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1937
Als die Lahn noch sauber war
Bis vor einigen Jahrzehnten gab es keine Schwimmbäder (schon gar keine mit vorgewärmtem Wasser), aber natürlich gingen die Menschen auch hierzulande an heißen Sommertagen schwimmen, und zwar in Tümpeln, Flüssen oder Bächen. Die waren damals noch nicht so verschmutzt wie heute. Die Weilburger, Löhnberger Aumenauer, Arfurter Runkeler, Steedener, Dehrner oder Limburger erfrischten sich in der Lahn. Zimmermeister Mühl errichtete 1907 in der Residenzstadt an der Eisenbahnbrücke die erste öffentliche Badeanstalt. Sie bestand aus einem Schwimmbecken in der Lahn, das von hohen Bretterwänden umgeben war, und besaß auch einige Einzelkabinen, in denen ein Treppchen unmittelbar ins Wasser führte. Männer und Frauen waren durch verschiedene Badezeiten streng getrennt. Bademeister war der alte Deuster, von dem böse Zungen behaupteten, daß er gar nicht schwimmen konnte. Hier traf sich allerdings nur das gewöhnliche Volk, während die Gymnasiasten zur Militärbadesanstalt oberhalb des heutigen Ernst-Dienstbach-Steges durften. Sie sah so aus: Das verschließbare Aus- und Ankleidehäuschen war sechs Meter lang und 2,5 Meter breit. Zum Schwimmboden führte ein 7,5 Meter langer und ein Meter breiter Steg. Der Schwimmboden war sechs Meter lang und 4,5 Meter breit, ruhte auf acht Petroleumfässern und zwar mit einem Geländer umgeben. Nach der Fußseite führte ein Sprungbrett und eine hängende Treppe. 1926 wirde die Anstalt zu einem neuzeitlichen Standbad modernisiert, das bis in die sechziger Jahre noch seinen
Baden in der Lahn im Sommer 1937 in Weilburg. Die Damen waren natür- lich noch sehr bedeckt, die Herren be- gannen sich jedoch schon oben frei- zumachen.
Zweck erfüllte, bis es wegen des Hallenbadbaus und der zunehmenden Wasserverschmutzung geschlossen wurde.
Neue Brücke belebt den Limburger Fremdenverkehr
Kühn, schwungvoll, aber geradezu graziös spannt sich die gigantische Lahnbrücke 500 Meter über den Fluß: Die Autobahnbrücke oberhalb Limburgs ist fertiggestellt. In Anwesenheit zahlreicher Prominenz wurde dieses Meisterwerk der Technik eingeweiht. Ein alter Traum wurde endlich wahr! Vorbei die Zeiten, wo man auf Fähren angewiesen war, die bei Hochwasser ihren Dienst einstellen mußten, oder lange Umwege zu fahren hatte. Das Reichsautobahnnetz wird immer dichter. Endlich ist auch unsere Heimat miteingeschlossen. Man braucht sich nur vorzustellen, aus welch fernen Regionen künftig die Besucher unserer schönen Gegend kommen werden, wohlwissend, daß das Bauwerk der neuen Zeit der Freiheit keine Grenzen setzt. Wir können stolz sein auf das,
Limburgs Reichsautobahnbrücke nach der Fertigstellung.
was hier mit modernsten technischen Mitteln von Planern und Arbeitern geleistet wurde.
Weltchronik 1937
Hermann Göring wird Reichswirtschaftsminister.
Chamberlain wird nach dem Rücktritt Baldwins neuer britischer Pemierminister.
Der “Irische Freistaat” wird souverän und nennt sich “Eire”.
Neubeginn des japanisch-chinesischen Krieges: Japan erobert große Teile Chinas.
Neues Neutralitätsgesetz in den USA ermöglicht es auf der Basis des “Cash and Carry” die Lieferung von Waffen an Kriegsführende.
In der Schweiz wird die Todesstrafe abgeschafft.
Papst Pius XI. wendet sich in der Enzyklika “Mit brennender Sorge” gegen den Nationalsozialismus.
Prinz Bernhard von Lippe-Biesterfeld heiratet Kronprinzessin Juliana der Niederlande.
Im spanischen Pavillon der Pariser Weltausstellung wird Picassos Gemälde “Guernica” ausgestellt.
Uraufführung von Carl Orffs “Carmina Burana.
+ Adle Sandrock, deutsche Schuspielerin, verstirbt.
+ John D. Rockefeller, amerikanischer Unternehmer, verstirbt.
+ George Gershwin, amerikanischer Komponist, verstirbt.
+ Pierre des Coubertin, Begründer der modernen Olympischen Spiele, verstirbt.
+ Erich Ludendorff, deutscher Heerführer, verstirbt.
1938
Beim ersten nationalen Marathon in Weilburg starteten 91 Läufer
Vor dem Start zum nationalen Marathon 1938 vor der Hainkaserne in Weilburg
Getragen von der völker- und menschenverbindenden Idee des Sportes, veranstalteten Funktionäre des fürheren Sportkreises Oberlahn 1938 in Weilburg einen offenen nationalen Marathonlauf. Den Mut für die Ausrichtung dieser Veranstaltung hatte der Sportkreisvorsitzende Hermann Diesterweg, dem vor allem der damalige Kreisfußballwart Josef Klein und weitere Vorstandsmitglieder und Helfer zur Seite standen. Immerhin 91 Läufer aus verschiedenen Gauen waren zum Start an die Hainkaserne gekommen, darunter auch der Olympiateilnehmer Klaus Helber aus Stuttgart und einige seiner Vereinskameraden, die sich den Titel des Mannschaftsmeisters holten, erinnert sich Josef Klein. Auch ein bekannter Österreicher war unter den Teilnehmern, wie auch Hermann Diesterwegs Schwager Paul Gerhardt, der zu damaligen Zeiten vier- bis fünfmal den berühmten Marathonlauf Herne - Bochum - Herne gewonnen hatte. Der Weilburger Marathon ging damals durch das Weiltal über Weilmünster bis nach Winden und auf der gleichen Strcke wieder zurück. In den entprechend geschmückten Dörfern säumten die Zuschauer die Straßen, die während der Veranstaltung für den Auto- und Fahrzeugverkehr gesperrt waren. “Das war schon ein großes Team von Mitstreitern, die wir damals auf die Beine stellten, um die Sache erfolgreich über die Bühne zu bringen”, erinnert sich “Jossi” Klein. Angefangen von den Steckenposten über die Hilfsdienste, Sanitäter, Polizei bis zu den Leuten, die unterwegs den Läufern Getränke und Früchte reichten. “Wir hatten auch eine tole Unterstützung aus der heimischen Wirtschaft und den Gewerbetreibenden, die uns Ehrenpreise spendierten.” Der Zweite Weltkrieg war schuld daran, daß die Sportfreunde im Weilburger Land bis 1951 auf den zweiten Marathonlauf dieser Größenordnung warten mußten. Josef Klein erinnert sich daran, daß bei diesem noch mehr Läufer am Start waren.
Geheimerlaß der SS
Die Zerstörung der Synagogen in der sogenannten “Reichskristallnacht” am 9./10.11.1938 und die Plünderung von Geschäften mit jüdischen Ihnabern, Enteignung, Verhaftung und Bestrafung der Juden auch in den Kreisen Limburg und Oberlahn wird in diesem Erlaß des SS-Sturmbannführers Domitian an die im Heimatgebiet stationierten SS-Einheiten beschönigt. Wie aus einer weiteren Aufstellung der SS hervorgeht, brannten die meisten Synagogen im Kreisgebiet aus. Einige der jüdischen Gotteshäuser waren bereits 1937/38 zu Spottpreisen an “arische” Interessenten gegangen, nachdem der Exodus der Juden auch im heimischen Raum spürbare Formen annahm. Die verbliebenen Juden wurden schließlich bis 1942 deportiert und umgebracht.
Die Limburger Werner-Senger-Straße mit der Synagoge im Hintergrund.
Weltchronik 1938
Im “Münchener Abkommen” stimmen Großbritannien, Frankreich und Italien der Angliederung der sudetendeutschen Gebiete an Deutschland zu (Bild).

Das englische Königspaar besucht Paris.
Deutsche Truppen marschieren in Österreich ein: “Heimkehr ins Reich”.
In der “Reichskristallnacht” (9./10. November) finden erste große Judenpogrome statt.
In Deutschland wird zur Hebung der Geburtenfreudigkeit das Ehrenkreuz der deutschen Mutter gestiftet.
Die Kunststoffe Perlon (durch Schlack) und Nylon (durch Carothers) werden erfunden.
Otto Hahn und Fritz Straßmann gelingt die erste Atomspaltung.
Die Eiger-Nordwand wird erstmals bestiegen.
+ Ernst Barlach, deutscher Bildauer, verstirbt.
+ Bernd Rosemeyer, deutscher Rennfahrer, verunglückt tödlich.
+ Carl von Ossietzky, deutscher Publizist, verstirbt.
+ Kemal Alatürk, türkischer Staatsmann, verstirbt.
1939
Vor den Toren von Waldernbach bearbeitet der Bauer das Feld. Zwei Kühe ziehen den Pflug, während die Bäuerin die Kartoffeln legt.
Karl Kiefer, Wilsenroth, beim “Dengeln” der Sense.
Katholiken gegen Hitler
Kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wird in den von der NSDAP-Kreisleitung Limburg an die Gauleitung in Frankfurt geschickten “Politischen Lagebericht” deutlich, daß ein Großteil der Bevölkerung, vor allem katholische Kreise, dem Nationalsozialismus nach wie vor ablehnend gegenüberstehen. In den Berichten wird im übrigen die Fusion mehrerer Orte des Kreises - nach der “ersten Welle” 1937/38 - angekündigt, die aber wegen des Krieges nicht mehr zustande kommt: So war damals vorgesehen, aus Dorchheim, Elbgrund, Hangenmeilingen und Heuchelheim eine neue Gemeinde zu bilden; ebenso aus Dombach und Schwickershausen, Nieder- und Oberweyer. Aus Mühlbach und Waldmannshausen war am 1.10.37 Elbgrund entstanden; Faulbach und Niederhadamar waren am 1.4.39 nach Hadamar eingemeindet worden; Mühlen am 1.4.38 Eschhofen zugeschlagen worden.
Feldpostbrief
Feldpostbriefe verschickte die NSDAP Kreisleitung Limburg-Unterlahn, die im Haus Schiede 49 in Limburg residierte, zu Beginn des Zweiten Weltkriegs an Soldaten aus dem heimischen Raum. In ihnen wurden Neuigkeiten aus den Orten des Kreises in NS-Lesart verkündet. Was die Propaganda noch verdeckte: Rund 7.000 Personen aus den Kreisen Limburg und Oberlahn kamen bis 1945 in militärischen Diensten ums Leben.
Weltchronik 1939
Deutschland und Italien beschließen einen Freundschafts- und Bündnispakt (“Stahlpakt”).
Deutschland und die Sowjetunion schließen einen Nichtangriffspakt.
Deutschland besetzt das Memelgebiet. Hitler verlangt Danzig und einen Korridor nach Ostpreußen.
Deutsche Truppen marschieren in die Tschechoslowakei ein. Das “Protektorat Böhmen und Mähren wird gebildet.
Beginn des Zweiten Weltkriegs: Deutsche Truppen marschieren am 1.9. in Polen ein (Bild).

Im Münchner Bürgerbräukeller mißlingt ein Attentat auf Hitler.
Rudolf Harbig läuft Weltrekorde über 400, 800 und 1.000 Meter.
Start des ersten Düsenflugzeuges Heinkel He 178.
Gibbons entwickelt ein künstliches Herz.
Erstausgabe des Romans “Lotte in Weimar” von Thomas Mann in Stockholm.
Müller entwickelte ein Kontakt-Insektengift (DDT).
+ Sigmund Freud, Begründer der Psychoanalyse, verstirbt.
1940
Marmor, Stein und Eisen bricht ...
Der heimische Marmor hat sein Jahrhunderten wirtschaftliche Bedeutung, doch nur wenige Betriebe haben wegen der starken ausländischen Konkurrenz überlebt. Weltweiten Ruf erlangte der Gaudernbacher Marmor vor dem Krieg, als damit das berühmte Empire State Building in New York ausgestattet wurde. Auch die Nationalsozialisten schätzten das schöne Gestein und ließen dort nach einem Gipsmodell einen mehrere Meter hohen Reichsadler, der auf einem Hakenkreuz stand, im Bruch aus einem großen Block hauen. Der gewaltige Vogel kam auf eine Nazi-Wallfahrtstätte im norddeutschen Großensee. Ein weiteres Denkmal, das auch heute noch steht, stammt aus dem Gaudernbacher Bruch: Um 1940 wurde hier ein Marmor-Findling zur Erinnerung an eine Artillerie-Einheit aus dem Ersten Weltkrieg, der viele Männer aus dem Weilburger Raum angehörten, am Bahnhof der Residenzstadt aufgestellt.
Der Findling wird begutachtet: Links Bruchmeister Rehn, rechts Bruchbesitzer Joerissen mit dem Weilburger Bürger- meister Karl Schubert.
 Nach einem Gipsmodell wurde der Adler mit dem Haken- kreuz aus dem Marmor gehauen. Links der Künstler.
Vor der Schmiede in Langenbach wird dem Pferd ein neues Hufeisen angepaßt. Geduldig läßt es die Prozedur über sich ergehen.
Weltchronik 1940
Der sowjetische Außenminister Molotow trifft zu Gesprächen mit Hitler in Berlin ein (Bild).

Luftschlacht um England beginnt.
Dreimächtepakt zwischen Deutschland, Italien und Japan: Ziel ist die Neuordnung Europas und Ostasiens.
In Deutschland wird das “Euthanasieprogramm” durchgeführt, nach dem “unheilbar Kranken der Gnadentod gewährt werden kann”. Ausschlaggebend sindneben dem Krankheitsmerkmal auch “Arbeitsfähigkeit” und “Rasse”. Bis August 1941 werden rund 70.000 Menschen getötet.
Die deutsche Wehrmacht besetzt Dänemark und Norwegen.
Erstausgabe des Romans “Wem die Stunde schlägt” von Ernest Hemingway.
Karl Landsteiner und Alexander Wiener entdecken den Rhesusfaktor im Blut des Menschen.
+ Leo Trotzkij, russischer Politiker, wird bei einem Attentat getötet.
+ Selma Lagerlöf, schwedische Dichterin, verstirbt.
+ Paul Klee, schweizer Maler, verstirbt.
1941
Euthanasie in Hadamar
Nachdem bereits 1933 mit Zwangssterilisierungen behinderter Menschen begonnen worden war und seit Kriegsbeginn die Rationen speziell in den Landesheilanstalten ständig unter das übliche Kalorienmaß sanken, begann 1941, gestützt auf einen “Führererlaß” von 1939, eine Tötungswelle, der in Hadamar über 10.000 Geisteskranke zum Opfer fielen. Von Januar bis August 1941 wurden die Kranken, die zuvor “selektiert” und auch in Weilmünster als Zwischenstation untergebracht waren, in Hadamar vergast und verbrannt. Die Morde am Mönchsberg sprachen sich herum, ein Pfarrer fotografierte den aus dem Krematorium aufsteigenden Rauch. De Initiatoren der Massentötungen bemühten sich zwar, ihr Treiben zu tarnen, versandten “Todesbriefe”, in dem der angeblich natürliche Tod der Patienten geschildert wurde und registrierten die Untaten in Hadamar in einem eigenen Standesamt. Vor allem nach Protesten der Kirchen, darunter des Limburger Bischofs Hilfrich, wurde die “Euthanasie” im Sommer 1941 gestoppt. Doch das Morden ging weiter. Mit Medikamenten und Essensentzug wurden in Hadamar weitere 5.000 Menschen getötet, darunter Kinder aus sogenannten “arisch-jüdischen Verbindungen” und angeblich erkrankte Zwangsarbeiter, meist Polen und Sowjetbürger.
 Brennender Schlot des Krematoriums auf dem Mönchsberg in Hadamar.
 Bei einer Kundgebung in Weilburg versuchten die Nationalsozialisten, die Bevölkerung auf den Kurs von Adolf Hitler einzuschwören.
Der landwirtschaftliche Marktbeobachter
Die allgemeinen Anlieferungen an Rindern, Schweinen und besonders an Kälbern, waren in dieser Woche so reichlich, daß nicht nur der Bedarf überall hinreichend gedeckt wurde, sondern Kälber und Schweine für die Reichsstelle für Tiere herausgenommen werden konnten. Auch in der kommenden Woche wird die reichliche Belieferung anhalten. Der Bedarf an Vollmilch und übrigen Milcherzeugnissen konnte voll gedeckt werden; bei der Abgabe von entrahmter Frischmilch mußten jedoch Kürzungen vorgenommen werden. Die Kartoffelversorgung erfolgt infolge der umfangreichen Einkellerungen nach wie vor reibungslos. Der geringe Bedarf der Zivilbevölkerung in den Großstädten kann aus den Lagern des Handels ohne weiteres sichergestellt werden.
Auszug aus dem Weilburger Tageblatt: 24. Januar 1941
Weltchronik 1941
Japanischer Luftangriff auf den US-Stützpunkt Pearl Habour auf Hawaii: Die USA und Großbritannien erklären daraufhin Japan, Deutschland und Italien den Krieg.
Reichsminister Heß springt mit dem Fallschirm über England ab, um persönliche Verhandlungen zu führen.
Deutsche Truppen überfallen trotz bestehendem Nichtangriffspakt die Sowjetunion, erreichen fast Moskau, schließen Leningrad ein und erobern Kiew und die Krim.
Alfred Rosenberg erläßt die “Untermenschen-Parole”
In Nordafrika kommt General Rommel mit dem deutschen Afrikakorps den Italienern zu Hilfe (Bild)

In Zürich wird Brechts “Mutter Courage und ihre Kinder” uraufgeführt.
Der Film “Citizen Cane” won Orson Welles wird uraufgeführt.
+ Wilhelm II., letzter deutscher Kaiser, verstirbt in holländischem Exil.
+ Viginia Woolf, englische Schriftstellerin, verstirbt.
+ James Joyce, irischer Schriftsteller, verstirbt.
1942
Mehr Butter statt Margarine
Auch für die am 9. Februar beginnende 33. Zuteilungsperiode, für die jetzt Lebensmittelkarten verteilt wurden, bleiben die laufenden Rationen im wesentlichen unverändert. Neu ist, daß die Butterration der Normalverbraucher, der Jugendlichen und der Kinder von 6 Jahren ab um 62,5 Gramm erhöht und die Margarinenration um die gleiche Menge herabgesetzt wird. Die Gesamtfettration bleibt unverändert. Weiter ist von Bedeutung, daß alle Versorungsberechtigten 62,5 Gramm Käse mehr erhalten, so daß in dieser Kartenperiode neben der Quarkration wieder drei Käserationen in dieser Höhe ausgegeben werden. Einer der Käseabschnitte wird auf 120 Gramm erhöht. Außerdem können alle Verbraucher über 18 Jahre nochmals anstelle von 125 Kaffee-Ersatzmitteln wahlweise 60 Gramm Bohnnkaffee erhalten. Die Abgabe des Bohnenkaffees erfolgt auf Grund der Vorbestellung, die mit der Nährmittelkarte 31 durchgeführt wurde. In der neuen Zuteilungsperiode fallen die bisher ausgegebenen 50 Gramm Kartoffelstärkeerzeugnisse weg. Normalverbraucher und Jugendliche erhalten wieder 50 Gramm Butterschmalz und dafür die Hälfte der Ration an Schweineschlachtfetten. Im ersten Kalendervierteljahr 1942 werden die Vorräte des Handels an Speiseöl nicht aufgefüllt, weil die flüssigen Öle in dieser Zeit für die Herstellung von Margarine benötigt werden. Die Versorgungsberechtigten können deshalb vorübergehend Speiseöl nur im Rahmen der beim Handel vorhandenen Bestände beziehen. Für die Jahreszeit, in der erfahrungsgemäß mehr Öl für die Zubereitung von Salaten usw. verbraucht wird, wird dieses rechtzeitig bereitgestellt werden.
Aus dem Weilburger Tageblatt vom 3. Februar 1942.
Bekanntmachung der Stadt Weilburg
Betr: Abgabe von Eiern. Die Hühnerhalter werden nochmals auf die Bekanntmachung des Eier-Wirtschaftsverbandes Hessen-Nassau vom 24.3.42, abgedruckt im “Weilburger Tageblatt” Nr. 79 vom 4.4.42 hingewiesen, ebenso, daß die restlose Ablieferung des festgesetzten Eierablieferungssolles unter allen Umständen verlangt werden muß. Ich weise besonders darauf hin, daß jeglicher Verkauf von Eiern von dem Erzeuger an den Verbraucher, abgesehen an Inhaber von Berechtigungsscheinen, verboten ist und als Schleichhandel angesehen wird. Auf Grund der vom Reichsverteidigungsrat neu herausgegebenen Anordnungen wird dieser Schleichhandel schärfstens verfolgt und bestraft werden. Um den Hühnerhaltern Gelegenheit zu geben, Ihre Angaben bei der letzten Hühnerzählung zu überprüfen, kann ein jeder letztmalig bis zum 15. April 1942 bei der Kartenausgabestelle (Stadthaus) seinen Bestand berichtigen. Bei den später festgestellten Verstößen gegen diese Anordnung wird mit Strafe gegen die Beschuldigten vorgegangen werden. Es kann unter keinen Umständen angehen, daß verantwortungsbewußte Personen ihre Hühnerzahl genau angeben, während der übrige Teil nur einen kleinen Prozentsatz der Hühner tatsächlich angegeben hat. Da die Eierversorgung der städtischen Bevölkerung unter allen Umständen sichergestellt werden muß, wird daher Wert auf die restlose Erfassung sämtlicher Hühner gelegt. Weilburg, den 8. April 1942 Der Bürgermeister
Auszug aus dem Weilburger Tageblatt vom 11. und 12. April 1942
 Das Schwimmbad von Weilmünster wurde 1934 eingeweiht. Neben dem Schwimmbecken war auch an die Nichtschwimmer gedacht. Eine Rutsch- bahn gehörte ebenfalls schon dazu. So kam bei den Wasserratten keine Langeweile auf.
Weltchronik 1942
Der russische Außenminister Molotow fordert von den Westmächten zur Entlastung der Sowjetunion die Errichtung einer zweiten Front.
“1000-Bomber-Angriff” auf Köln.
Zur Flugabwehr werden erstmals Funkmeßgeräte (Radar) eingesetzt.
Als Rache für das Attentat auf Reinhard Heydrich wird das tschechische Dorf Lidice zerstört; alle Bewohner werden umgebracht oder verschleppt.
Auf der “Wannsee-Konferenz” wird die “Endlösung der Judenfrage” beschlossen.
In Stalingrad wird die 6. Armee unter General Paulus eingeschlossen (Bild).

Mit dem “Manhatten-Projekt” zur Entwicklung der Atombombe sind in den USA 150.000 Menschen beschäftigt.
Die Romane “Der Fremde” von Albert Camus und “Das siebte Kreuz” von Anna Seghers erscheinen.
+ Stefan Zweig, österreichischer Schriftsteller, verstirbt.
+ Robert Musli, österreichischer Schriftsteller, verstirbt.
+ Robert Bosch, deutscher Industrieller, verstirbt.
1943
Eisengießen im Weiltal
Die Audenschmiede, aus einer 1434 errichteten Waldschmiede hervorgegangen, erlebte unter der Ära Buderus in der Zeit von 1798 bis 1870 einen Aufschwung, der den Namen Buderus zu einem Begriff in der deutschen Eisenindustrie werden ließ. Nach Auflösung der Firma J. W. Buderus und Söhne am 18. Januar 1870 gründete Ludwig Friedrich Buderus mit dem ihm zugefallenen Hütten- und Grundbesitz die Firma L. Fr. Buderus, Audenschmiede. Mit dem Niederfahren des Hochofens nach fast dreihundertjährigem Bestehen deutete sich 1877 der Niedergang der Firma an. Von da an beschränkte sich Friedrich Buderus auf die Herstellung von “Gußwaren zweiter Schmelzung”. Nach dem Tod von Ludwig Friedrich Buderus am 28. März 1888 übernahm sein gleichnamiger Sohn die Audenschmiede, konnte aber den Untergang ebensowenig aufhalten, wie die Eröffnung der Bahnstrecke Weilmünster - Grävenwiesbach am 29. Mai 1909 dies verhindern konnte. In den Kriegsjahren 1914/18 wurde für die kämpfende Truppe Material gegossen und geliedert, doch war dies die letzte Tätigkeit des Werkes Audenschmiede unter einem Hüttenherrn “Buderus”. Am 9. Juli 1919 starb der letzte Buderus auf der Audenschmiede. Da kein Nachkomme des Namens vorhanden war, um das Werk zu übernehmen, verschwand der Name für immer aus der Geschichte der ehemaligen Waldschmiede. Versuche seiner Schwester, später seiner Nichte, das Werk in irgendeiner Form zu erhalten, nicht zuletzt wegen der Weltwirtschaftskrise Ende der zwanziger Jahre. 1930 kam die Geißerei Audenschmiede zum vorläufig endgültigen Stillstand. Das war das Signal für Gustav Piesoldt, bisher bei Buderus auf der Audenschmiede beschäftigt, sich selbständig zu machen, und so gründete er 1931 in Weilmünster eine Eisengießerei, die auch heute noch in Betrieb ist.
 Die Aufnahme entstand in der Gießerei Piesoldt in Weilmünster etwa 1939 und zeigt, wie Arbeiter die geschmolzene Masse in Formen gießen. Rechts sieht man Otto Keller, daneben den damaligen Chef Karl Piesoldt. Zweiter von links ist Karl Heller. Der Name der vierten Person ist nicht bekannt.
Kreise werden zusammengelegt
Um Arbeitskräfte für den Kriegseinsatz freizumachen - so die amtliche Begründung des Regierungspräsidenten in Wiesbaden - wurde Anfang April 1943 die Verwaltung der Kreise Limburg und Unterlahn zusammengelegt. Der Limburger Landrat Dr. Karl Uerpmann war somit auch für den Raum Diez zuständig. Damit konnten weitere Bedienstete für den “totalen Krieg” zur Wehrmacht einberufen werden, so schrieb es auch der Reichsinnenminister an die ihm unterstellten Verwaltungen. Nach dem Einmarsch von US-Truppen Ende März 1945 wurde die gemeinsame Verwaltung der Kreise Limburg und Unterlahn wieder aufgehoben, zumal der Unterlahnbereich dann ab Juli 1945 der neuen französischen Besatzungszone zugeordnet wurde.
Weltchronik 1943
Die 6. Armee kapituliert in Stalingrad
Churchill, Roosevelt und Stalin beschließen in Teheran die Errichtung einer Front in Frankreich.
Die Alliierten landen in Süditalien. Mussolini wird verhaftet, von deutschen Fallschirmjägern aber wieder befreit.
Verstärkte Luftangriffe gegen Deutschland und seine Verbündeten.
Auf der Casablanca-Konferenz fordern Roosevelt und Churchill die bedingungslose Kapitulation Deutschlands.
Das deutsche Afrikakorps kapituliert.
Aufstand im Warschauer Ghetto gegen die Nationalsozialisten.
Die Geschwister Scholl (Bild) verbreiten in München antifaschistische Flugblätter. Sie werden hingerichtet.

Hungersnot in Bengalen: über 1 Million Todesopfer.
Cousteau un Gagnan erfinden die Aqualunge.
+ Max Reinhardt, österreichischer Regisseur, verstirbt.
1944
Haftbefehl für Landrat Uerpmann
Der NS-Landrat Dr. Karl Uerpmann, der sich während des “III. Reichs” vom Nazi-Anänger zum Regimekritiker und -gegner wandelte, wurde selbst Opfer der Verhaftungswelle nach dem 20. Juli 1944. Von einem Landwirt in Diez-Freiendiez denunziert, wurde der Landrat Ende Juli 1944 verhaftet und ins Gefängnis Meseritz (Pommern) gebracht. Auf seine Aburteilung vor dem berüchtigten Volksgerichtshof wartete Uerpmann bis kurz vor Kriegsende in der Strafanstalt und Hinrichtungsanstalt Berlin-Plötzensee.
Landrat Dr. Karl Uerpmann
“Einstweilige Verfügung” des Gauleiters
Gauleiter Sprenger, Reichsstatthalter in Hessen, stieß Uerpmann Ende August 1944 aus der Partei aus. Uerpmann galt als “alter Kämpfer”, gehörte seit 1929 der NSDAP und SS an. Der Jurist war von April bis September 1933 Landrat in Weilburg und erhielt 1935 die Landratsstelle in Limburg übertragen. Uerpmann verwaltete teilweise, vertretungsweise und kriegsbedingt, auch die Kreise Oberlahn, Wetzlar sowie Unterlahn.
Entlassung Uerpmanns aus Plötzensee
Kurz bevor die Rote Armee Berlin einschloß, wurde Landrat Uerpmann in Berlin-Plötzensee entlassen. Er schlug sich nach Limburg durch, versuchte 1948 ein “Comeback”, indem er sich von den Liberalen im Kreis Limburg als Landratskandidat aufstellen ließ. Bei der Wahl, aus der Landrat Jäger als eindeutiger Sieger hervorging, erhielt Uerpmann im Kreistag nur die vier Stimmen der LDP (der späteren FDP). Uerpmann verzog in der fünfziger Jahren nach Frankfurt, wo er eine Rechtsanwaltspraxis eröffnete. Der ehemalige Limburger Landrat verstarb 96jährig im Sommer 1984.
Bomben auf den Kreis
Bombenangriffe auf Städte und Dörfer im heimischen Raum setzten vor allem ab 1944 ein. Von den Luftangriffen am meisten betroffen war der Eisenbahnknotenpunkt Limburg, der zudem noch ein mit rund 1.700 Beschäftigten “kriegswichtiges” Reichsbahn-Ausbesserungswerk beherbergte. Bei elf Bombenangriffen, die vor allem Innen- und Südstadtbereiche verwüsteten, starben 195 Personen. Auch auf Naueim fielen Bomben.
Das evangelische Pfarrhaus in Nau- heim vor der Zerstörung am 25. Sep- tember 1944...
 ... und nach dem Bombenangriff.
Aufräumungsarbeiten im Galmerviertel in Limburg nach dem verheerenden Bombenangriff.
Weltchronik 1944
In der Schlacht um Aachen wird die Stadt zu 50% zerstört.
Die alliierten Truppen landen am 6. Juni in der Normandie (Bild)

Deutschland setzt seine V1- und V2-Raketen gegen England ein; ohne wesentlichen Erfolg.
Der Bretton-Woods-Konferenz in den USA folgt die Gründung des Internationalen Währungsfonds sowie die Planung einer Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung.
Roosevelt wird zum vierten Mal zum Präsidenten der USA gewählt. Er widerruft den “Morgenthauplan”, Deutschland zu verkleinern und in deinen Agrarstaat umzuwandeln.
Hitler befiehlt die Verteidigung deutscher Städte unter Androhung der Todesstrafe bei Zuwiderhandlung.
Der mangelhaft bewaffnete und ausgebildete “Volkssturm” wird in Deutschland aufgeboten.
Das Bombenattentat des Obersten Claus Graf Schenk von Stauffenberg auf Hitler im Führerhauptquartier “Wolfsschanze” mißglückt (Bild).

Etwa 180 bis 200 Mitverschwörer werden hingerichtet (Bild): Der Präsident des “Volksgerichtshofes”, Roland Freisler, verkündet die Urteile.

Uraufführung des Einakters “Hinter geschlossenen Türen” von Satre und des Schauspiels “Die Glasmenagerie” von Tennessee Williams.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz erhält den Friedensnobelpreis.
Rudolf Breitscheid (SPD) und Ernst Thälmann sterben im Konzentrationslager Buchenwald.
1945
Trennung Unterlahn von Limburg
Ab 1. April 1945 wurde die Verwaltung des Unterlahnkreises wieder von Limburg abgetrennt und nach Diez verlegt. Der kommissarische Landrad Dannhausen, von der US-Besatzungsmacht eingesetzt, teilte dies der damals noch preußischen Regierungskasse mit. Im Zuge einer kriegsbedingten Verwaltungsvereinfachung war die Verwaltung des benachbarten Unterlahnkreises am 1. April 1943 dem Limburger Landrat Uerpmann unterstellt worden. Da der Unterlahnkreis nach 1945 zur französischen Besatzungszone gehörte, wurde die gemeinsame Verwaltung wieder aufgehoben. Seit 1937 bestand bis 1945 im übrigen in Limburg auch die gemeinsame NSDAP-Kreisleitung Limburg-Unterlahn, die rund 1.800 Mitglieder betreute und als “Nebenregierung” auf Kreis- und Ortsentscheidungen erheblichen Einfluß besaß. Der Oberlahn-Bereich wurde zusammen mit Usingen von den Nazis ab 1938 von ihrer Dienststelle am Odersbacher Weg 2 in Weilburg betreut.
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Auch der Nassauer Hof blieb von der Zerstörung nicht verschont. Rechts im Hintergrund sieht man den Limburger Dom.
Weltchronik 1945
Am 25.4. treffen sich sowjetische, amerikanische und britische Truppen bei Torgau an der Elbe. Hitler, Goebbels und Himmler begehen Selbstmord.
An der Konferenz von Jalta erörtern Churchill, Roosevelt und Stalin die Nachkriegspolitik gegenüber Deutschland.
Roosevelt stirbt an Gehirnblutung. Nachfolger als Präsident der USA wird Harry S. Truman.
Die deutschen Streitkräfte kapitulieren am 9. Mai bedingungslos.
Auf der Potsdamer Konferenz beschließen Truman, Churchill und Stalin, Deutschland in vier Zonen zu teilen. Berlin wird gemeinsam besetzt und verwaltet. Das Gebiet östlich der Neiße kommt unter polnische und sowjetische Verwaltung. Das Saarland bekommt eine eigene Verwaltung unter französischem Protektorat.
US-Bomber werfen zwei Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki (über 200.000 Tote). Japan kapituliert.
Benito Mussolini wird auf der Flucht von Partisanen erschossen.
Vor einem internationalen Militärtribunal beginnt in Nürnberg der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher.
Die UNO wird gegründet. 1. Generalsekretär wird Trygve Lie (Norwegen).
+ Käthe Kollwitz, deutsche Grafikerin, verstirbt.
+ Béla Bartók, ungarischer Komponist, verstirbt.
+ Anne Frank, Tochter eines jüdischen Bankiers, verstirbt im Lager Bergen-Belsen.
+ Franz Werfel, österreichischer Schriftsteller, verstirbt.
1946
Der Neuaufbau in den Kreisen begann
Nach Beendigung des Krieges waren dessen Auswirkungen auch im heimischen Raum zu spüren. Die Sorge um das nackte Überleben in einem verwüsteten, ausgebluteten Land war das beherrschende Thema in der Bevölkerung. Der Oberlahnkreis hatte das Glück, daß sich in dieser kritischen Zeit an seiner Spitze zwei Männer fanden, die einander verstanden und die beide Sachlichkeit, Energie und Improvisationstalent in sich vereinigten: der Chef der amerikanischen Militärkommandantur, Captain de Long, und der erste Nachkriegs-Landrat des Oberlahnkreises, der damalige Regierungsvizepräsident a. D. Albert Wagner. in wenigen Wochen entstand ein kreiseigenes Transportwesen einschließlich einer Kreisbahn aus dem im Kreis vorgefundenen Material der zusammengebrochenen Reichsbahn, innerdeutsche Import-Export-Verbindungen wurden auf Tauschbasis geschaffen, neue Rechtsformen wurden provisorisch gefunden, wo die bisherigen nicht mehr brauchbar waren, die Produktion angekurbelt, wo immer möglich. Von den rund 12 Millionen Flüchtlingen, die vom Osten her bei uns einströmten, mußten allein im Oberlahnkreis etwa 18.000 in wenigen Monaten untergebracht werden, nahezu die Hälfte der eingesessenen Bevölkerung. Auch der Kreis Limburg mußte viele tausend Flüchtlinge aufnehmen. Man mußte ihnen nicht nur ein Obdach geben, sondern sie mußten auf irgendeine Weise auch künftig ihren Lebensunterhalt verdienen. In Zusammenarbeit mit de Long und Wagner halfen die Bürgermeister bei den vielfältigen Problemen. Stellvertretend für alle seien hier die langjährigen Bürgermeister von Runkel (Robert Bärenfänger - 1946 bis 1967), Bissenbach (Karl Medenbach - 1945 bis 1970), Kubach (Otto Michel - 1945 - 1968) und Steeden (Emil Ax - 1945 bis 1967) genannt. Es begann der Neuaufbau der Verfassungen in Ländern, Kreisen und Gemeinden, der Versuch, über den Trümmern eine neue und dauerhaftere demokratische Ordnung aufzurichten. Mit dem Volksentscheid vom 1. Dezember 1946 wurde die Verfassung des Landes Hessen gebilligt.
Landrat Albert Wagner
Die Wiederherstellungsarbeiten an der Steinernen Brücke in Weiburg wurden erstmalig begonnenim Sommer 1945 durch provisorische Instandsetzung eines Brückenstegs über die im Wasser liegenden Brückenhäften, im Herbst 1945 fortgesetzt durch Aufbockung der Brückenhälften und Herstellung eines hölzernen Verbindungsstückes über die fehlende Brückenmitte, das im Frühjahr 1946 mit der auf der rechten Lahnseite aufgebockten Brückenhälfte durch das Hochwasser weggerissen wurde. Mit den Wiederaufbauarbeiten wurde dann im Herbst 1946 fortgefahren und dei Montagearbeiten Anfang November beendet. Die Brücke wurde am 12. November 1946 dem Verkehr wieder übergeben. Auf dem Bild erkennt man von links: Stadtrentmeister Schmidt, Bürgermeisterstellvertreter Hugo Eberhard, Bürgermeister Willi Heigel, Landrat Dr. Raue, den Vertreter der amerikanischen Militärregierung, den Dolmetscher, den Vertreter des Landrats Prokurist Ernst Strauß und den städtischen Betriebsleiter Ingenieur Bärthel.
Weltchonik 1946
Die KPD und die SPD werden in der sowjetischen Besatzungszone zwangsweise zur “Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands” (SED) vereinigt.
In den vier Besatzungszonen Deutschlands finden Gemeinderatswahlen statt, in der amerikanischen Zone zudem Landtagswahlen.
Der Nürnberger Prozeß endet mit Todesurteilen für die Hauptangeklagten (Bild).

Der Völkerbund löst sich auf.
In der sowjetischen Besatzungszone werden volkseigene Betriebe (VEB) eingerichtet.
Beginn der Carepaket-Aktion.
Churchill prägt den Begriff “Eiserner Vorhang”.
Beginn des 1. Indochina-Krieges (bis 1954).
Uraufführung des Dramas “Des Teufels General” von Carl Zuckmayer.
Literaturnobelpreis für den Deutschen Hermann Hesse.
+ Gerhart Hauptmann, deutscher Dichter, verstirbt.
+ Paul Linke, deutscher Komponist, verstirbt.
+ Heinrich Geörge, deutscher Schuspieler, verstirbt.
1947
Tod von Bischof Hilfrich
Im Spätherbst 1930 war der Landwirtssohn aus Lindenholzhausen und Stadtpfarrer in Wiesbaden, Dr. Antonius Hilfrich, neuer Bischof in Limburg geworden. Hilfrich war um die Jahrhundertwende Kaplan in Weilburg gewesen und hatte von 1902 bis 1911 das Bischöfliche Konvikt in Hadamar geleitet. Die dreißiger Jahre bringen den Konflikt mit dem Nationalsozialismus, der kirchliche Organisationen verbietet, Pfarrer bespitzeln und verhaften läßt. 1935, im Jahr des Limburger Domjubiläums, unterstrichen eindrucksvolle Kundgebungen der Gläubigen, daß es im Bistum noch Bereiche gab, die nicht vom NS-Geist infiziert waren. Hilfrich setzte sich für Verfolgte ein, protestierte gegen die Pressionen der Machthaber gegen die Kirche, gegen die Beschlagnahme und Enteignungen kirchlicher Einrichtungen. Bekannt war Hilfrichs Schreiben wegen der Tötung Kranker in Hadamar an den Reichsjustizminster im August 1941. Der Widerstand des Bischofs und anderer Geistlicher führte schließlich zum - vorübergenden - Stopp der Aktion. Hilfrich starb am 5. Februar 1947, nachdem er gesundheitlich wegen der Vorkommnisse im “Dritten Reich” stark angeschlagen war.
 Bischof Dr. Antonius Hilfrich
Der Laubmann von Langenbach
Der Brauch des Laubmannes, der in Langenbach schon lange beheimatet ist, hatte seinen Ursprung in vorchristlicher Zeit. An Pfingsten gehen die ältesten Schüler in den Wald und schlagen das Maiengrün zum Binden des Laubmannes, der immer vom ältesten Schüler des letzten Schuljahrgangs dargestellt wird. Um die Mittagszeit wird die dämonische Gestalt von den Jugendlichen und Erwachsenen im Wald gebunden. Wenn der Laubmann dann - von der Jugend in einem geschmückten Wagen gefahren - am Eingang des Dorfes erscheint, ist er mit einem großen spitzen Laubhut geschmückt und trägt in seinen Händen eine geringelte Birkenrute sowie einen Hut für Geldspenden. Schwerfällig tappt er durch die Dorfstraßen, ein mit frischen Blumen geschmücktes Birkenbäumchen und ein mit Papierblumen geschmücktes Tannenbäumchen mit sich führend. Während Frühlingslieder erklingen, werden Eier und Speck eingesammelt, wovon im Hause des ältesten Schulmädchens dann ein köstlicher Schmaus bereitet wird. Das gesammelte Geld wird unter dem Laubmann und den beiden Bäumchenträgern aufgeteilt. Der Brauch des Laubmannes, der den Sieg des Frühlings über den Winter symbolisiert, wurde nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten verboten. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte der Brauch wieder auf. Mit der Schließung der Dorfschule wurde er vom Kur- und Verkehsverein übernommen, und heute wird er vom Fanfarenzug aufrechterhalten.
Am Eingang des Dorfes haben sich Der Laubmann mit den beiden Bäum- chenträgern sowie die Schulkinder versammelt. Die Aufnahme entstand 1959 in Langenbach.
Weltchronik 1947
US-Außenminister George Marshall schlägt ein europäisches Wiederaufbauprogramm vor: US-Lieferung von Rohstoffen, Waren und Kapital, teils als Kredite, teils als Zuschüsse.
Der Staat Preußen wird durch Kontollratsgesetz aufgelöst.
Gegen den Widerstand der Juden und Araber wird Palästina in einen jüdischen und einen arabischen Teil gespalten.
Uraufführung von Wolfgang Borcherts “Draußen vor der Tür”.
Italien erhält einen Goldschatz von 25 Millionen Dollar zurück, der von der Fünften US-Armee in Norditalien gefunden worden war.
Der englische Vizekönig von Indien, Lord Moutbatten, verhandelt mit Nehru über die Unabhängigkeit Indiens.
Spanien wird zum Königreich erklärt.
Kronprinzessin Elisabeth heiratet den Herzog von Edinburgh, Philip, Marquis of Milford-Haven.
Erster automatisch gesteuerter Transatlantikflug.
Charles Yeager erreicht mit einem Düsenflugzeug erstmalig Sachllgeschwindigkeit (etwa 1700 km/h).
+ Max Planck, deutscher Physiker, verstirbt.
+ Al Capone, amerikanischer Bandenführer, verstirbt.
+ Henry Ford, amerikanischer Autofabrikant, verstirbt.
+ Hans Fallada, deutscher Schriftsteller, verstirbt.
+ Ricarda Huch, deutsche Schriftstellerin, verstirbt.
1948
Jäger für Dannhausen
Am 19. Juni 1948, einen Tag vor der Währungsreform in den “Westzonen”, der späteren Bundesrepublik, wählte der Kreistag in Limburg Eduard Jäger zum neuen Landrat. Jäger, der aus Ellenhausen/Unterwesterwald stammte, erheilt 28 von 32 Stimmen. Die CDU, deren Mitbegründer Jäger 1945 war, verfügte 1948 im Kreistag über 19 Sitze, die SPD über 11 und die LDP, Vorläufer der FDP, über 4 Mandate. Die LDP unterstützte damals den Ex-Landrat Dr. Karl Uerpmann, der 4 Stimmen erhalten hatte. Eduard Jäger, bei seiner Wahl 53 Jahre alt, war von 1930 - 33 Landessekretär der Nassauischen Zentrumspartei und seit 1945 Geschäftsführer des Kreisernährungsamtes in Limburg. Jäger löste den von der US-Besatzungsmacht am 16. April 1945 als Landrat eingesetzten und am 21. Juni 1946 vom Kreistag Limburg mit 21 zu 6 Stimmen bestätigten Walter Dannhausen (CDU) ab. Der damals 58jährige Landrat ging 1948 als Amts- und Landgerichtsrat zurück in den Justizdienst.
 Landrat Dannhausen Landrat Jäger
Bischof Dr. Ferdinand Dirichs, dessen Konsekration in Limburg am 21. November 1947 stattfand, erlitt am 27. Dezember 1948 auf der Autobahn bei Idstein einen tödlichen Unfall. Das Bild zeigt die Unfallstelle.
Weltchronik 1948
Die Sowjetunion beginnt eine Blockade Berlins, nachdem die westdeutsche D-Mark in West-Berlin eingeführt worden war. Die Versorgung der Bevölkerung erfolgt durch die US-Luftflotte.
Der Parlamentarische Rat arbeitet eine Verfassung für Westdeutschland aus.
Die Bildung eines Ost-Magistrats unter Oberbürgermeister Friedrich Ebert (SED) führt zur Spaltung Berlins.
Peter Goldmark erfindet die Langspielplatte.
Gründung der Freien Universität in West-Berlin.
In beiden Teilen Deutschlands finden Währungsreformen statt (Bild).
Alfred C. Kinsey veröffentlicht “Das sexuelle Verhalten des Mannes” (Kinsey-Report).
Erfindung des Transistorradios.
+ Franz Léhar, ungarischer Komponist, verstirbt.
+ Mahatma Gandhi, indischer Staasmann, wird ermordet.
+ Richard Tauber, österreichischer Tenor, verstirbt.
+ Karl Valentin, deutscher Komiker, verstirbt.
1949
Glasfachschule für den Nachwuchs in Hadamar
Im Kreis Limburg gehörten nach dem Zweiten Weltkrieg von insgesamt 40 Flüchtlingsbetrieben 1 der Glasindustrie an. Neben glasveredelnden Betrieben hatte auch ein ehemals sudentendeutsches Glashüttenwerk im Limburger Becken seine neue Heimat gefunden. Die aufstrebende Glasindustrie, deren Stellenwert im hessischen Wirtschaftsleben sich zunehmend verstärkte, mußte sich zwangsläufig um den Nachwuchs bemühen. Nach vielen Verhandlungen mit der Hessischen Landesregierung wurde schließlich in Hadamar 1949 die “Hessische Staatliche Glasfachschule” gegründet. Professor Max Tischer, einer der geistigen Väter der Schule, stammte aus dem Sudetenland und unterrichtete an den Glasfachschulen Haida und Steinschönau/Böhmen. Großen Anteil an der Errichtung der Schule hatten auch Professor Alexander Pohl sowie Dr. Walter Heinrich, der damalige Inhaber der Limburger Glashütte.
 Die Glasbläser benötigen viel Fingerspitzengefühl, um aus der Glasmasse die verschiedenen Produkte, wie Laborgläser, zu gestalten.
Die Glasgraveure geben den Gläsern den letzten Schliff.
Nach seiner Konsekration am 25. Juli 1949 zog Bischof Wilhalm Kempf (vorne links) durch die Limburger Altstadt.
Der erste Omnibus, ein Opel-Holzvergaser-Lkw mit Holzaufbau, wurde am 2. Januar von A. Hölzenbein in Dehrn in Betrieb gesetzt, der für ca. 35 Personen zugelassen war. Der Ein- stieg erfolgte auf der Rückseite über eine kleine Leiter.
Weltchronik 1949
(Vorläufige) Hauptstadt der neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland wird Bonn. Das (vorläufige) Grundgesetz für die Bundesrepublik tritt am 23. Mai in Kraft.
Die USA, Kanada und 10 westeuropäische Staaten gründen die NATO.
Wahlen zum Bundestag: Erster Bundeskanzler wird Konrad Adenauer (CDU), erster Bundespräsident Theodor Heuss. (FDP) Oppositionsführer ist Kurt Schumacher (SPD). (Bild: Erstes Kabinett).

Die Deutsche Demokratische Republik wird gegründet. Staatspräsident ist Wilhelm Pieck, Ministerpräsident Otto Grotewohl. Ost-Berlin wird Hauptstadt.
Die Berliner Blockade wird aufgehoben.
Proklamation der Volksrepublik China.
Erstausgabe des Romans “1984” von George Orwell.
Uraufführung des Films “Der dritte Mann” von Carol Reed.
+ Richard Strauß, deutscher Komponist, verstirbt.
+ Friedrich Bergius, deutscher Chemiker, verstirbt.
1950
Unterhalb der halbseitig wiederaufgebauten Autobahnbrücke bei Limburg wird auf der Lahn eine Ruderregatta ausgetragen.
Nicht nur Pferde und Kühe wurden vor den Wagen gespannt. Die seltene Aufnahme zeigt Metzger August Rosbach aus Villmar beim Kleeholen. Man sieht ihn hier mit den beiden “Bellos” in der Weilburger Straße in Villmar. Links erkennt man ein Fenster der Synagoge.
Junge legte Axt an Weihnachtsbaum
Einen Streich leistete sich ein Zwölfjähriger in Camberg, als er die Axt an den auf dem Marktplatz stehenden Weihnachtsbaum legte und in eine Seitengasse schleppte. Die Polizei mußte das Hindernis wegräumen.
Sturz vom Pferd und im Schuppen
Beim Sturz vom Pferd zog sich in Offheim ein Bauer schwere Kopfverletzungen zu. Ebenfalls schwer verletzt wurde ein Landwirt, der in seinem Schuppen stürzte.
Weltchronik 1950
Die USA, Großbritannien und Frankreich erkennen die Regierung der Bundesrepublik als einzige freie gesetzlich konstituierte Regierung an.
Die DDR erkennt die Oder-Neiße-Linie als Grenze gegen Polen an.
In der Bundesrepublik wird die Lebensmittelrationierung aufgehoben.
Der einköpfige schwarze Adler wird Bundeswappen.
Der französische Außenminister Robert Schumann schlägt einen gemeinsamen Markt für Kohle, Eisen und Stahl für 50 Jahre vor. (Schumann-Plan).
Ausbruch des Koreakrieges: Nordkoreanische Truppen überschreiten die Granze nach Südkorea (38. Breitengrad).
Deutsches Müttergenesungswerk gegründet.
Deutscher Sportbund (DSB) gegründet.
Uraufführung der Filme “ Der Reigen” von Max Ophüls und “Orphée” von Jean Cocteau.
Sowjetisch-chinesischer Freundschaftsvertrag.
+ Vaclaw Nijinski, russischer Tänzer, verstirbt.
+ Kurt Weill, deutscher Komponist, verstirbt.
+ Georg Bernhard Shaw, irischer Dramatiker, verstirbt.
+ Emil Jannings, deutscher Schauspieler, verstirbt.
+ Heinrich Mann, deutscher Schriftsteller, verstirbt.
+ Hedwig Courths-Maler, deutsche Schriftstellerin, verstirbt.
+ Max Beckmann, deutscher Maler, verstirbt.
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