gemeinschaft

Unter dem Leitwort “Wo man singt, da laßt Euch ruhig nieder; böse Menschen haben keine Lieder” fanden sich 1863 ältere und jüngere Menschen und Burschen zusammen, um in Niedershausen einen Gesangverein ins Leben zu rufen. Dem ersten Dirigenten, Lehrvikar Reichard , wurde wegen seiner Verdienste um den Verein eine Gratifikation von 15 Gulden aus der Gemeindekasse bewilligt! Die Gesangstunden, deren Zuspruch immer besser wurde, fanden in der Schule statt. Inzwischen war die Mitgliederzahl auf 60 angestiegen.
Im Sommer versammelte man sich an sonnigen Sonntagnachmittagen auf der “Hardt”, einem nahegelegenen bewaldeten Bergkegel, wo im Beisein der Gemeinde die geübten Weisen erklangen. Das gute Verhältnis zwischen Verein und Gemeinde machte sich bei der Anschaffung einer



Die Sangesbrüder vom “Liederkranz” Niedershausen um 1887 mit ihrer Fahne.
 

Fahne bezahlt, denn die freiwilligen Spenden flossen reichlich. Die Fahnenweihe fand im September 1865 statt.

 


Handwerk hat goldenen Boden: Waldernbacher Besenbinder.

 

 


Das Landtor in Weilburg 1886

 

 

 

Weltchronik 1887

  • Bismarck schließt mit Rußland einen geheimen Rückversicherungsvertrag, worin die gegenseitige Neutralität vereinbart wird.
  • Deutsch-französische Krise wird beigelegt.
  • Alexandre Gustave Eiffel (Bild) beginnt den Bau des Eiffelturms in Paris.
  • Goethes “Urfaust” wird entdeckt.
  • Die immer weiter nach Westen vordringende Besiedlung und industrielle Erschließung in den USA kündigt den Aufstieg zur Großmacht an (Bild. Bergarbeiter vor Socorro´s Walten Saloon.

 

 

 

 

1888

 


Das hessische Regiment von 1888 leistete in Mainz seinen Wehrdienst ab Unter ihnen befanden
sich auch einige Soldaten aus dem Oberlahnkreis und dem Kreis Limburg,
unter anderem die Männer Zipp und Weber aus Niedershausen.

 

 

 

Für unsere Hausfrauen

Gefüllte Schweinerippen:
Zu diesem Zweck werden die Rippen dicker ausgeschnitten, in der Mitte geknickt und mit Salz eingerieben. Dann füllt man das Innere mit suaren, geschnittenen Äpfelvierteln und mit gekochten Pflaumen, etwas Zucker und Zimt und näht die Rippen von allen Seiten zu. Dann röstet man sie in heißem Fett an allen Seiten gelb und läßt sie mit etwas Wasser unter fleißigem Begießen garschmoren. Die Tunke wird entfettet und mit etwas Mehl in Wasser angerührt.

 


Was damals in der Zeitung stand

Weilburg, 31. Juli.
Gestern Abend verursachte ein großer Spektakel in einem Hause in der Marktstraße einen größeren Menschenauflauf. Ein Mitbewohner deses Hauses, der dem Branntweinteufel ergeben zu sein scheint, machte einen großen Lärm und geberdete sich wie ein Wahnsinniger, indem er schließlich mit einem Messer umherfuchtelte und seine Frau wie auch seine große Kinderschar zu erstechen drohte.
Der Radau hörte erst auf, nachdem der Mann auf ärztliche Anordnung in eine Zwangsjacke gesteckt wurde. Dies auszuführen war jedoch keine leichte Arbeit, und es mußte zu Chloroform gegriffen werden.

 

 

Weltchronik 1888

  • Drei-Kaiser-Jahr in Deutschland: Kaiser Wilhelm I. stirbt 91jährig und hinterläßt seinem todkranken Sohn Friedrich III. (linkes Bild) den Thron.
  • Nach nur jundert Tagen Regierungszeit stribt auch er. Sein Sohm Wilhelm II. wird deutscher Kaiser und König von Preußen.
  • Internationale Konvention über den Suezkanal.
  • Brasilien schafft als letzter amerikanischer Staat die Sklaverei ab.
  • Europäische Bahnverbindung nach Konstantinopel.
  • Der schottische Tierarzt J. B. Dulop führt die Preßluftreifen ein.
  • Englande erobert ganz Burma. Damit ist das ganze Gebiert Indiens unter englischer Oberhoheit.
  • Heinrich Hertz erzeugt elektomagnetische Wellen.
  • Gerhart Hauptmann schreibt “Bahnwärter Thiel”.
  • + Theodor Storm (rechtes Bild, deutscher Dichter verstirbt.

 

 

 

 

1889

 

Post in neuen Räumen

Gemäß einem Erlaß des Reichspostamtes Berlin vom 29.12.1885 wurde bestimmt, in Limburg ein Post- und Telegraphengebäude zu errichten, da das alte Gebäude weder der Gesundheit der Beamten noch den Bedürfnissen des Publikums weiter zuträglich war.
Das alte Gebäude, ehemals Thurn und Taxis-Posthaus, von dem Posthalter Joseph Oberst (1796 - 1823) erbaut, wurde vollständig abgerissen. Mit dem Neubau wurde am 7. Juni 1888 begonnen und konnte am 1. Dezember 1889 bereits der Öffentlichkeit übergeben werden.
Bis zur Eröffnung wurde von der Bahnlinie Limburg - Eschhofen, an der Frankfurter Straße bei der ehemaligen Seifenfabrik Lehnhard beginnend, das erste Telegraphenkabel zum neuen Post- und Telegraphengebäude verlegt.
Au dem kleinen turmartigen Gebäudeteil am Seiteneingang Frankfurter Straße wurde das Abspanngestänge für die oberirdisch geführten Telefonleitungen angebracht. Die Gesamtkosten betrugen 129.578 Mark und 28 Pfennige.
Der Baustil entspricht der in den neunziger Jahren üblichen deutschen Renaissance (Neo-Klassizismus).
Die Fassaden sind aus roten Verblendziegeln hergestellt, während die Architekturteile aus Mainsandstein bestehen, der aus den Steinbrüchen von Boxtal am Main stammt.


Ansicht des Limburger Posthauses in der Frankfurter Straße

 

 

 

Roter Wein von der Lahn

Am 24. Juli 1889 verstarb der Seelbacher Pfarrer Fr. Chr. Endres. Ihm war es nicht vergönnt, die zwölf Flaschen Runkeler Roten zu leeren, die ihm am 19. Juni vom Fürsten zu Wied übersandt worden waren. Endres erhielt zudem folgendes Schreiben:
“Im höchsten Auftrage seiner Durchlaucht, des Fürsten zu Wied, unseres gnädigsten Herrn, benachrichtigen wir Euer Hochwürden, daß seine Durchlaucht Order gegeben haben, aus dem Fürstlichen Keller 12 Flaschen Runkeler Rothwein an Euer Hochwürden zu übersenden, die sie auf die Gesundheit Seiner Durchlaucht und zur baldigen Herstellung der Ihrigen austrinken möchte”.

 

 

 

Weltchronik 1889

  • Im Ruhrgebiet kommt es zu einem heftigen Streik um Arbeitszeitverkürzung und Lohnerhöhung.
  • Einführung der Alters- und Invalidenpflichtversicherung für Arbeiter in Deutschland.
  • In Japan wird die konstitutionelle Monachie eingeführt.
  • Ernst Abbe gründet die Carl-Zeiss-Stiftung mit Gewinnbeteiligung der Arbeitnehmer.
  • Hermann Hollerith erfindet die Lochkartenmaschine.
  • Der Diamantenfelderbesitzer Cecil Rhodes gründet Rhodesien.
  • In Paris wird das Revuetheater “Moulin Rouge” eröffnet.
  • In Berlin taucht die Velociped-Droschke Sultan im Straßenbild auf (Bild)
  • Erste Maifeier in Paris und Gründung der “Zweiten Internationalen”.
  • Die Mayo-Klinik, eines der bedeutendsten Krankenhäuser der Welt, wird in Rochester (USA) gegründet.

 

 

 

 

1890

 

 

Familie Schmidt vor der Kaiserlichen Postagentur in der Koblenzerstraße in Staffel.

 

 

 

Weltchronik 1890

  • Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei ändert ihren Namen in ‘”Sozialdemokratische Partei Deutschlands” (SPD).
  • Nach dem Tode Wilhelms III. wird Wilhelmina im Alter von 10 Jahren Königin der Niederlande.
  • Kaiser Wilhelm II. entläßt Reichskanzler Bismarck. Nachfolger wird der preußische General Graf Leo von Caprivi.
  • Die USA führen Schutzzölle ein.
  • Deutschland erhält von England Helgoland und verzichtet auf Sansibar.
  • Der Reichstag verlängert Bismarcks Sozialistengesetze nicht.
  • Der Engländer Humber gibt dem Fahrrad seine heutige Form.
  • Oscar Wilde schreibt “Das Bildnis des Dorian Gray”.
  • Cedil Rhodes, Verfechter der britischen Kolonialpolitik, wird Premierminister der Kapkolonie.
  • Erdweite Grippe-Epidemie.
  • Die Allianz-Versicherungs-AG wird gegründet.
  • + Gottfried Keller, Schweizer Dichter verstirbt.

 

 

 

 

1891

 

Sangesbrüder in Oberbrechen

1867 rief Lehrer Wahl in Oberbrechen eine Singvereinigung in Leben, der vier Jahre später die Namensgebung Männergesangverein “Eintracht” folgte. Vorsitzender und Dirigent war Initiator Wahl, dem 29 aktive Sänger unter standen. Als Lehrer Wahl Oberbrechen verließ, lösten sich vier Dirigenten in rascher Folge in der musikalischen Leitung des Vereins ag, und zwar: Johann Zimmermann, Robert Schmidt, Georg Sittel und Josef Trost.
Bei einem 1882 vom Nassauischen Sängerbund veranstalteten Sängerwettstreit in Diez versagte die Eintracht völlig, offensichtlich wegen der vollständigen Taubheit seines damaligen Dirigenten Sittel.
In den folgenden Jahren war die Existenz des Vereins bedroht, zählte er doch im Jahre 1889 - als die erste Vereinsfahne geweiht wurde - nur noch 11 Mitglieder. Doch auch diese krisengeschüttelte Zeit wurde überstanden, feierte man doch 1892 mit 28 Gastvereinen das 25jährige Stiftungsfest.



Die 14 Mitglieder des Männergesangvereins “Eintracht” Oberbrechen mit ihrer Vereins-
fahne im Jahre 1891.

 

 

 

Weltchronik 1891

  • Arbeiterschutzgesetz in Deutschland: 11stündiger Maximalarbeitstag für Frauen, Verbot der Nachtarbeit sowie der Fabrikarbeit für Kinder unter 13 Jahren.
  • Mit seinem selbstgebauten Flugapparat führt Otto Lilienthal (linkes Bild) seine ersten Gleitflüge durch.
  • John Rockefeller gründet die Universität von Chicago als Stiftung.
  • Der Fernsprechdienst zwischen Großbritannien und dem Kontinent wird eingerichtet.
  • Papst Leo XIII. (rechtes Bild) verkündet die Enzyklika “Rerum novarum (soziale Reformen für Arbeiter).
  • Der Bau der Tanssibirischen Eisenbahn beginnt.
  • Erdbeben in Japan: 75.000 Tote und 13.000 zerstörte Häuser.
  • In Bielefeld wird die Dr. Oetker Nahrungsmittelfabrik gegründet.
  • Dubois findet Überreste des Affenmenschen (Pithecanthropus) auf Java.

 

 

 

 

1892

 

Haushaltungsschule in Runkel

Die bisher leerstehenden Räume der Runkeler Burg werden seit kurzem wieder sinnvoll genutzt. Eine ländliche Haushaltungsschule hat dort ihr Domizil errichtet.
Bisher wurden die Töchter Runkeler Bauern auf württembergische Haushaltungsschulen geschickt. Die Anregung von Wilhelm Huth aus Hofen, eine ähnliche Anstalt im heimischen Raum einzurichten, griff die Runkeler Gemeindevertretung auf und stellte dafür 6.000 Mark zur Verfügung. Der Oberlahnkreis beteiligte sich mit weiteren 10.000 Mark, der Fürst zu Wied erlaubte die kostenlose Benutzung der Räume in der Burg.
Am 1. Juli 1892 wurde die Schule eingeweiht und eröffnet. 12 junge Mädchen besuchten im ersten Jahr die Schule. Ziel ist es, das ganze Gebiet des Haushaltswesens zu einem Gemeingut recht vieler Jungfrauen aus dem Bürger- und Bauernstande zu machen.
Das Lehrpersonal besteht aus der Vorsteherin Karoline Junior, der Handarbeitslehrerin Linker, Hauptlehrer Schmidt und Dr. Petsch, zugleich Anstaltsarzt. Kreislandwirtschaftsinspektor Wobig aus Weilburg und der Runkeler Dekan Müller halten von Zeit zu Zeit Vorträge zur Bereicherung des Wissens und zur Anregung von Geist und Gemüt.

Am 11. und 12. Juni 1932 konnte die Haushaltungsschule unter großer Anteilnahme
ehemaliger Schülerinnen und der Bevölkerung ihr 40jähriges Bestehen im inneren
des Burghofes feiern. Zur Feier waren anwesend, in der vorderen Reihe von rechts
nach links, etwas vorgerückt: Dekan Meyer, Hauptlehrer Schmidt und Frau Bürger-
meister Müller, Seine Durchlaucht Fürst Friedrich zu Wied (1872 - 1945), Ihre König-
liche Hoheit Fürstin Pauline zu Wied, Prinzessin von Württemberg (1877 - 1965),
Rentamtmann Steingaß und Frau, Frau Bruchhäuser, Stadtverordnetenvorsteher
Dr. Bruns und die Stadtverordneten Ringelsieb und Stengler.

 

 

Spielende Kinder in der Barfüßergasse
in Limburg, heute ein Teil der Altstadt.

 

 

Von der Thielemannseiche hat man einen herrlichen Blick auf Weilburg,
die Barockresidenz an der Lahn.

 

 

 

Weltchronik 1892

  • Letzte Cholera-Epidemie in Deutschland (Hamburg)
  • Der englische Schriftsteller Arthur Conan Doyle (im Bild der Familie) erfindet für seine Kriminalromane die Figuren Sherlock Holmes und Doctor Watson.
  • 71 % des privaten Eigentums in den USA sind im Besitz von 9 % der Bevölkerung.
  • “Deutsche Friedensgesellschaft” in Berlin gegründet.
  • Panama-Skandal: Die von Lesseps gegründete Aktiengesellschaft geht bankrott.
  • Millet baut ein Motorrad, das einen 5-Zylinder-Umlaufmotor im Hinterrad, einen Rahmen aus Stahlrohren und Stahlspeichenräder mit gummibereiften Stahlfelgen hat.
  • Frauen-Sechstagerennen in New York.
  • + Walt Whitman, amerikanischer Dichter verstirbt.

 

 

 

 

1893

 

Die Dauborner waren ein besonders Völkchen

Dauborn hatte im vorigen Jahrhundert etwa 1.100 Einwohner und wies eine Reihe von Eigentümlichkeiten auf, die es deutlich von den Nachbarorten unterschied.
Schon rein äußerlich hob sich Dauborn von seiner Umgebung ab: “Die Höfe, nach der Straße durch ein Tor abgeschlossen, waren durchweg von peinlicher Ordnung und Sauberkeit, was man leider in den umliegenden Orten nicht immer finden konnte”, weiß ein kritischer Beobachter der Zustände um diese Zeit zu berichten. Die Frauen hatten eine eigene Tracht: Bauschige Röcke, miederartige kurze Jacken, auf dem Kopf das Haar in die Höhe gekämmt und unter einem spitz auslaufenden “Kommodchen” geborgen, in dem der Knoten wie in einer Nußschale ruhte.
Die Bevölkerung des Bauerndorfes war wohlhabend und verdankte dies in erster Linie der Schnapsbrennerei, die in fast jedem Haus betrieben wurde.
Der “Dauborner” ist ein ausgezeichneter Kornbranntwein, den man im ganzen Nassauer Land kannte
und schätzte. Die meisten Brennereien, auch heute gibt es noch einige, waren Kleinbetriebe, die es höchstens auf eine Produktion von ein paar Hektolitern pro Jahr brachten. Es gab nur eine Großbrennerei.
Die Schlempe, das inhaltesreiche Abfallprodukt bei der Destillation, gestattete sowohl die umfangreiche Viehzucht als auch den intensiven Ackerbau. Alles zusammen - Schnaps, tierische Produkte, die Früchte des Feldes, dazu der Fleiß - machte aus Dauborn eine Oase des Wohlstandes.


Ein Stück Alt-Dauborn aus dem Jahr 1893 von Preussers Kegelbahn (heute die
Gastwirtschaft Nuber). Auffallend ist, daß kein (Dauborner) Schnaps auf dem
Tisch steht, sondern Bier bevorzugt wird. Stehend (von links): Albert Preusser,
Ferdinand Wenz, Philipp Ferdinand Knapp, Philipp Schäfer, Karl August Knapp,
sitzend (von links): Johann Gottfried Wilhelm Preusser, Ferdinand Wenz sen.,
August Knapp, Fritz Stautz mit seinen Töchtern Lina und Hilde Stautz.

 

 

Auf der Lahnbrücke in Limburg werden
1893 Strommasten und Gaslaternen aufgestellt.

 

 

 

Weltchronik 1893

  • Englische Suffragetten gehen erstmals für das Frauenstimmrecht auf die Straße.
  • Generalstreik in Belgien zur Erzwingung des Wahlrechtes für Arbeiter.
  • Mao Tse-tung wird als Sohn eines Bauern geboren.
  • Emil von Behring entwickelt das Diphterie-Heilserum.
  • J. A. Jurek komponiert den “Deutschmeistermarsch”.
  • Gründung der “Unabhängingen Arbeiterpartei” in Großbritannien.
  • Gründung des deutschen Arbeiter-Turn-und Sportbundes.
  • Rudolf Diesel (linkes Bild) erfindet den Dieselmotor.
  • Bund der Landwirte gegründet.
  • Fridtjof Nansen (rechtes Bild) startet mit der “Fram” in die Arktis zur Erforschung des Nordpolargebietes
  • + Peter Tschaikowsky, russischer Komponist verstirbt

 

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