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Historie Teil 5

1923

 

Seperatisten an der Lahn

 

 

Begünstigt durch die französische Besatzung, die nach dem Ersten Weltkrieg im entmilitarisierten Rheinland und hierzulande bis Diez in der preußischen Provinz Hessen-Nassau mit Truppenkontingenten vertreten war, versuchten sogenannte Seperatisten die Loslösung von Teilen des Deutschen Reichs. Vor allem im Inflationsjahr 1923 versuchten die Gründer einer sogenannten “Rheinischen Republik”, die sich an Frankreich anlehnen wollte, Anhänger zu gewinnen. Die grüne Seperatistenfahne wehte zeitweise von Franzosen geschützt, auch in Lahnstädten. Bis nach Limburg und in Teile des Kreises drangen die Seperatisten vor. Landrat Dr. Huesker wurde verhaftet und später von den Franzosen ausgewiesen. Vor dem alten Landratsamt in der Erbach (Foto) posierten im Mai 1923 die Seperatisten, die sich an der Aktion beteiligten. Mangels Anhang in der Bevölkerung, die für die Gewalttaten der Seperatisten nichts übrig hatte, und nach Verhandlungen der Reichsregierung verschwand die Gruppierung fast wieder aus dem öffentlichen Leben. Aber erst im Dezember 1924 trat mit Gerhard von Breitenbach ein neuer Landrat in Limburg seinen Dienst an.
Die Seperatisten gehörten trotz vorausgegangener Amnestie 1933 zu den ersten Personen, die die Nazis im Kreis verhafteten und ins KZ einliefern ließen.

 

 

Weilstrecke: Personenzug entgleiste

Auf der Weilstrecke entgleiste am frühen Morgen des 17. September 1923 der von Weilmünster kommende Personenzug kurz vor dem Weilburger Tunnel. Die Lokomotive und ein Wagen dritter Klasse stürzten um. Mehrere Personen erlitten leichte Verletzungen und mußten ärztliche Behandlung in Anspruch nehmen. Der in Wetzlar beschäftigte Reinhold Jung aus Laubuseschbach, einziger Sohn seiner Eltern, wurde aus dem Wagen geschleudert und kam unter ihn so ungünstig zu liegen, daß der Tod sofort eintrat.
Schwere Verletzungen erlitten noch eine Person aus Weilmünster und drei Personen aus Ernsthausen. Der aus Weilmünster gebürtige Verletzte starb einige Tage später im hiesigen Krankenhaus.

 


Die Damen des neugegründeten Limburger Hockey-Clubs haben sich zusammen
mit den Damen des TV 1860 Coblenz zu einem Erinnerungsfoto versammelt.

 

 

 

Weltchronik 1923

  • In München scheitert ein Putsch Hitlers und Ludendorffs.
  • Gustav Stresemann wird zunächst Reichskanzler. Ende des Jahres Außenminister.
  • Währungsreform in Deutschland (Bild: Menschenansammlung vor der Reichsbank in Berlin).
  • Hjalmar Schacht wird Reichspräsident. Beim Höhepunkt der Inflation in Deutschland hat ein Dollar den Wert von 4,2 Billionen Mark.
  • Erster Parteitag der NSDAP in München.
  • Französische und belgische Truppen bringen das Ruhrgebiet als “produktives Pfand” in ihre Hand - passiver Widerstand der Bevölkerung.
  • Tokio und Yokohama werden durch ein Erdbeben total zerstört (100.000 Todesopfer).
  • + Wilhelm Conrad Röntgen, deutscher Physiker, verstirbt.
  • + Alexandre Gustave Eiffel, französischer Ingenieur und Erbauer des Eiffelturms, verstirbt.

 

 

 

 

1924

 

Infolge der Arbeitslosigkeit vermehrte sich die Zahl
der durchwandernden Handwerksburschen ganz erheblich

Die Weilburger Polizei gibt im Jahre 1924 zu Protokoll: Infolge der Arbeitslosigkeit vermehrte sich die Zahl der durchwandernden Handwerksburschen ganz erheblich, es fand eine Belästigung der Einwohner und besonders der Geschäftsleute durch Betteln statt. Diese wurde aber dadurch behoben, daß die täglich eintreffenden 15 bis 20 Handwerksburschen von den Polizeibeamten zu der errichteten Herberge gebracht, hier abends und morgens verpflegt und dann nach eingehender Kontrolle über die Gemarkungsgrenze verbracht wurden.
Wenn auch hierdurch eine Mehrarbeit für die Polizei gegeben war, so hat sich doch das Verfahren gut bewährt. Die Zigeunerplage hat zugenommen, doch wurde durch das sofortige Einschreiten der Polizei und durch den Weitertransport der Zigeuner die Belästigung der Allgemeinheit verhütet. Ein Bahnhofs-Kontrolldienst wurde eingerichtet, der sich gut bewährt hat. Der Autoverkehr hat erheblich zugenommen, und an einigen Sonntagen durchfuhren 200 - 300 Kraftfahrzeuge die Stadt. Im Interesse der öffentlichen Sicherheit war es notwendig, daß ein Patrouillendienst eingerichtet wurde und zu bestimmter Tageszeit Verkehrsposten aufgestellt werden mußten.
Im Winter nahm der wilde Hausierhandel erheblich zu, doch konnte durch eine scharfe Kontrolle und Festnahme einer Anzahl solcher Händler eine weitere Belästigung verhütet werden, obgleich die Polizeibeamten nicht immer die nötige Unterstützung bekam.


Schmiedemeister Heinz Krämer und seine Frau Anneliese geb. Becker aus
Wirbelau sind stolz auf ihren Enkel.

 

 

Unfallnotiz im Jahre 1924

Von einem bedauerlichen Unfall wurde am 30.11. Herr Sanitätsrat Dr. Moser betroffen. Auf der Straße im Walddistrict Kanapee wollte er einem Hund ausweichen und rannte dabei an einen Chausseestein. Herr Dr. Moser wurde aus dem Wagen geschleudert, wobei ihm die Brust gequetscht wurde. Einige Tage später ist er an den erhaltenen Verletzungen gestorben. Ein mitfahrender Junge erlitt ein Oberschenkelbruch.

 

 

 

Weltchronik 1924

  • Adolf Hitler veröffentlicht sein Buch “Mein Kampf”.
  • Lenin stirbt. Stalin verbündet sich im Kampf um die Nachfolge mit Sinowjew und Kamenew (beide 1936 hingerichtet). Trotzkij, Volkskommissar für das Heerwesen, wird abgesetzt (Bild: Lenin und Trotzkij).
  • Durch den Dawesplan werden die deutschen Reparationszahlungen neu geregelt, jedoch erfolgen keine Abmachungen über Laufzeiten.
  • Etienne Oehmichen unternimmt den ersten Horizontalflug mit einem Hubschrauber über 300 m.
  • In Berlin findet die erste deutsche Funkausstellung und die erste Automobilausstellung statt.
  • Erstausgabe von Thomas Manns Roman “Der Zauberberg”.
  • In New York wird das Firmenunternehmen Metro-Goldwyn-Mayer mit eigenen Studios gegründet.
  • I. Olymische Winterspiele in Chamonix.
  • + Giacomo Puccini, italienischer Komponist, verstirbt.
  • + Franz Kafka, österreichischer Dichter, verstirbt.
  • + Anatole France, französischer Schriftsteller, verstirbt.

 

 

 

 

1925

 

Der Müller als Brandstifter

Das gesamte Holzlager, das Sägewerk und die Schreinerei, die auf dem Gelände einer Mühle in Weilburg standen, wurden am 15. Oktober ein Raub der Flammen. Weil die Weilburger Feuerwehr nicht mehr viel retten konnte, beschränkte sie sich darauf, das Mühlengebäude zu schützen. Sie wurde tatkräftig unterstützt von den Wehren aus Ahausen, Ernsthausen, Kirschhofen, Löhnberg und Niedershausen. Aus Wetzlar traf dann auch noch eine Auto-Motorspritze, der letzte Schrei unter Brandschützern, ein.
Polizeibeamte fanden im Innern des Mühlengebäudes brennende Kerzen, umgeben von Hobelspänen und Cellulosestreifen, während der Wachhund verendet vor seiner Hütte lag. Der Fall war klar: Hier lag Brandstiftung vor! Nach einigen Tagen wurde der Besitzer, der während des Brandes verreist war, verhaftet. Er legte ein volles Geständnis ab.


Der Einsatzzug der Weilburger Wehr mit Löschfahrzeug, das mit Leiter und
Schläuchen ausgerüstet war.

 

 

 

Kältepol wanderte nach Hadamar

Einen harten Winter hatten die Menschen im Jahre 1925 zu überstehen. Schon am 13. November begann es zu schneien. Anfang Dezember folgte starker Frost. Während dieser Tage war der Kältepol von ganz Europa mit einem Minus von 30 Grad Celsius bei Marburg und mit Minus 27 Grad Celsius bei Hadamar.

 

 


Die ersten Radioapparate, die nach 1923 in den Haushalten Einzug hielten,
waren Detektorgeräte, die mit Kopfhörern den Hörgenuß verschafften. In Ober-
brechen saß die Familie Stahlheber 1925 in der Nähe des neuen Apparates,
dem ersten im Ort. Erst mit den “Volksempfängern” der dreißiger Jahre wurden
die Radios praktisch in jeder Wohnung verbreitet.

 

 

 


Lehrer Maurer mit seiner Schulklasse in Staffel am 19. November 1925.

 

 

 

Weltchronik 1925

  • Die Konferenz von Locarno - auf Initiative Stresemanns zustande gekommen - trägt zur Entspannung bei. Unter anderem garantiert Deutschland die Unverletzlichkeit der Westgrenze.
  • Die NSDAP erhebt Hitlers “Mein Kampf” zum Programm.
  • Die NSDAP konstituiert sich bei einer Versammlung im Münchener Bürgerbräukeller neu. Gleichzeitig wird die Schutzstaffel (SS) gegründet.
  • Friedrich Ebert, erster deutscher Reichspräsident, stirbt. Nachfolger wird Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg.
  • Tschiang Kai-schek, Führer der chinesischen Kuomintang-Bewegung, erobert Nordchina.
  • Erste Internationale Arbeiter-Olympiade im neuerbauten Stadion von Frankfurt (Main).
  • Erstmals wird der Rundfunk als Propagandamedium eingesetzt: Hindenburg spricht vor der Wahl.
  • Drei Deutsche bekommen Nobelpreise: Richard Adolf Zsigmondy (Chemie), James Frank und Gustav Hertz (Physik).
  • Der englische Dichter George Bernard Shaw erhält ebenfalls einen Nobelpreis.
  • Uraufführung von Charlie Chaplins “Goldrausch” und Sergej Eisensteins “Panzerkreuzer Potemkin”.
  • + Amelie Beese-Boutard, deutsche Motorfliegerin, verstirbt.
  • + Lovis Corinth, deutscher Maler, verstirbt.

 

 

 

 

1926

 

Grundstein gelegt:
Neues Kreishaus in Limburg

Das neue Kreishaus an der Schiede wurde im Oktober 1926 bezogen. Der großzügige Neubau, für 70 Beamte geplant, erhielt auch Räume für die Kreissparkasse und Wohnungen. Der rund 700.000 Mark teure Bau wurde im Sommer 1925 begonnen. Den Grundstein legte das Kreisausschußmitglied Bürgermeister Adam Graef (Niederselters). Zweiter von rechts ist Landrat Gerhard von Breitenbach.
Graef gehörte später zu den Opfern der NS-Politik. Er starb an den Folgen der KZ-Haft ebenso wie eine Reihe weiterer Sozialdemokraten und Gewerkschaftler aus dem Kreisgebiet.

 

 

 

 


Anläßlich eines Säuglingskurses in der Gaststätte “Nassauer Hof” in Villmar haben sich
die Teilnehmer im Hof versammelt. Stehend von links: Else Speier, Therese Jaik, Regina
Epstein, Änni Schmidt, Lisabeth Schmidt, Eva Behr, Lisabeth Schmidt, Lisabeth Fluck,
Käthe Scheu, Hermine Schneider, Greta Mallebré, Anna Laux, Gretchen Laux, Liesbeth
Falk, Lisa Witterhold.
Sitzend von links: Lehnchen Brahm, Rosa Dernbach, Greta Durrer, Lisbeth Dernbach,
Anna Müller, die Kursleiterin (Name unbekannt), Schwester Karthaus (Weilburg), Maria
Istel, Paula Rinker und Maria Flach.

 

 

 

Weltchronik 1926

  • Deutschland und die UdSSR schließen einen Freundschaftsvertrag ab.
  • Gustav Stresemann spricht in der Genfer Versammlung des Völkerbundes (Bild).
  • Der japanische Kaiser Hirohito besteigt den Thron.
  • Briand und Stresemann bekommen den Friedensnobelpreis verliehen.
  • Roald Amundsen und der italienische General Umberto Nobile fahren mit dem Luftschiff von Spitzbergen über den Nordpol nach Alaska.
  • Richard E. Byrd, nordamerikanischer Polarforscher, fliegt von Spitzbergen zum Pol und zurück in 16 Stunden.
  • Ein Bürgerstreik in England, unterstützt durch einen Generalstreik der Gewerkschaften, bricht nach 7 Monaten zusammen.
  • J. L. Blaird kontruiert den ersten brauchbaren Fernsehapparat.
  • + Rudolf Valentino, amerikanischer Schauspieler, verstirbt.
  • + Claude Monet, impressionistischer Maler, verstirbt.
  • + Rainer Maria Rilke, österreichischer Schriftsteller, verstirbt.

 

 

 

 

1927

 

Der Milchmann - Pionier im Service
von Haus zu Haus

Der Milchmann, eine einst von Städtern sehr geschätzte Dienstleistung, entwickelte sich in jenen Zeiten, in denen es noch keine Molkereien gab und die auf Bauernhöfen in Dörfern erzeugte Milch direkt an die Kundschaft gebracht wurde. Selbst an Sonn- und Feiertagen mußte der Milchmann früh aus den Federn und mit Pferde- oder Hundefuhrwerk bei Wind und Wetter aufbrechen. Neben dem kostbaren weißen Saft brachte er auch andere landwirtschaftliche Produkte mit, die der teils selbst im landwirtschaftlichen Nebenerwerb erzeugt hatte.
Der Milchmann wurde auch zu einem Pionier der Abfallverwertung. Er sammelte häusliche Abfälle seiner Kundschaft zum Füttern von Schweinen, Ziegen, Hühnern und Kaninchen. Als Gegenleistung erhielten die Städter Metzelsuppe und Wurst aus der Hausschlachtung; ein in den Kriegs- und Nachkriegszeiten sehr geschätzter “Warenaustausch”.
Schärfere Hygieneverordnungen, bessere Möglichkeiten zur Haltbarmachung der Milch und wirtschaftliche Überlegungen brachten eine Verlagerung des Milchverkaufs auf die Lebensmittelmärkte, was die Ära der Milchmänner beendete.


Der Milchmann Ernst Horz aus Linter Ende der zwanziger Jahre mit seinem Gefährt in
einer Straße in Limburg.

 

 

Das alte Rathaus in Villmar, das nach dem großen Brand
im Jahre 1699 in der Dorfmitte innerhalb der ehemaligen
Festungsmauer 1702 erbaut wurde, fiel im Juli 1927 der
Spitzhacke zum Opfer, nachdem der Steinhauermeister
Jakob Falk vergeblich versucht hatte, den Abriß zu verhindern.

 

 

 

 

 

Weltchronik 1927

  • In Deutschland wird die Pflichtversicherung gegen Arbeitslosigkeit eingeführt.
  • In der Sowjetunion wird das landwirtschaftliche Eigentum kollektiviert.
  • Trotzkij wird aus der KPdSU ausgeschlossen und verbannt.
  • Arbeits- und Kündigungsschutz in Deutschland für werdende und stillende Mütter.
  • Deutschland tritt dem “Ständigen Internationalen Schiedsgerichtshof” in Den Haag bein.
  • Tschiang Kai-schek wird chinesischer Staatspräsident.
  • Erste öffentliche Demonstration des Fernsehens in den Vereinigten Staaten.
  • Die neue Hauptstadt Australiens, Canberra, wird eingeweiht.
  • Der Nürburgring wird eröffnet.
  • Charles A. Lindbergh überfliegt als erster allein den Nordatlantik im Nonstopflug (von New York nach Paris)
  • Bau des Hindenburgdamms zur Insel Sylt.
  • In der New Yorker Carnegie Hall feiert der 11jährige Yehudi Menuhin triumphale Erfolge.
  • Hermann Hesses Roman “Der Steppenwolf” erscheint.
  • + Ferdinand I., König von Rumänien, verstirbt.
  • + Paul Busch, deutscher Zirkusgründer, verstirbt.

 

 

 

 

1928

 

Jagd nach dem runden Leder in Ellar

 

Das Bild entstand am Pfingstmontag 1928 anläßlich eines Fußballspiels zwischen
den Mannschaften von Hundsangen und Ellar in der Nähe der Ellarer Brücke. Die
Hundsanger nehmen die linke Hälfte ein, die Mannschaft des SV 1920 e. V. Ellar die
rechte. Die Personen sind von der Mitte an nach rechts: Georg Jost, Georg Wagenbach,
Erwin Breithecker, Willi Höhler, Robert Breithecker, Wilhelm Bausch, Josef Keul,
Hubert Buchner, Theodor Bausch (Schiedsrichter). Der rechte Torwart ist Josef Jung
aus Ellar.

 

Die Vereine und ihre Aktivitäten sind praktisch die Säulen, auf denen das kulturelle Leben auf dem Dorfe ruht.
Die Idee, Sport zu treiben, ist nicht neu. Schon die alten Griechen und Römer schätzten den sportlichen Wettkampf und bauten Stadien und Amphitheater. Zur Napoleonszeit war es in Deutschland die überragende Figur des Turnvaters Friedrich Jahn, der es verstand, die Idee des Turnens, damals noch gepaart mit der nationalen Idee, mit jugendlichem Schwung allmählich in das Volk hineinzutragen. 1811 eröffnete er den Turnplatz in der Hasenheide bei Berlin. Das war der Beginn. Nun breitete sich die deutsche Turnerbewegung rasch aus. Von Schweden kam die Gymnastikbewegung und von England das Ballspiel nach Deutschland. Die ersten Vereinsgründungen gab es 1848 bei uns: TV Limburg, TV Weilburg, TG Camberg und anderen.
Bis in die 1880er Jahre gab es im Westerwald und im heutigen Kreis Limburg-Weilburg fast nur Turnvereine, die Geräteturnen ausübten. Die Fußballbewegung setzte sich erst um die Jahrhundertwende (1900) richtig durch. 1900 wurde der Deutsche Fußballbund gegründet. Nun folgten einige Vereinsgründungen: VfR 07 Limburg, FC Alemania Niederbrechen 1911 und einige andere.
Der große Durchburch für den Fußball kam erst ab 1918. Jetzt entstanden die Sportvereine fast in allen Orten.

 


Vorwiegend Geschäftsleute und Ärzte konnten sich in den zwanziger Jahren,
als die Motorisierung auch im heimischen Raum Fortschritte machte, ein Kraft-
fahrzeug leisten. Im Auto von August Forst, einem im Volksmund wegen seiner
Pontonform als “Kommißbrot” bezeichneter Hanomag, sitzt hier im Sommer
1928 Pfarrer Pohecker aus Nauheim.

 

 

 

Weltchronik 1928

  • Bei einem Rettungsflug zur Bergung des Luftschiffes “Italia” (unter Umberto Nobile) bleibt der norwegische Polarforscher Roald Amundsen auf Spitzbergen verschollen.
  • “Lights of New York” läuft als erster Voll-Tonfilm in Amerika.
  • Der Engländer J. L. Blaird überträgt die erste Fernsehsendung von London nach New York.
  • Fritz von Opels Raketenauto fährt auf der Berliner Avus 230 km/h (Bild).
  • In Hollywood werden die ersten Oscars vergeben.
  • Das Luftschiff “Graf Zeppelin” vollendet die erste Reise um die Welt.
  • Uraufführung der “Dreigroschenoper” von Berthold Brecht und Kurt Weill und des ersten Mickymaus-Tonfilms.
  • Morgan stellt die Theorie des Gens auf.
  • Alexander Fleming entdeckt das Penecillin.
  • + Emmeline Pankhurst, britische Frauenrechtlerin, verstirbt.
  • + Klabund (Alfred Henschke), deutscher Dichter, verstirbt.

 

 

 

 

1929

 

Schloß Limburg:
Feuer in eiskalter Nacht

In der letzten Februarnacht gegen 2.15 Uhr entdeckte eine Schwester vom St.-Vincenz-Hospital aus dem Langhaus des Limburger Schlosses Rauch aufsteigen. Die alarmierte Feuerwehr hatte große Mühe, bei sibirischen Temperaturen und spiegelglatten Fahrbahnen ihre Gerätschaften in Position zu bringen. Noch immer nicht konnte mit dem Löschen begonnen werden, denn die extreme Kälte ließ zum Teil sogar das Löschwasser in den Schläuchen gefrieren. Der Wasserdruch der tiefergelegenen Hydranten war zu gering. Erst als die Blauröcke die etwa einen halben Meter dicke Eisdecke der Lahn aufgehackt hatten und die Motorspritze angeschlossen hatten, konnte die Brandbekämpfung beginnen. Die Feuerwehr der Carlshütte aus Staffel kam ihren Kollegen von der anderen Seite zu Hilfe und schützte auch die Altstadt vor dem Übergreifen des Brandes. In der Früh gegen 8 Uhr hatte sich die Lage entspannt. Das Langhaus mit der wertvollen Bibliothek war aber nicht mehr zu retten und wurde ein Raub der Flammen.

Die Brandstelle des Limburger Schlosses bietet einen traurigen Anblick. Die Wände und Trümmer sind mit Eis überzogen, da das Löschwasser sofort gefror.

 

 

 

Weltchronik 1929

  • Briands Vorschlag zur Gründung der “Vereinigten Staaten von Europa” wird kaum zur Kenntnis genommen.
  • Der amerikanische Außenminister Kellogg erhält den Friedensnobelpreis.
  • Richard E. Byrd überfliegt erstmals den Südpol.
  • “Schwarzer Freitag” an der New Yorker Börse: Verheerende Kursverluste lösen eine neue Weltwirtschaftskrise aus. Es kommt zu Konkursen, Preisverfall, Arbeitslosigkeit und Bankzusammenbrüchen.
  • Erstausgabe der Romane “Im Westen nichts Neues” vom Remarque und “Berlin Alexanderplatz” von Alfred Döblin.
  • Dem Deutschen Thomas Mann wird der Literatur-Nobelpreis verliehen.
  • Der deutsche Turbinen-Ozeandampfer “Bremen” gewinnt das “Blaue Band”.
  • Kodak entwickelt einen 16-mm-Farbfilm.
  • + Gustav Stresemann, deutscher Politiker, verstirbt.
  • + Hugo von Hofmannsthal, österreichischer Schrifsteller verstirbt.
  • + Carl Benz, deutscher Automobilkonstrukteur, verstirbt.

 

 

 

 

1930

 

Die Lahnschiffer von Kirchhofen

Die Lahn hatte als Wasserweg lange Zeit beträchtliche wirtschaftliche Bedeutung, als es wenig ausgebaute Straßen, keine Lastwagen und keine Eisenbahn gab. Die Nassauer Herzöge hatten die Wasserstraße bis 1851 für Schiffe mit einer Tragfähigkeit von hundert Tonnen ausgebaut. Ein Staatsvertrag mit Preußen hatte sogar die Schiffbarmachung der Lahn bis hinauf nach Gießen ermöglicht. Nach dem Bau der Bahn durch das Lahntal erwuchs jedoch dem Lahnwasserweg eine mächtigere Konkurrenz, und allmählich verlor auch der Weilburger Schiffstunnel, der einzige in Deutschland, seinen Wert. Die Handelskammer Limburg gab aber nicht auf, weil sie erkannte, daß die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Eisensteingruben dem spanischen und lothringischen Erz entscheidend von den Frachtkosten abhängig war.

Der Lahnschiffer Fridolin Saam aus Kirchhofen auf seinem schwerbeladenen
Kahn.

Deshalb sollte durch einen Ausbau des Lahnbettes auch Schiffe bis zu 300 Tonnen Nutzlast eingesetzt werden können, damit die Ware billiger würde.
Ihre Bemühungen im preußischen Reichsverkehrsministerium, die Lahn bis Wetzlar zu kanalisieren, waren 1926 teilweise erfolgreich: Der Fluß wurde bis 1929 wenigstens bis Steeden für 190-Tonnen-Schiffe ausgebaut.
Der Lahnkanal bis ins Weilburger Land blieb jedoch ein Wunschtraum, erst recht, nachdem der Lahnbergbau in den sechziger Jahren vollkommen zum Erliegen kam.
Zu den Männern, die den Fluß als Transportweg nutzten, gehörte Fridolin Saam aus Kirschhofen. Er betrieb zwischen 1900 und 1955 einen Steinbruch unterhalb des Scheuernberger Kopfes bei Odersbach und eine Kiesbaggerei in der Lahn.
Kies und Bruchsteine wurden mit Trift zum Lagerplatz am Weilburger Erbstollen oder zur Baustoffhandlung Görtz an der Eisenbahnbrücke gebracht. Kuhfuhrwerke zogen auf dem Leinpfad den beladenen Nachen, der an einem langen Seil hing, flußaufwärts.

 

 

Fröhliche Limburger Mainacht

Am 1. Mai, da wurde auch schon um die Jahrhundertwende und den Jahren danach fröhlich gefeiert. In der Nacht zuvor traf sich in Limburg jung und alt, kochte Kaffee, Musik spielte auf, ein Männerchor sang, hier und da ging eine Schnapsflasche rund.Mit dem Tag der Arbeit hatte dieses Treiben noch nichts zu tun, es handelte sich vielmehr um einen alten heidnischen Brauch. Es wurde viel erzählt in dieser Nacht, die Hüte waren mit Mailaub bekränzt, und wenn die Sonne aufging, marschierten alle einträchtig zurück in die Stadt.





Am 1. Mai 1930 trafen sich im Steinbühl
(von links) Walter Hampel, seine Frau
Martha, Franz Altenkirch, Friedel Löw,
und ein unbekannter Gast, der mit
Friedel Löws thüringischer Waldzither
umgehen konnte.

 

 

Luftschiff über Limburg

 

Die überdimensionale “Zigarre” passiert den Limburger Dom.

Welch ein großartiges Bild, eines der gigantischen Luftschiffe über dem Limburger Dom “fahren” zu sehen! Dies erinnert uns daren, daß bereits seit Jahren Gerüchte über die Anlegung eines Flugplatzes in Limburg umgehen, es bisher aber nur bei den Gerüchten blieb. Reifen etwa in aller Stille große Pläne, die bald schon vor der Verwirklichung stehen? Wann endlich wird Limburgs Bedeutung als Verkehrsmittelpunkt Rechnung getragen? Zudem existiert in der Domstadt ein Verein, der einige schöne Segelflugzeuge besitzt und die Erwerbung eines Motorflugzeuges erwägt.
Bei der Förderung, die alle Reichs- und Staats- sowie Kommunalbehörden der Entwicklung des deutschen Flugsportes widmen, kann man nur wünschen, daß auch Limburg bei der Beschaffung eines Motorflugzeuges von den zuständigen Stellen unterstützt wird. Die verkehrspolitische Bedeutung Limburgs muß weiter gesteigert werden.

 

 

Weinbau in Runkel

Die letzte Ernte ist eingebracht: Der Runkeler Rote wird nicht mehr angepflanzt. In diesem Jahr wurden wegen der Reblaus alle Stöcke ausgehauen und Obstbäume an ihrer Stelle gepflanzt.
Zur Zeit des 30jährigen Krieges umfaßten die Weinberge den ganzen Wehrer Berg vom Heumst bis zur Weibshohl, die Umgebung des Friedhofs und der Steinrutsch; Wein wuchs längs der Lahn vom Wehrer Berg bis zur Brücke und von da weiter hinab bis zur Kerkerbach sowie in den Anspach.


Der Jahrgang 1909 Villmar bei der Kirmesfeier 1930 im Gasthaus “Nassauer Hof”
mit eine Tanzkapelle und dem traditionellen Kirmeshammel (Pauke: American
Jazzband gehörte einem Musiker aus dem Nachbarort).
Musiker aus Villmar: vorne von links, Karl Speier, Georg Schmidt, Heinrich
Rosenthal (jüdischer Mitbürger hinter der Pauke), Jakob Dommermuth, Peter
Falk; Kirmesburschen: v. l. Peter Flach, Josef Höhler, Toni Bleul, Philipp
Lottermann, Paul Kessler, Josef Faxel, Peter Falk, Alios Mühlbauer, Martin Geis,
Willi Geis, Hermann Laux, Heinrich Faxel, Wirtstochter Maria Flach, Gretel Frank
(Jüdin).

 

 

 

Weltchronik 1930

  • Reichskanzler Brüning (linkes Bild) regiert gestützt auf Notverordnungen zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen, mit einem Minderheitskabinett.
  • Die Franzosen räumen zwölf Jahre nach Kriegsende das Rheinland (rechtes Bild)
  • Haile Selassie wird Kaiser von Abessinien.
  • Der Film “Der blaue Engel” mit Marlene Dietrich wird uraufgeführt.
  • Mahatma Gandhi beginnt in Indien seinen Feldzug zur Verweigerung des bürgerlichen Gehorsams.
  • Uruguay wird im eigenen Land erster Fußballweltmeister.
  • Die Zugspitzbahn wird gebaut.
  • Erste drahtlose Fernsehübertragung.
  • Die turkestanisch-sibirische Eisenbahnlinie wird eröffnet.
  • Reichstag stürzt Regierung Müller, Ende der großen Koalition.
  • Chemienobelpreis an Hans Fischer (Deutschland) für Blu- und Blattfarbstoff-Forschung.
  • Bergius entwickelt chemisches Verfahren zur Futtermittelgewinnung.
  • J. L. Blaird entwickelt Großbild-Fernsehen mit Viellampenschirm.
  • Normung (DIN) erreicht wesentliche Kosten- und Preissenkungen.
  • Schmidt entwickelt das Strahlentriebwerk.
  • Reichspräsident Schacht tritt wegen Young-Plan zurück.
  • Max Schmeling wird als erster Nichtamerikaner Boxweltmeister durch Disqualifikation Jack Sharkeys (Bild)
  • Zusammenschluß der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften zum Raiffeisen-Verband.
  • + Fritjof Nansen, norwegischer Polarforscher, verstirbt.

 

 

 

 

1931

 

Berühmter Dachschiefer aus Langhecke

Der Langhecker Schiefer war schon den alten Römern ein Begriff. So soll das Kastell der Saalburg mit dem fein bebänderten Gestein gedeckt worden sein. Beim Wiederaufbau des Kastells vor einigen Jahrzehnten wurde ebenfalls Langhecker Schiefer benutzt, da er infolge seines hohen Kieselsäuregehaltes und seiner Härte als sehr langlebig bekannt war. 200 Jahre und mehr sollen Dächer damit gehalten haben. So ist es auch kein Zufall, daß bereits 1565 dieser Schiefer zum Decken des Weilburger Schlosses verwendet wurde.
Besonders im 19. Jahrhundert erreichte der Schieferbergbau im heimischen Raum beachtliche wirtschaftliche Bedeutung. Der Schiefer wurde in etwa 40 Gemarkungen des Lahn-Dill-Gebietes im Handbetrieb weitgehend nur unter Tage gehauen. Ab 1890 wurde die Konkurrenz aus Belgien und von anderem und von anderem Bedachungsmaterial wie Ziegel und Asbestplatten immer größer, so daß nur noch in Langhecke abgebaut wurde. 1931 wurde auch hier die Förderung eingestellt. 1936 und 1937 wieder fortgeführt. Von 1948 bis Anfang 1954 konnte die Grube nochmals geöffnet werden, ohne allerdings nennenswerte wirtschaftliche Bedeutung zu erlangen.
In den sechziger Jahren gab es nochmals wegen des Langhecker Schiefers Schlagzeilen, als wochenlang Lastwagen den Abraum von den Halden holten und nach Mainz brachten, wo er für den Ausbau des Rheinhafens gebraucht wurde.


An der Leistenbachstraße standen die Grubengebäude der Langhecker Dach-
schiefergewerkschaft. Links steht das Spalthaus, wo mit Hilfe von Dampfma-
schinen der harte Schiefer zu dünnen Platten gespalten wurde. Mit Fuhrwerken
wurde der fertige Dachschiefer zu den Verladestellen nach Aumenau gebracht,
von wo er dann mit Lahnkähnen oder mit der Eisenbahn weitertransportiert
wurde. Viele Bauern lebten von diesem Fuhrgeschäft. Der Schieferabfall wurde
mit Loren über die Holzbrücke auf die Halde gefahren.

 

 

Der Kreisausschuß besichtigt im Oktober die
Umgehungsstraße Niederselters - Oberselters
(heute B 8). In der Bildmitte steht der spätere
Widerstandskämpfer Adam Greaf.

 

 

Ein riesiger Marmorblock wird in Gaudernbach
auf einen Eisenbahnwagen geladen. Er ist be-
stimmt für das Empire State Building in New York.

 

 

 

Weltchronik 1931

  • Durch das Hoover-Moratorium werden alle Kriegsschulden der europäischen Regierungen durch die USA für ein Jahr gestundet.
  • In Spanien wird die zweite Republik gegründet.
  • Großbritannien gibt die Goldparität der Währung auf.
  • Papst Pius XI. legt in der Enzyklika “Quadragesimo anno” die katholische Soziallehre dar.
  • Das Emire State Building in New York wird gebaut (381 m hoch).
  • Franz und Toni Schmid ersteigen als erste die Nordwand des Matterhorns.
  • “Der Hauptmann von Köpenick” von Carl Zuckmayer wird uraufgeführt.
  • + Thomas Alva Edison (Bild), amerikanischer Erfinder, verstirbt.
  • Arthur Schnitzler, österreichischer Dramatiker, verstirbt.

 

 

 

 

1932

Kundgebung mit Adolf Hitler in Limburg

Die erste Massenkundgebung mit fast 13.000 Besuchern registrierte Ende Oktober 1932 Polizeikommissar Kleiter in Limburg. Adolf Hitler sprach in einer Kundgebung der NSDAP zur bevorstehenden Reichstagswahl. Vor allem Anhänger aus den evangelischen Orten längs der “Hühnerstraße”, aus dem Ober- und Unterlahnkreis strömten nach zeitgenössischen Berichten zu der Versammlung. 1932 wählten bereits die Bürger in 45 von 70 Orten des Oberlahnkreises mehrheitlich “braun”, während dies erste in 12 von 54 Orten des Kreises Limburg der Fall war. Die NSDAP erzielte vor 1933 in demokratischen Wahlen Rekordergebnisse, z. B. mit 83,2 % der Stimmen in Heringen und 77,2 % in Mensfelden.
Dennoch besaßen die meisten Gemeinden, Städte und die beiden Kreise noch demokratische Mehrheiten, da die letzten Kommunalwahlen 1929 stattfanden, als die Nazis auch im heimischen Raum kaum über Anhänger verfügten. Erst mit Beginn der Weltwirtschaftskrise wuchs auch die Zahl der Bürger, die ins “braune Lager” überschwenkten.
Ende Februar 1933 war der (SPD)- Landrat Dr. Menzel in Weilburg “beurlaubt” worden, Ende November 1934 mußte auch der frühere Zentrums Anhänger von Breitenbach den Landratsposten in Limburg räumen, nachdem er zuvor versucht hatte, mit den Nazis auszukommen. Viele Bürgermeister verloren ihren Posten, die ersten Verhaftungen und Deportationen in Konzentrationslager setzten hierzulande ein.

 


Adolf Hitler bei seiner Kundgebung
in Limburg.

 

 

Hilfe für Arbeitslose

Auch die Kreise Limburg und Oberlahn blieben nicht von einer überdurchschnittlich anwachsenden Zahl der Arbeitslosen verschont, die damals meist mit wenigen Mark Unterstützung pro Woche auskommen mußten. Die Zahl der Arbeitslosen erreichte vor allem im Nordkreis Limburg bei den Steinbrucharbeitern schwindelnde Höhen. Vor 1933 organidierten dort, aber auch in anderen Kreisteilen Nazis, Kommunisten, “Selbsthilfegruppen” und Gemeinden Arbeitseinsätze auf freiwilliger Basis. Das alles mündete nach 1933 in den Pflicht-Arbeitsdienst ein. Mit Bauarbeiten an Straßen und Autobahnen sowie mit der beginnenden Aufrüstung sank auch im heimischen Raum die Zahl der Arbeitslosen erheblich.


Die Sorge um die Zukunft spricht aus den meisten Gesichtern dieser Gruppe
von Arbeitslosen aus Linter im Jahre 1932.

 

 

 

Weltchronik 1932

  • Die Weltwirtschaftskrise erreicht ihren Höhepunkt. Weltweit gibt es rund 30 Millionen Arbeitslose, in Deutschland über 6 Millionen.
  • Bei der Landtagswahl in Preußen erschüttern Gewinne der NSDAP die Regierung Braun Severing (SPD)
  • Bei den Reichstagswahlen wird die NSDAP mit 37,4 % der Stimmen stärkste Partei. Zum Reichskanzler wird General Schleicher gewählt.
  • Die Autobahn Köln - Bonn wird eröffnet.
  • Lösung des Reperationsproblems auf der Konferenz in Lausanne: Deutschland soll eine Schlußzahlung von 3 Milliarden Reichsmark leisten.
  • Das Baby von Charles A. Lindbergh wird entführt.
  • Erste Atomkernumwandlung durch Cockroft und Walton.
  • Elly Beinhorn fliegt um die Welt (Bild)
  • + Edgar Wallace, englischer Kriminalschriftsteller, verstirbt.
  • + Max Slevogt, deutscher Maler und Graphiker, verstirbt.

 

 

 

 

1933

 

Massen- Wahlkundgebung

Im “schwarzen Limburg”, bis zur letzten Mehrparteienwahl am 12. März 1933 “Zentrumshochburg”, hatten es die Nazis schwer, Fuß zu fassen. Erst nach der offiziellen “Machtübernahme” im März/April und anschließender Ausrichtung auf den neune Kurs kamen die Massen in Scharen auch zu NS-Versammlungen. Bevorzugtes Tagungslokal der Nazis war in Limburg das evangelische Gemeindehaus an der Weiersteinstraße, da der Georgshof und andere Tagungsstätten vor 1933 der NSDAP nicht zur Verfügung standen.

 

 

 

Weilburg: Tanzen mit Knigge

Früh übt sich, was ein Mann von Welt werden will. Und wenn es nur die kleine heimische Welt ist. Der Besuch eines Tanzkurses war früher mehr als das Erlernen von rhythmischen Bewegungen und Schritten nach Musik - es war die Schule des gesellschaftlichen Lebens schlechthin.
So wurden den Jugendlichen in der ersten Stunde ausschließlich Benimmregeln beigebracht, der Knigge war immer dabei. Während heute meist schon mit vierzehn - also nach der Konfirmation - der Zeitpunkt gekommen ist, das Tanzen zu erlernen, mußte man vor fünfzig, sechzig Jahren schon Oberprimaner sein, um die Tanzschule besuchen zu dürfen. Die Gymnasialklassen gingen dann geschlossen. Es gab aber auch Kurse für die Berufstätigen.
In Weilburg brachten ab 1933 Erna und Heinrich Röcken jahrzehntelang den Mädchen und Jungen das Tanzen bei. Unterricht war im “Lord”, die Kurse der Gymnasiasten waren aber im “Saalbau”, dem frühren Kino, in dem damals nur am Wochenende Filme gezeigt wurden. Zum Standardprogramm gehörten Wiener Walzer, englischer Walzer, Rheinländer, Tango - und als letzter Schrei der Foxtrott.
Doch die Zeiten änderten sich, besonders in den sechziger Jahren. Die bis dahin heile Welt der Tanzschüler zeigte Risse, Beat und Bluejeans dominierten, Pessimisten sahen schon das Ende der Tanzstunde gekommen. Aber die Beat-Welle ebbte ab; man gibt sich bei den Schlußbällen wieder konservativ mit Schlips und Kragen und überwiegend im dunklen Anzug. Eine Welle von Modetänzen kam auf die Tanzlehrer zu. Die meisten waren aber nur Eintagsfliegen.


Tanzlehrer Heinrich Röcken mit einem seiner ersten Tanzkurse 1933. Die
Damen trugen zum Schlußball knöchellange Kleider, die Herren zum dunklen
Anzug eine weiße Fliege.
Hintere Reihe von links: Hoßbach, Schneider, Heinrich Röcken, Meurer,
Schneider.
Vordere Reihe von links: Hemp, Carola Ludwig, Legerini.

 

 

Bitte recht freundlich! Die Aufforderung des Fotografen
blieb bei den Kindern des Lahrer Lehrers Josef Keller
ohne Wirkung. Etwas unsicher blicken Beate, Maricke,
Betty und Cäcilie in die Kamera. Kein Grund dazu: Wir
gehen rosigen Zeiten entgegen.

 

 

 

Nazi-Kundgebungen auf dem Weilburger Marktplatz

Die Machtergreifung Hitlers am 30. Januar 1933 wurde von den Nazis auch im heimischen Raum gefeiert. In Weilburg veranstalteten sie einen Fackelzug durch die Stadt. Voran ein Teil der Feuerwehrkapelle, dann die SA und SS aus der Stadt und den umliegenden Orten, schließlich Hitlerjugend. So bewegte sich der Zug durch die Sraßen bis zum Marktplatz. Über die Ansprachen war am nächsten Tag in der Zeitung zu lesen: “Kreisleiter G. aus Steeden wies auf den Erfolg des Tages hin. Ein jubelnder Aufschrei sei durch die Mange gegangen, daß das seit 14 Jahren ersehnte Ziel, der Führer der NSDAP möge der Führer des deutschen Volkes werden, in Erfüllung ging. Er habe es fertiggebracht, daß heute 12 Millionen Menschen ein Glauben, Wissen, Wollen sind und bedingungslos nur das eine tun, was der Führer tut, sagt und von ihnen verlangt.

Eine von vielen Massenkundgebungen der NSDAP auf dem Weilburger Marktplatz (links). Sieg Heil - Kreisparteiltag Oberlahn-Usingen am 20. Juli 1941.

Jetzt ist die eiserne Faus an der Regierung, die scharf durchgreifen wird. Der Schicksalstag des deutschen Vokes ist angebrochen. Der heutige Tag wird eine Markstein in der Geschichte des deutschen Volkes bleiben.
Der Redner erinnert daran, wie das braune Heer von allen Seiten bekämpft wurde, obwohl man doch nichts anderes wollte, als die Wiedererweckung des deutschen Volkes.
Erst habe man die Nazionalsozialisten totgeschwiegen, später verleumdet, und dann wollte man sie mit brutaler Gewalt bekämpfen. Noch sei Hitler der Führer von 12 Millionen, aber er müsse der Führer von 60 Millionen werden. Es wird im Dritten Reich nur noch Deutsche geben. Wenn jeder Deutsche einsieht, daß ein hergelaufener Moskowiter nicht für Deutschland, sondern für das Judentum arbeitet, dann ist das Deutschland da. Bis dahin muß noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden ...”
Das geschah auch. Einer, der dabei den Ton mitbestimmte, war Hermann Göring, der in seiner Eigenschaft als preußischer Ministerpräsident, Minister im Reichskabinett Hitler und Hauptpaladin des Führers am 8. Juni 1933 in Begleitung des Prinzen von Hessen auf dem Weilburger Marktplatz offiziell empfangen wurde und mit markigen Sätzen den Weilburger Braunhemden ideologisch noch etwas auf die Sprünge half: “Ich hoffe und erwarte, daß auch diese alte deutsche Stadt bald merken und fühlen wird, daß ein neuer Geist herrscht und daß andere Arbeit geleistet wird”.
Der Marktplatz war bis 1945 noch mehrfach Schauplatz von Massenkundgebungen der NSDAP.

 

 

 

Weltchronik 1933

  • Deutschland tritt aus dem Völkerbund aus.
  • Bau von Autobahnen, besonders in Deutschland und den USA.
  • Errichtung des “Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda” unter Joseph Göbbels.
  • Wels (SPD) hält die letzte Oppositionsrede im Deutschen Reichstag.
  • Nichtangriffspakt und Freundschaftsvertrag Italien - UdSSR.
  • Britische Flieger überfliegen den Mount Everest.
  • Umfliegung der Erde in 121 Stunden durch Willy Post.
  • Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den USA und UdSSR.
  • Roosevlet wird Präsident der USA.
  • Auto-Geschwindigkeitsrekord mit 437,91 km/st von Malcolm Campbell.
  • Die deutsche Lufthansa befördert Post über den Südatlantik mit Hilfe eines schwimmenden Stützpunktes.
  • Der Siemens-Hell-Schreiber zur drahtlosen Übertragung von Schreibmaschinenschrift wird erfunden.
  • Weltausstellung in Chicago.
  • Die USA geben den Goldstandard auf.
  • Entwicklung von Projektor für 16-mm-Tonfilm.
  • Bei der Reichstagswahl erhält die Einheitlsliste der NSDAP 92 % der Stimmen.
  • In Deutschland kommt es zu den ersten Judenboykotten. Die Gewerkschaften werden aufgelöst. Konzentrationslager für die Gegner des Nationalsazialismus werden errichtet.
  • Die Nationalsozialisten verbrennen öffentlich Bücher unliebsamer Autoren (Bild)
  • Der Brand des Reichstages in Berlin nimmt die NSDAP zum Anlaß, durch die “Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat” praktisch die verfassungsgemäßen Grundsätze außer Kraft setzen zu können (Verhaftungen politischer Gegner).
  • Mit 441 gegen 94 Stimmen der SPD bewilligt der Reichstag das auf vier Jahre befristete “Ermächtigungsgesetz”.
  • Uraufführung der Oper “Arabella” von Richard Strauss.
  • Das Alkoholverbot (Prohibition) in den USA wird aufgehoben.
  • + Stefan George, deutscher Schriftsteller, verstirbt.

 

 

 

 

1934

 

Staffeler Winterhilfe

Das “Winterhilfswerk”, zum ersten Mal 1933/34 ins Leben gerufen und von der NSV (der “Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt”) durchgeführt, sollte Geld- und Sachspenden für Hilfsbedürftige beschaffen. Das Winterhilfswerk unterstand der Aufsicht des Propagandaministeriums von Joseph Göbbels. Die Sammlungen erfolgten unter erheblichem öffentlichen Druck. Das Winterhilfswerk brachte für damalige Verhätnisse sehr hohe Geldsummen ein: nach NS-Veröffentlichungen 1933/34 schon 358 Millionen Reichsmark. Die Beträge gingen an Bedürftige (zu denen laut NSV-Jargon “nur rassisch wertvolle Familien” zählten) bzw. wurden für die Wohlfahrtsaufgaben der NSV verwendet. Der NSV gelang es im Kreis Limburg erst 1941, die bis dahin in katholischen Gemeinden des Kreises noch bestehenden konfessionellen Kindergärten zu übernehmen. Beim ersten Aufruf zu WHV 33/34 werden als Unterzeichner der Limburger NS-Bürgermeister und Kreisleiter Willi Hollenders genannt, der im November 1933 sein Amt antrat, nachdem bereits im April der noch demokratisch gewählte Zentrums-Bürgermeister Krüsmann aus dem Amt gedrängt worden war, ferner der NSDAP-Ortsgruppen-leiter Schiebeck, späterer Bürgermeister von Dillen-burg sowie renommierte örtliche Vereinigungen und Vertreter der Konfessionen.



Winterhilfe in Staffel.

 

 

 

Eine Arbeitergruppe bei Notstandsarbeiten 1934. Während der Weltwirtschaftskrise
betrug für das Deutsche Reich im Februar 1930 die Zahl der Arbeitslosen 3,5 Millionen.
In Januar 1933 waren es schließlich 6.014.000, im Ort Ellar etwa 70 Mann, die nach
Frickhofen stempeln gingen. Die Unterstützung durch das Reich war gering. Die brotlos
gewordenen Arbeiter wurden verpflichtet, Gemeindearbeiten zu verrichten. In Lahr
schloßen sich 60 Jugendlichen zusammen, um in täglich sechsstündiger Arbeitszeit
gegen eine Vergütung von zwei Reichsmark pro Tag die Straße von Lahr nach Heck-
holzhausen auszubauen. In Ellar richteten die Christlichen Gewerkschaften einen
Zeichenkursus ein für erwerbslose Jugend, um dsie wenigstens etwas aus ihrer Ent-
mutigung herauszureißen. Bei den erwähnten Gemeindearbeiten wurde der hintere
Schulhof in Ellar mit Basaltstücken aufgefüllt, die Schafsweide am Oberholz gerodet
und bis dahin fast unbefahrene Wege befestigt. Die Aufnahme von 1934 vom Bau des
“Ölmühlweges” zur Neumühle bei Ellar zeigt von links nach rechts: Johann Abel sen.,
Robert Reichwein, Peter Nonn, Johann Link (alle aus Ellar) und rechts ein Aufseher.

 

 

 

Weltchronik 1934

  • Reichspräsident Paul von Hintenburg stirbt, Hitler übernimmt als Führer und Reichskanzler die Befugnisse des Reichspräsidenten.
  • Hitler schließt mit Polen einen Nichtangriffspakt.
  • Ernst Böhm, Stabschef der SA, und andere poltische Gegner der Nationalsozialisten werden wegen eines angeblich geplanten Putsches erschossen.
  • In Venedig treffen sich Hitler und Mussolini
  • Himmler wird Chef der Geheimen Staatspolizei
  • Der österreichische Bundeskanzler Dollfuß gründet die Vaterländische Front und verbietet alle anderen Parteien. Am 25.7. wird er von Nationalsozialisten ermordet.
  • Die Sowjetunion wird in den Völkerbund aufgenommen.
  • In Österreich wird die Großglockner-Hochalpenstraße eröffnet.
  • Die Lufthansa eröffnet den planmäßigen Postluftverkehr zwischen Europa und Südamerika.
  • In der Sowjetunion wird der Nordsee-Eismeer-Kanal fertiggestellt.
  • + Joachim Ringelnatz, deutscher Dichter, verstirbt.
  • + Marie Curie, polnische Chemikerin, verstirbt.
  • + Carl von Linde, deutscher Ingenieur, verstirbt.
  • + Kurt von Schleicher, deutscher Politiker, wird ermordet.

 

 

 

 

1935

 

Dom-Jubiläum in schwerer Zeit

Je mehr das geschriebene Wort zensiert oder unterdrückt wurde, desto größere Bedeutung erhielt das gesprochene Wort der Kirche. Anlässe, bei denen der Bischof sprach, wurden zu machtvollen Demonstrationen kirchlichen Selbstbehauptungswillens. Dies galt besonders für das 700jährige Domjubiläum, das vom 11. August bis zum 15. September 1935 in Limburg gefeiert wurde. Bei den verschiedenen Feierlichkeiten kamen bis zu 10.000 Menschen gleichzeitig zusammen, mehr als die Stadt Limburg bisher je in ihren Straßen versammelt hatte. Allgemein wurden die Jubiläumsfeierlichkeiten durch die örtlichen Behörden, besonders durch Bürgermeister und Kreisleiter Willi Hollenders, unterstützt. Bei der Kreuzpreozession am 18. August war die Lautsprecherübertragung polizeilich verboten worden; dieses Verbot wurde nach Beendigung dr Prozession im Dom durch einen Geistlichen verlesen, angeblich durch “Pfui”-Rufe aus der Menge begleitet. Das Domjubiläum hatte die Stärke kirchlicher Resistenz deutlich vor Augen geführt.


Beim Limburger Domjubiläum kamen
am Tag der Jungmänner, am 24. August
1935, der von Bischof Dirichs gestaltet
wurde, rund 10.000 Personen zusammen.
Hier sieht man die Jungmänner beim
Treuegelöbnis.

 

 

 

Im Sonntagskleid auf das Kirchweihfest

Es muß ein festlicher Tag gewesen sein - wahrscheinlich die Kirchweih -, als diese Weilburger Jungen und Mädchen zusammen aus der Stadt zogen. Das Foto wurde am Landtor aufgenommen. Die Mädchen hatten ihr bestes Kleid angezogen, doch manche Maid zeigte auch schon damals schon etwas Bein. Zöpfe waren damals in Mode, um nicht zu sagen Pflicht. Daß der Junge im Vordergrund kurze Hosen tragen durfte, läßt darauf schließen, daß es wohl nicht ganz so feierlich zuging. Darauf deutet auch seine Mütze hin, die eigentlich einem Bürgergardisten gehörte, wahrscheinlich seinem Vater. Bei solchen Umzügen in den dreißiger Jahren mußte auch die Hakenkreuze mitgeführt werden. Darauf achtete schon der ältere Herr rechts: August Reeh, zeitweise der hiesige Schatzmeister der NSDAP.

 

 

 

RP und Landrat in Dauborn

Bei Rundreisen durch den Kreis informierten Sich Behörden- und Parteivertreter über das Aufbauwerk” im NS-Staat. Meist wurden die Delegationen von NS-Organisationen in Parteikluft begrüßt. Hier erhält der NS-Regierungspräsident und SA-Führer von Pfeffer in Dauborn einen Blumenstrauß überreicht. Links, in Zivil, Landrat Dr. Karl Uerpmann, daneben NSDAP-Kreisleiter Willi Hollenders, der Limburger Bürgermeister von 1933 bis 1945.

 

 

 

 

 

 

Weltchronik 1935

  • Neutralitätsgesetzgebung der USA verbietet Verkauf und Lieferung von Waffen an Kriegsführende.
  • Italien überfällt Abessinien.
  • “Nürnberger Gesetze” in Deutschland: Juden werden alle Bürgerrechte aberkannt, und Ehen zwischen Juden und “Ariern” sind verboten.
  • Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in Deutschland.
  • Durch eine Volksabstimmung kommt das Saargebiet wieder zum Deutschen Reich.
  • Der liberale deutsche Journalist Karl von Ossietzky erhält während seiner KZ-Haft den Friedensnobelpreis (Bild).
  • Hitler verbietet daraufhin Deutschen, Nobelpreise anzunehmen.
  • Ein Erdbeben in Indien fordert 60.000 Opfer.
  • Uraufführung der Oper “Porgy und Bess” von George Gershwin.
  • + Kurt Tucholsky, deutscher Schriftsteller, verstirbt.
  • + Hugo Junkers, deutscher Flugzeugkonstrukteur, verstirbt.
  • + Max Liebermann, deutscher Maler, verstirbt.

 

 

 

 

1936

 

Jungvolk für den Führer

Wie alle totalitären Systeme erfaßten auch die Nazis Jungen und Mädchen von frühester Kindheit an in ihren Organisationen, um sie im NS-Sinne zu erziehen und zu beeinflussen. Das “Deutsche Jungvolk in der Hitler-Jugend”, abgekürzt “DJ”, war die Organisation der 10- bis 14jährigen, die auch als “Pimpfe” bezeichnet wurden. Die Teilnahme an Veranstaltungen der Hitlerjugend war ab 1939 für alle 10- bis 18jährigen Jungen und Mädchen (“BDM”) Pflicht. Anschließend folgten Arbeitsdienst und Wehrmacht bzw. “Pflichtjahr” der Frauen. Bei Heimabenden wurden die Mitglieder der NS-Jugendorganisationen geschult, bei sportlichen Übungen vormilitärisch gedrillt. In Limburgs Nachbarschaft, dem Schloß Oranienstein, existierte zudem seit 1934 eine NS-Eliteschule: die “Nationalpolitische Erziehungsanstalt” (Napola), in der auch Schüler aus den Kreisen Limburg und Oberlahn, von finalziellen Patenschaften des Kreises und mancher Gemeinde unterstützt, ihr Abitur machten, um dann, wie vorgesehen, in NS-Führungspositionen nachzurücken.


Jungvolk während des “Tausendjährigen Reiches” in der
Bahnhofstraße in Löhnberg.

 

 


Haben Sie etwar zu transportieren? Mit einem Pferdefuhrwerk wird der “Con-
tainer” der Deutschen Reichsbank zum Güterbahnhof in Limburg gebracht.

 

 

 

Ein Staffeler lief Weltrekord

Häufig überquerte er die Ziellinie als Erster und zeigte seinen Gegnern die Hacken: Hans Seibert aus Staffel erzielte als Leichtathlet hervorragende Ergebnisse. Über 800 m, seiner Spezialstrecke, startete er bei zahlreichen Länderkämpfen. Ein Traum ging für ihn mit der Teilnahme an den Olympischen Spielen in Berlin in Erfüllung. Fünf Jahre später lief die 4 x 800-m-Staffel in Braunschweig unter seiner Mitwirkung Weltrekord. Wenig später fiel er im Krieg.

Hans Seibert auf der Aschenbahn.

 

 

 

Weltchronik 1936

  • Beginn der Schauprozesse in der UdSSR, in denen Stalin mit seinen Gegnern aus den zwanziger Jahren abrechnet.
  • Hitler und Mussolini verkünden nach einer deutsch-italienischen Übereinkunft die “Achse Berlin-Rom”.
  • Beginn des spanischen Bürgerkrieges: General Franco wird zum Regierungschef des spanischen Staates und zum Oberbefehlshaber der Truppen ernannt.
  • Deutsche Truppen rücken in die entmilitarisierte Zone des Rheinlandes ein.
  • Ägypten wird weitgehend unabhängig. Die Suezkanalzone bleibt allerdings in britischer Hand.
  • Erstausgabe des Romans “Vom Winde verweht” von Margaret Mitchell.
  • Max Schmeling besiegt den “braunen Bomber” Joe Louis durch K.O.
  • Der farbige Sprinter Jesse Owens überragt bei den XI. Olympischen Spielen in Berlin. Die IV. Olympischen Winterspiele finden in Garmisch-Partenkirchen statt.
  • Die I. G. Farben stellt künstlichen Kautschuk (Buna) her.
  • Marino Marinis Skulptur “Der Reiter” wird aufgestellt.
  • Uraufführung des Films “Modern Times” von Charlie Chaplin.
  • + Maxim Gorkij, russischer Schriftsteller, verstirbt.
  • + Rudyard Kipling, englischer Schriftsteller verstirbt.

 

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