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Historie Teil 7

1951

 

Limburg: Große Hockey-Erfolge mit dem
“Spazierstock”

 

Die Aufnahme zeigt die Mannschaft, die sich 1951/52 die Hessenmeisterschaft
und damit die Qualifikation zur Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft
sicherte. Stehend von links: Reinhold Motz, Charly Kraft, Dr. Erich Ludwig,
Horst Lohberg, Willi Acht, Karl Poetz, Rolf Nietzsche, Ludwig Collée, Otto Reuss,
Günther Granjean.
Hockend von links: Albert Collée, Karl-Heinz Schulze, Hans Rosenbauer.

 

Seit Oktober 1923, als der Limburger Hockey-Club gegründet wurde, frönt man in der Kreisstadt dem Spiel mit dem aus Leder oder Kunststoff bestehenden Vollball und den am unteren Ende gekrümmten Stöcken. Die Reihe seiner Titelgewinne ist lang, was den Verein über die Grenzen seiner Heimat bekannt machte.
Der aufstrebende Hockey-Club ereichte bereits 1938 die Zwischenrunde zur Deutschen Meisterschaft. In dieser Zeit feierte auch die Jugendmannschaft große Erfolge mit dem Gewinn der Gebietsmeisterschaft.
In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1959 sicherte sich die Herrenmannschaft neunmal den Titel eines Hessenmeisters. 1984 glang dem Verein, der heute etwa 500 Mitglieder zählt, mit der Erringung der Deutschen Meisterschaft auf dem Feld und in der Halle der große Wurf.
In den letzten Jahren schafften auch einige Spieler den Sprung in die Nationalmannschaft und vertraten den Hockey-Club international. Sogar der jetzige Bundestrainer Klaus Kleiter stammt aus dem Limburger Verein.

 

 

Das Bild entstand 1951 vor der alten Dorfkirche in Staffel, die 1963 umgebaut
wurde, und zeigt die Einholung der Glocke. Im gleichen Jahr wurde eine zweite
Glocke bei der Firma Rincker in Auftrag gegeben, die folgende Inschrift trug:
“Oh Land, Land, Land, höre des Herren Wort”. Die Kosten für die neue Glocke
wurden durch eine Sammlung aufgebracht, bei der freudig und reichlich ge-
spendet wurde.
Man erkennt auf dem Bild hinten von links: Organist Julius Schmidt, Pfarrer
Otto Fuchs, Lehrer und Kirchenvorsteher Helmut Foermer, auf dem Wagen
Landwirt Theodor Weimar, Lehrer Fritz Reisch (ganz rechts) sowie die Mädchen
der Volksschule Staffel.

 

 

 

Weltchronik 1951

  • Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Montanunion)
  • Die Bundesrepublik wird gleichberechtigtes Mitglied im Europarat.
  • Das Bundesland Baden-Württemberg entsteht durch Volksabstimmung.
  • Präsident Truman läßt US-General MacArthur als Oberkommandierenden im Korea-Krieg ablösen, um eine Ausschweifung des Krieges zu verhindern (Bild).
  • In Karlsruhe beginnt das Bundesverfassungsgericht mit seiner Arbeit.
  • In der Bundesrepublik wird ein ständiges Fernsehprogramm ausgestrahlt.
  • Erstausgabe von “Verdammt in alle Ewigkeit” von James Jones.
  • Kinos, in denen der Film “Die Sünderin” von Willy Forst mit der unbekleideten Hildegard Knef läuft, werden verbarrikadiert.
  • + Ferdinand Sauerbruch, deutscher Arzt, verstirbt.
  • + Ferdinand Porsche, deutscher Autokonstukteur, verstirbt.

 

 

 

 

1952

 

Seit vielen Jahren Bürgermeister von Villmar

Als Hubert Aumüller am 1. Juni 1952 ehrenamtlicher Bürgermeister der früheren selbständigen Gemeinde Villmar wurde, war er der jüngste Vertreter seines Standes in Hessen.


Hubert Aumüller

Bereits am 1. April 1942 trat er in den Dienst der Gemeindeverwaltung seines Heimatortes ein, der nur durch den Fronteinsatz und die englische Kriegsgefangenschaft unterbrochen wurde.
Zum 1. November 1960 wurde er hauptamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Villmar und am 16. Dezember 1976 auf die Dauer von 12 Jahren wiedergewählt. Heute ist Aumüller der dienstälteste Bürgermeister im Landkreis Limburg-Weilburg und mit großer Wahrscheinlichkeit auch in Hessen.
Hubert Aumüller hat maßgeblichen Anteil am freiwilligen Zusammenschluß der frühren Gemeinden Aumenau, Falkenbach, Langhecke, Seelbach und Weyer zur Großgemeinde Villmar.

 

 

Neue “Schuhe” für das Pferd

Wie in Niederbrechen, wo Heinrich Ewald eine Schmiede betrieb, wurde der Beruf des Schmieds in fast allen Gemeinden unserer Heimat ausgeübt. Da die schweren Ackerpferde, treue Diener des Bauern bei der Feldarbeit, mit der Zeit von PS-starken Traktoren verdrängt wurden, verlor die Schmiede mehr und mehr an Bedeutung.
Noch in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg vernahm man aus der Dorfschmiede den hellen Klang des Ambosses, sah man den aufsteigenden Rauch über dem vom Blasebalg angefachten Schmiedefeuer. Vor der Schmiede wurden die Pferde beschlagen und die eisernen Reifen auf das Rad des Fuhrwerks aufgezogen. Das vertraute “ping-ping” aus der Dorfschmiede ist inzwischen verstummt. Einen Amboß kennen viele nur noch vom Hörensagen oder können ihn im Museum bewundern.



Vor der Schmiede von Heinrich Ewald in Niederbrechen werden nach getaner
Arbeit die “Pferdeäpfel” aufgelesen.

 

 

Das Schilfrohr, das hier an der Lahn bei Limburg
geerntet wird, wächst hautsächlich in der Verlandungs-
zone von stehenden oder langsam ließenden Gewässern
und erreicht nicht selten eine Höhe bis zu vier Metern.
Man verwendet das Schilfrohr zur Herstellung von Matten
und Geflechten, als Wandbelag (für Wärmeschutz) und zum
Dachdecken. Oft wird es auch als Uferschutz und zur Land-
gewinnung kultiviert. die Aufnahme entstand im März 1952.

 

 

 

Weltchronik 1952

  • Bundespräsident Heuss erklärt die dritte Strophe des Deutschlandliedes zur Nationalhymne.
  • Im Deutschlandvertrag wird der Besatzungsstatus aufgehoben.
  • Nach dem Tod von Kurt Schumacher wird Erich Ollenhauer Vorsitzender der SPD.
  • Helgoland, seit Kriegsende Bombenziel der britischen Luftwaffe, wird wieder in deutsche Verwaltung übernommen.
  • Die DDR unterbricht die Telefonverbindungen zwischen Ost- und Westberlin.
  • Deutschland schließt mit Israel ein Wiedergutmachungsabkommen.
  • In Ägypten wird König Faruk von Offizieren gestürzt.
  • Georg VI., König von Großbritannien, stirbt. Nachfolger wird seine Tochter, Elisabeth II.
  • Zündung der ersten amerikanischen Wasserstoff-Bombe auf Eniwetok (Pazifik).
  • König Tatal von Jordanien wird durch das Militär zum Thronverzicht gezwungen. Nachfolger wird sein Sohn Hussein.
  • Albert Schweitzer erhält den Friedensnobelpreis.
  • Anti-Baby-Pille entwickelt.
  • Der Student Philipp Müller wird während einer Denmonstration gegen die Remilitarisierung erschossen.
  • + Evita Peron, argentinsiche Politikerin, verstirbt.
  • + Chaim Weizmann, israelischer Politiker verstirbt.

 

 

 

 

1953

 

Der letzte Herzog von Nassau kehrte heim

Die sterblichen Überreste des letzten regierenden Herzogs von Nassau, Großherzog Adolph von Luxemburg, wurde am 20. Oktober 1953 in der Fürstengruft der Weilburger Schloßkirche beigesetzt.
1866 hatte der Herzog sein Land verlassen müssen, war von 1890 bis 1905 Großherzog von Luxemburg und wurde nach seinem Tode zunächst auf Schloß Hohenburg im bayerischen Lenggries beigesetzt.
An der Feier in der Schloßkirche nahmen Großherzog Jean (damals war er noch Erbgroßherzog) sowie hohe politische Vertreter von Luxemburg teil. Die Weilburger Bürgergarde hielt Wache am Katafalk.
Zum Todestag von Großherzog Adolph - dem 17. November - wird jährlich die Fürstengruft, wo 28 Särge nassauischer und luxemburgischer Herrscher aneinandergereiht sind, zur Besichtigung


20. Oktober 1953: Beisetzung Großherzog Adolphs in der Schloßkirche zu
Weilburg in Anwesenheit von Erbgoßherzog Jean (dem heutigen Großherzog)
und seinen Geschwistern.

 

 

Folgenschweres Unglück bei Oberbrechen

Einen Toten und drei Verletzte forderte ein tragisches Unglück am gestrigen Dienstag, dem 13. Mai, gegen acht Uhr, als zwischen Oberbrechen und Niederselters eine Lokomotive mit einem anhängenden Tunnel-Meßwagen etwa acht Meter tief den Abhang hinunter in den Emsbach stürzte.
Die Leiche des 38 Jahre alten Lokführers Paul Forstbach aus Limburg konnte erst am Abend geborgen werden. Schwer verletzt wurden die drei Heizer Litte, Schlosser (beide aus Limburg) und Gasteier (Elz). Bisher war es unmöglich, die Lok 93742 und den Meßwagen vollständig zu heben. Aus Frankfurt wurde zwar ein Bergungszug mit Hebekran geordert, der allerdings nur ein Gewicht von 65 Tonnen bewältigen konnte. Allein die verunglückte Lokomotive wog 90 Tonnen. Als Unglücksursache vermutete der Vorstand des Eisenbahnbetriebsamtes, Reichsbahnrat Moritz, daß der Rottenführer des zur gleichen Zeit mit Ausbesserungsarbeiten beschäftigten Bautrupps vor der Sperrung des Gleises eine Schiene hatte ausheben lassen.

 

Zwischen Oberbrechen und Nieder-
selters stürzte die Lokomotive samt
Meßwagen in den Emsbach.

 

 

 

 

Weltchronik 1953

  • Bundeskanzler Adenauer bildet nach der Bundestagswahl eine Koalitionsregierung aus allen Parteien mit Ausnahme der SPD.
  • Waffenstillstand im Koreakrieg.
  • Dwight D. Eisenhower wird der erste republikanische Präsident der USA seit 20 Jahren.
  • Der Volksaufstand am 17. Juni in der DDR schlagen sowjetische Truppen nieder. Es folgen Massenverhaftungen, Standgerichte, Erschießungen und eine starke Fluchtbewegung in die Bundesrepublik.
  • Der Neuseeländer E. P. Hillary und der Sherpa B. Tensing ersteigen den Mount Everest, den höchsten Berg der Erde (8848 m).
  • Uraufführung des ersten Cinemascopefilms “Das Gewand”.
  • Die UdSSR zündet ihre erste Wasserstoff-Bombe.
  • Auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt wird der Messerschmitt-Kabinenroller vorgestellt. Er hat 175 Kubik, fährt 75 Stundenkilometer und kostet 2.375 DM.
  • Hermann Buhl, Innsbrucker Bergsteiger, bezwingt als erster den Nanga Parbat im Alleingang (8125 m).
  • + Queen Mary, Königin von England, verstirbt.
  • + Ernst Reuter, deutscher Politiker, verstirbt.
  • + Eduard Künneke, deutscher Operettenkomponist, vertstirbt.
  • + Sergej Prokofieff, russischer Komponist, verstirbt.
  • + Ibn Saud, Gründer des saudiarabischen Königreiches, verstirbt.

 

 

 

 

1954

 

Mit dem Rollschiff über die Lahn ins Odersbacher Feld

Das “Rollschiff”,1691 erstmalig eingesetzt, das oberhalb des Moserschen Wehres die Verbindung zwischen dem “Bangert” und dem Odersbacher Feld herstellt, wurde früher einmal von einem weiblichen “Kapitän” hin und her gezogen. “Rollbine” nannte sie jedermann.
Weil sie schön rundlich war, waren die Weiburger auf den Namen “Rollmops” gekommen. Oft riefen sie der “Bine” diesen von ihr nicht gern gehörten Namen zu, wenn sie gerade am anderen Lahnufer mit dem Rollschiff wartete und die Lausbuben daher vor ihr sicher waren. Sie hatten dann eine diebische Freude, wenn sie sich darüber ärgerte.
Als die Buben wieder einmal ihr übermütiges Spiel mit ihr trieben, kam die Bine zum Bangertufer herüber und bot den Überraschten an, sie einmal umsonst hin und her zu fahren. Völlig arglos stürmten die Buben ins Rollschiff. Als die Bine mit kräftigen Zügen an dem über die Lahn führenden Drahtseil die Mitte des Flusses erreicht hatte, polterte sie los, und rechts und links klatschten Ohrfeigen. Nach dem Strafgericht legte sie am anderen Ufer an, die Buben verließen fluchtartig den heimtückischen Kahn und trollten sich übers Odersbacher Feld nach Hause. Der festgesetzte Preis für eine Überfahrt mit dem Rollschiff betrug in der “guten alten Zeit” zwei Pfennig. Einige Weilburger Jungen opferten gern einige Pfennige ihres schmalen Taschengeldes, um die verschiedenen Abstufungen des Dankes zu erleben, welche die Rollbine je nach Höhe des ihr zufallenden Trinkgeldes bereit hatte. Die obligaten zwei Pfennig für die Überfahrt quittierte sie nur mit einem “Danke”. Drei Pfennig nahm sie mit einem “Danke schee” entgegen. Mit einem “Danke recht schee” steckte die Bine den doppelten Fahrpreis ein.
Dann kam der Höhepunkt: fünf Pfennig wechselten den Besitzer, und mit strahlendem Gesicht sagte Bine: “Ich danke Ihne recht herzlich, scheener junger Herr!”

 



Die Aufnahme von 1954 zeigt den
Fährmann Bernhardt, der mit dem
Rollschiff übersetzt.

 

Stolz zeigt sich der kleine Junge auf dem Kuhfuhrwerk in Wirbelau.

 

 

 

Weltchronik 1954

  • Theodor Heuss wird zum zweitenmal Bundespräsident.
  • Die Produktion in der Bundesrepublik hat sich im Vergleich zu 1936 verdoppelt (“Wirtschaftswunder”).
  • Die UdSSR erkennt die Souveränität der DDR an.
  • Das erste elekronische Rechengehirn wird in New York der Öffentlichkeit präsentiert.
  • Beginn des Algerienkrieges.
  • Vietnam wird am 17. Breitengrad geteilt.
  • Durch den 3 : 2 Erfolg über Ungarn wird die Fußball-Nationalmannschaft der Bundesrepublik Deutschland in Bern Weltmeister (Bild).
  • Die Deutsche Lufthansa AG wird neugegründet.
  • Ernest Hemmingway (USA) erhält den Literatur-Nobelpreis.
  • Pius X. wird als 78. Papst heiliggesprochen.
  • + Wilhelm Furtwängler, deutscher Dirigent, verstirbt.
  • + Auguste Lumière, fanzösischer Filmpionier, verstirbt.

 

 

 

 

1955

 

Das Ende für Jolathe

 

Die Bauern aus dem Limburger Umland haben ihr Vieh zum Schlachthof in die
Kreisstadt gebracht. Hier wird dann auch über den Preis verhandelt.

 

Für viele Schweine ist die Zeit um Weihnachten alles andere als friedlich und besinnlich. Die Hausschlachtung hat Hochkonjunktur und für “Jolanthe” das letzte Stündlein geschlagen. Wenn die notwendigen Vorbereitungen getroffen, die Formalitäten erfüllt sind und auch der Fleischbeschauer sein “Jawort” gegeben hat, kann das eigentliche Schlachtfest beginnen.
Der Schußapparat macht dem Borstenvieh ein schnelles Ende. Das in einem geräumigen Trog liegende Schwein wird abgebrüht, damit die Borsten leichter entfernt werden können. Nach der “Rasur” hängen kräftige Männer das Schwein an den Haken. Bevor Jolanthe zerlegt wird, nimmt sie der Fleischbeschauer nochmals unter die Lupe.
Für das Mittagessen wird zunächst das Wellfleisch, die Hauptsache für die Schlachtfestteilnehmer, zurechtgeschnitten.
Am Nachmittag werden viele fleißige Hände zur Vorbereitung der Wurstherstellung benötigt. Ist das “Wurstfüllsel” eingeweckt und sind durch gründliche Säuberung die letzten Spuren vom “gewaltsamen” Ende von Jolanthe beseitigt, kann am Abend das eigentliche Schlachtfest mit der beliebten “Metzelsuppe” beginnen.

 


Mehrere Generationen haben sich in Dauborn zu einem geselligen Nachmittag eingefunden.

 

 

 

 

 

Weltchronik 1955

  • Die Pariser Verträge treten in Kraft: Die Bundesrepublik Deutschland wird als souveränder Staat in die NATO aufgenommen.
  • Der Warschauer Militärpakt wird geschlossen.
  • Adenauer unternimmt einen Staatsbesuch nach Moskau (Bild).
  • Der UdSSR gelingt der erste Abwurf einer H-Bombe von einem Flugzeug.
  • Anthony Eden wird britischer Premierminister.
  • Kunstausstellung “ducumenta” in Kassel
  • Maria Schell und O. W. Fischer erhalten als beliebteste Schauspieler den “Bambi”.
  • Uraufführung des Schuspiels “Die Katzte auf dem heißen Blechdach” von Tennesse Williams.
  • Siegfried Lenz schreibt “So zärtlich war Suleyken”.
  • + Thomas Mann, deutscher Schriftsteller, verstirbt.
  • + Albert Einstein, deutscher Physiker, verstirbt.
  • + Alexander Fleming, englischer Bakteriologe, verstirbt.
  • + James Dean, amerikanischer Schauspieler, verstirbt.

 

 

 

 

1956

 

Mit dem Schiff durch den Tunnel

Eine für damalige Verhältnisse große Leistung vollbrachten Mitte des vorigen Jahrhunderts diejenigen Männer, die in Weilburg den Schiffahrtstunnel bauten. Um die lange Flußschleife und das Wehr zu umgehen, begann man 1847 mit dem Durchbruch durch den Lahnfelsen. Es entstand ein 160 Meter langer Schiffahrtstunnel, der auch heute noch seinesgleichen sucht. Während er in der Vergangenheit für die Transportkäne von großer Bedeutung war, wird er heute nur noch von Wassersportlern und -wanderern genutzt, für die die Durchfahrt durch den dunklen Kanal ein einmaliges Erlebnis darstellt. Die Schleuse am Ende des Schiffahrtstunnels, die heute selbst betätigt werden muß, gibt die Paddler und Kanuten wieder frei.

 

 

Wirtschaftswunder auch an der Lahn

Einen weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit im Bezirk Limburg-Oberlahn meldet der Arbeitsmarktbericht für den Monat August. Bei der Hauptstelle des Arbeitsamtes in Limburg waren am Ende des vorgenannten Monats 180 Männer und 296 Frauen und bei der Nebenstelle Weilburg 290 Männer und 473 Frauen als arbeitslos gemeldet. Wir haben es mit 1239 Erwerbslosen im gesamten Arbeitsamtsbezirk zu tun.
Aus den vorstehenden Angaben des Arbeitsamtes geht deutlich hervor, daß die Zahl der arbeitslosen Frauen die der Männer beträchtlich übersteigt. Es dürfte in diesem Zusammenhang auch von Interesse sein, daß 75 Prozent der beim Arbeitsamt gemeldeten und Arbeitslosenunterstützung beziehenden Frauen verheiratet sind. Eine Auszählung der Arbeitnehmer im Bezirk Limburg-Oberlahn am 30. August 1956 hat ergeben, daß von 42.034 Arbeitnehmern 10.670 oder 25 Prozent Frauen sind. Am gleichen Stichtag 1949 waren von 37.217 Beschäftigten nur 8.283 oder 22 Prozent Frauen...
Was die Zahl der noch registrierten arbeitslosen Männer anlangt, so handelt es sich hier mit wenigen Ausnahmen um solche Arbeitnehmer, deren Leistungsfähigkeit infolge Alters bzw. schlechten Gesundheitszustandes wesentlich beeinträchtigt ist. Somit verbleibt nach wie vor ein hoher Kräftebedarf. In der männlichen Ermittlungsabteilung werden noch 260 Arbeitskräfte gesucht. Die meisten offenen Stellen kommen aus dem Baugewerbe.
Auch der Wirtschaftszweig Steine und Erden sowie das Metallgewerbe haben noch einen verhältnismäßig hohen Bedarf an Arbeitskräften.

Auszug aus dem Weilburger Tageblatt 5. September 1956

 

 

Bei den Lehmigen Witterungsböden wurden natürlich die Bauernwagen und
die Ackergeräte recht schmutzig. Wenn die Feldarbeit im Spätherbst beendet
war, mußten die verschiedenen Geräte, Hand- und Bauernwagen, die von
Pferden oder Kühen gezogen wurden, gründlich gereinigt werden. Was lang
näher, als sie im fließenden Wasser des Baches zu säubern? Trocken wurden
sie von selbst.
Die Aufnahme von Ende Oktober 1956 vermittelt uns einen Eindruck davon.
Josef Keul-Heun aus Ellar führte vor Einbruch des Winters die beschriebene
Generalreinigung seiner Gerätschaften im Lasterbach durch. Es ist eine der
letzten Aufnahmen des alten Bachbettes vor der Regulierung, die unterhalb
der Brücke schon im Vorjahr begonnen hatte.

 

 

 

Weltchronik 1956

  • Aufbau der Bundeswehr im Rahmen der NATO unter Verteidigungsminister Franz Josef Strauß (CSU).
  • Das Bundesverfassungsgericht verbietet die KPD.
  • Der Aufstand in Ungarn wird von sowjetischen Truppen niedergeschlagen.
  • Die DDR beschließt den Aufbau einer Nationalen Volksarmee und tritt dem Warschauer Pakt bei.
  • Zwischen Europa und den USA wird das erste Transatlantik-Fernsprechkabel in Betrieb genommen.
  • Der Fürst von Monaco, Rainier, heiratet den amerikanischen Filmstar Grace Kelly.
  • 200 Seemeilen vor dem Zielafen New York sinkt die “Andrea Doria” nach Kollision mit einem Dampfer. 1692 Passagiere können gerettet werden, 50 kommen ums Leben.
  • Uraufführung des Schauspiels “Besuch der alten Dame” von Friedrich Dürrenmatt und des Films “Baby Doll” von Elia Kazan.
  • Der Argentinier Juan Manuel Fangio wird zum viertenmal hintereinander Autobilweltmeister.
  • In deutschen Tanzschulen lehrt man nun auch Rock ´n´ Roll und Boogie.
  • + Emil Nolde, deutscher Maler, verstirbt.
  • + Bertolt Brecht, deutscher Schriftsteller, verstirbt.
  • + Gottfried Benn, deutscher Arzt und Lyriker, verstirbt.

 

 

 

 

1957

 


Moderne Maschinen halten ihren unaufhaltsamen Einzug in die heimische
Landwirtschaft. Das Pferd vor dem Pflug, jahrhundertelang ein Symbol
bäuerlichen Handwerks, hat bald ausgedient.

 


In der Küferei, wie hier in Limburg, werden Bottiche und Fässer hergestellt.
Eisenreifen halten die Holzplanken zusammen und geben dem Gefäß die Form.

 

 


Auf einer Wahlkampfreise machten Willy Brandt (links) und Klaus Schütz
(rechts) auch eine Stippvisite in Staffel, wo sie mit einem Hubschrauber auf
dem Sportplatz landeten und von Bürgermeister Winand Hendriks (Mitte)
begrüßt wurden.

 

 

 

Weltchronik 1957

  • Das Saarland wird Bundesland der Bundesrepublik Deutschland.
  • Willy Brandt wird Regierender Bürgermeister von Berllin.
  • Konrad Adenauer wird erneut zum Bundeskanzler gewählt.
  • Verträge über die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Kernenergiegemeinschaft (Euratom) treten in Kraft (Bild: Vertragsunterzeichnung in Rom).
  • Der Suez-Kanal wird wieder freigegeben.
  • In der Sowjetunion werden die beiden ersten künstlichen Erdsatelliten (Sputnik I und II) gestartet.
  • Das Segelschulschiff “Pamir” sinkt in einem schweren Orkan.
  • Der deutsche Ingenieur Wankel erfindet den Drehkolbenmotor.
  • + Jan Sibelius, finnischer Komponist, verstirbt.
  • + Humphrey Bogart, amerikanischer Schauspieler, verstirbt.
  • + Alfred Döblin, deutscher Schriftsteller, verstirbt.
  • + Arturo Toscanini, italienischer Dirigent, verstirbt.

 

 

 

 

1958

 

Beispiel für ein vereintes Europa

 


Im Schlosshof in Weilburg trafen sich Deutsche und Franzosen im Mai 1958
zur Verschwisterungsfeier der Partnerschaft zwischen Weilburg und Privas.
Auf dem Bild erkennt man Albert Wagner (stehend, zweiter von links) und
den Weilburger Bürgermeister Rudolf Lehmann (stehend, sechster von links).

 

Als Mitte der fünfziger Jahre der Kreisverband Oberlahn der Europa-Union eine Partnerschaft mit einer französischen Stadt anregte, fand man in Privas, der Hauptstadt des Departements Ardèche, ein offenes Ohr. Nachdem man sich gegenseitig mehrmals beschnuppert hatte, traf man sich in Weilburg, um die Verschwisterung zu besiegeln. Am 26. Mai 1958 unterzeichneten die beiden Bürgermeister Gounon und Lehmann die Urkunde.
Schon wenige Jahre später erhielt die Städtepartnerschaft Zuwachs. In der zwischen Mailand und Genua gelegenn italienischen Stadt Tortona wurde am 7. Juni 1964 in Anwesenheit von Delegationen aus Privas und Weilburg deren Aufnahme gefeiert.
Das Dreigestirn war auf den Geschmack gekommen. Die an der deutsch-niederländischen Grenze gelegene Stadt Zevanaar vervollständigte schließlich das Modell eines geeinten Europas zu einem Quartett.
Die gegenseitigen Besuche und Treffen beschränkten sich nicht nur auf offizielle Delegationen, sondern ein regelmäßiger Schüleraustausch sowie Verein und Verbände belebten und festigten die Partnerschaft.
Auch andere Städte und Gemeinden des Kreises pflegten Partnerschaften. Stellvertretend für viele sei hier die Kreisstadt Limburg genannt, die seit Jahren mit Ste.-Foy de Lyon verbunden ist.

 

In der Karwoche schwiegen von Gründonnerstag bis Karsamstag die Kirchen-
glocken. Im Volksmund hieß es dann: “Sie fliegen nach Rom, um geseget zu
werden”. Die Stille soll die Trauer um den Tod des Erlösers versinnbildlichen.
Nach jahrhundertealtem Brauch zogen die Buben des letzten oder zweitletzten
Schuljahrs mit ihren Klappern durch die Dörfer und sangen mit rauhen Kehlen
“In die Kirch zum ersten Mal wir klappern ...” Die Aufnahme der Ellarer Klapper-
buben von 1958 zeigt von links nach rechts: Bernd Borbonus, Helmut Jost, Rudi
Schneider, dahinter Monika Lorenz geb. Staudt und Hans-Georg Reichwein,
vorne Günther Heep, dann Werner Reichwein und Rainer Neubauer.

 

 

 

Weltchronik 1958

  • Die Bundesrepublik Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, die Benelux-Staaten und die Schweiz erklären ihre Währung für konvertierbar.
  • Mit dem Treffen Adenauer - de Gaulle in Frankreich beginnt die deutsch-französische Verständigung.
  • Chruschtschow steht als Ministerpräsident und Erster Parteisekretät unangefochten an der Spitze von Staat und Partei.
  • In Straßburg wird das Europäische Parlament gegründet.
  • Eisenhower unterzeichnet ein Gesetz, das Alaska zum 49. Bundesstaat der USA macht.
  • Die USA starten ihren ersten Satelliten mit Hilfe einer Jupiter-Rakete.
  • Erster erfolgreicher Test der neuen amerikanischen U-Boot-Rakete Polaris (Reichweite 2700 Kilometer).
  • Eine neuseeländische Expedition unter Sir Edmund Hillary erreicht nach einem 82tägigen Marsch über fast 2000 Kilometer den Südpol.
  • In seinem Film “Die Enttäuschten” leitet Claude Chabrol in Frankreich die “Neue Welle” ein.
  • Das “Atomium” wird entwickelt.
    Die Stereo-Schallplatte wird entwickelt.
  • + Olaf Gulbrandsson, norwegischer Zeichner und Maler, verstirbt.
  • + Lion Feuchtwanger, deutscher Schriftsteller, verstirbt.

 

 

 

 

1959

 

Runkel feierte 800. Geburtstag

Vom 22. bis 31. August 1959 feierte Runkel seinen 800. Geburtstag. Höhepunkt waren ein Festakt in der evangelischen Kirche, das Festspiel “Die Herren von Runkel” auf dem Schloßplatz und ein historischer Festzug in dreißig Bildern, dessen Gruppen Runkeler Heimatgeschichte darstellten.

Diese Runkeler Bürger stellten beim Festzug einen fränkischen Militärposten
um 500 n. Chr. dar. Schon damals hatte die zwischen den beiden Felsen lieg-
ende Furt eine große Bedeutung. Fränkische Soldaten schützten im Kampf
um den Ausbau des Frankenreiches die Lahndurchfahrt, die an einem ihrer
lebenswichtigen Verkehrswege vom Kernland zu den neu eroberten hessisch-
thüringischen Gebieten lag.
Stehend von links: Horst Köke, Kurt Müller, Walter Hemming, Fritz Gebhardt
und Gerhard Rompel.
Sitzend von links: Paul Hemming und Horst Schmidt.

 

Eleonore und Franz Höhler in ihrem Schreibwarengeschäft in der
Brunnenstraße in Niederselters. “Tante Emma” hatte in ihrem Laden
Hochkonjunktur, denn es gab wieder alles zu kaufen, was die Leute
brauchten, und die Supermärkte ware noch fern.

 

 

 

Weltchronik 1959

  • In Kuba stürzt Fidel Castro die Regierung Bastiá.
  • Im Godesberger Programm verzichtet die SPD auf die marxistische Ideologie.
  • Heinrich Lübke (CDU) wird Bundespräsident.
  • Chruschtschow und Eisenhower treffen sich in New York (Bild)
  • Erzbischof Makarios kehrt nach dreijähriger Verbannung nach Zypern zurück.
  • Die UdSSR schickt eine Rakete mit zwei Affen in den Weltraum.
  • Die USA empfangen Radarechos von der Venus.
  • Erstmalig werden Sammlungen für “Brot für die Welt” durchgeführt.
  • Erstausgabe des Romans “Die Blechtrommel” von Günter Graß erscheint.
  • Uraufführung der Filme “Hiroshima, mon amour” von Alain Resnais und “Unser Mann in Havanna” von Carol Reed.
  • + Rudolf Caracciola, deutscher Autorennfahrer, verstirbt.
  • + Mario Lanza, italienisch-amerikanischer Tenor, verstirbt.
  • + John Foster Dulies, Außenminister der USA, verstirbt.

 

 

 

 

1960

 

Idyllisch liegt das Freibad am Fuße des Limburger Doms.
1960 zeigten sich die jungen Damen auch hierzulande schon
im Bikini.

 

 

In den 1880er Jahren kamen sogenannte “Ablaßgewinner” auf. Das waren die ersten Handdreschmaschinen, bei denen ein großes Schwungrad an der Seite zu drehen war. Schon in den 1890er Jahren betrieben Georg und Wilhelm Ruckes aus Ellar mit einem solchen “Ablaßgewinner” auf einem Wagen eine Art Lohndrescherei. Diese Handdreschmaschinen wurden auch hier und da durch ein Göpelwerk angetrieben, das von Pferden oder Kühen in Bewegung gesetzt wurde. Die seltene Aufnahme zeigt Johann Jost aus Ellar mit einem Ablaßgewinner im Jahre 1960.
Nach 1900 kamen die ersten Dampfdreschmaschinen auf, die von einer fauchenden Dampfmaschine angetrieben wurden. 1905 bildete sich in Ellar eine Dreschgenossenschaft, die damit eine Art Lohndrusch betrieb.

 

 

 

Weltchronik 1960

  • · Adenauer trifft in New York mit dem israelischen Ministerpräsidenten David Ben Gurion zusammen.
  • · Zypern wird unter Präsident Makarios Republik.
  • · Leonid Breschnjew wird Vorsitzender des Präsidiums des Obersten Swojets.
  • · Zwischen der KPdSU und der KP Chinas kommt es zu Spannungen.
  • · Wilhelm Pieck, Staaspräsident der DDR, stirbt. Das Amt des Präsidenten wird durch einen Staatsrat unter Vorsitz von Walter Ulbricht ersetzt.
  • · Brasilia wird neue Hauptstadt Brasiliens.
  • · Baubeginn des Assuan-Staudamms in Ägypten.
  • · Bei den XVII. Olympischen Sommerspielen in Rom gewinnt Armin Hary den 100-m-Lauf.
  • · In Wien wird die OPEC gegründet.
  • · In England wird der Herzschrittmacher entwickelt.
  • · Das erste deutsche Atomkraftwerk (Kahl bei Frankfurt am Main) wird in Betrieb genommen.
  • · In Liverpool (England) treten erstmals die Beatles auf.
  • · + Hans Albers, deutscher Schauspieler, verstirbt.
  • · + Fausto Coppi, italienischer Radrennfahrer und mehrfacher Weltmeister, verstirbt.
  • · + Albert Camus, französischer Dichter, verstirbt.
  • · + Clark Gable, amerikanischer Schauspieler, verstrirbt.
  • · + Curt Goetz, deutscher Schriftsteller, Schauspieler und Regisseur, verstirbt.

 

 

 

 

1961

 

Limburg-Weilburg kenn ick (noch) nicht!

Nach der Errichtung der Berliner Mauer am 13. August 1961 strömte den Menschen im freien Teil der Stadt eine Welle der Solidartät und Sympathie von allen Seiten entgegen. Auch hierzulande machten sich die Bürger Gedanken, wie man den Berlinern helfen könnte. Auf Initiative des Weilmünsterer Kreistagsabgeordneten Waldemar Windmeier wurde am 12. März beschlossen, durch eine demonstrative Fahrt an die Spree den Berlinern die Verbundenheit des Kreises zu bekunden. Die Abgeordnete Grete Bungarten aus Runkel empfahl darüber hinaus, eine direkte Patenschaft des Kreises zu begründen, und zwar für den Bezirk Kreuzberg.
Die Fahrt der Delegation fand am 16. bis 20. Mai des gleichen Jahres statt und führte insbesondere nach Kreuzberg.
Frau Grete Bungarten, die “Mutter der Partnerschaft” sorgte dafür, daß nun jährlich vile Kreuzberger Kinder im Kreisgebiet ihre Sommerferien verbringen konnten. Auch die Umbenennung eines Kreuzberger Kinderheims in “Weilburger Land” ging auf ihre Initiative zurück.
Neu belebt wurden die Beziehungen 1975, als eine Delegation des Kreises und die Rot-Weißen Funken aus Frickhofen an den Kreuzberger festlichen Tagen teilnahmen. Es entwickelte sich nun ein reger Besucheraustausch auf verschiedenen Ebenen.
Auf beiden Seiten erwuchs der Wunsch, die Freundschaft zu einer Partnerschaft zu vertiefen. Nadem der Kreistag Limburg-Weilburg und die Bezirksverordnetenversammlung Kreuzberg ihre Zustimmung gegeben hatten, traf man sich am 22. März 1980 in Berlin und am 28. Juni des gleichen Jahres in Limburg, um die Partnerschaft zu besiegeln.

 


Das blumenbepflanzte Rondell am Postplatz in Weilburg lädt zum Verweilen ein.
Unter schattigen Bäumen wird gar mancher Plausch gehalten. Die weißgestichenen
Bänke haben ihre treuen Stammkunden - in der Mehrzahl ältere Menschen, die sich
hier, in der kleinen, blühenden Oase inmitten des brandenden Verkehrs, ein wenig
verschnaufen und erholen.
Heute ist die Idylle verschwunden. Der Platz vor dem rund 200 Jahre alten Postamt
wurde völlig neu gestaltet.

 

 

 

Weltchronik 1961

  • Die DDR errichtet am 13.8. eine Mauer zwischen Ost- und Westberlin, um die steigende Fluchtbewegung einzudämmen (Bild).
  • John F. Kennedy wird Präsident der USA (gewählt mit 51,1% der Stimmen gegen Richard Nixon).
  • Der sowjetische Major Juri Gagarin fliegt mit dem Raumschiff “Wostock I” als erster Mensch um die Erde.
  • Konrad Adenauer wird zum viertenmal deutscher Bundeskanzler.
  • Adolf Eichmann, ehemaliger S-Führer, von den Israelis aus Argentinien entführt, wird in Jerusalem zum Tode verurteilt und hingerichtet.
  • Bei einem Flugzeugabsturz in Afrika kommt UN-Generalsekretär Dag Hammerskjöld ums Leben. Nachfolger wird der Burmese U Thant.
  • Uraufführung des Schauspiels “Andorra” von Max Frisch.
  • + Ernest Hemmingway, amerikanischer Schriftsteller, verstirbt.
  • + Gary Cooper, amerikanischer Schauspieler, verstirbt.

 

 

 

 

1962

 

Der Weg der Knolle nach Deutschland

Wenn uns heutzutage beim Mittagessen zu einem Braten keine Kartoffeln vorgesetzt werden, wüürden wir vermutlich sehr erstaunt sein. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, seit wir Kartoffeln essen. Die alten Germanen und die Raubritter im Mittelalter kannten jedenfalls keine Kartoffeln. In Offenburg steht ein Denkmal zur Erinnerung an den “Entdecker” der Kartoffel mit der Inschrift “Sir Francis Drake, der im Jahre 1586 den Genuß der Kartoffel in Europa verbreitete”. Heute weiß man, daß schon einige Jahre vorher spanische Seefahrer die Kartoffel aus Kolumbien mitbrachten. Dennoch dauerte es über 200 Jahre, bis es dem “Alten Fritz” gelang, den Kartoffelanbau auch bei uns durchzusetzen. Der Preußenkönig ließ einen von ihm angelegten Kartoffelacker durch Soldaten tagsüber streng bewachen, was natürlich besondere Aufmerksamkeit der Bauern auslöste. Die Soldaten hatten allerdings Befehl, “nachts beide Augen zuzudrücken”, falls die Bauern die Kartoffeln stehlen wollten. Der König hatte richtig kombiniert, denn noch im gleichen Jahr wuchsen auf vielen benachbarten Feldern die bis dahin verschmähten Kartoffeln. Von nun an sorgte die Kartoffel dafür, daß bei schlechter Getreideernte keine Hungersnot mehr aufkam.

20 Jahre liegen zwischen diesen beiden Aufnahmen. 1965 war die Handarbeit bei der Kartoffelernte selbstverständlich. Heute wird die Frucht meistens mit modernen Maschinen aus der Erde geholt, wie hier in Lindenholzhausen.

 

 

 

 

Weltchronik 1962

  • In Genf wird die ständige 18-Mächte-Abrüstungskonferenz eingerichtet.
  • Die UdSSR versucht, auf Kuba Raketenabschußbasen zu errichten. Nach der US-Blockade erklärt sich Chruschtschow zur Demontage der Raketen bereit. Castro wird in Moskau als “Held der UdSSR” gefeiert.
  • Die Spiegel-Affäre (Verhaftung von Journalisten unter dem Verdacht des Landesverrats) endet mit dem Rücktritt von Verteidigungsminister Franz Josef Strauß.
  • Charles de Gaulle proklamiert in Paris die Unabhängigkeit Algeriens. Damit endet der Algerienkrieg.
  • Don Juan Carlos heiratet in Athen Prinzessin Sophia von Griechenland.
  • Im Zusammenhang mit dem Medikament Contergan tritt eine größere Zahl von Mißbildungen bei Neugeborenen auf.
  • Die Stücke “Die Physiker” von Friedrich Dürrenmatt und “Wer hat Angst vor Virginia Woolf?” von Edward Albee werden uraufgeführt.
  • Bernhard Wicki dreht den Film “Die Brücke”.
  • Schwere Sturmflut an der deutschen Nordseeküste: 327 Tote und über 20.000 Obdachlose.
  • + Hermann Hesse, deutscher Schriftsteller, verstirbt.
  • + Auguste Piccard, schweizerischer Tiefseeforscher, verstirbt.
  • + Marilyn Monroe, amerikanische Filmschauspielering, verstirbt.
  • + Charles Laughton, englischer Schuspieler, verstirbt.
  • + Niels Bohr, vorwegischer Physiker, verstirbt.

 

 

 

 

1963

Mit Heimatvertriebenen verbunden

Zwischen dem Oberlahnkreis mit seiner Kreisstadt Weilburg und der Stadt und dem Kreis Freystadt in Niederschlesien wurde am 29. September 1963 die Patenschaft besiegelt, als der aus Schlesien stammende Landrat Alfred Schneider und die Vorsitzende des Heimatbundes, Frau Luise Rutkowski, die Urkunde unterzeichneten. Seit der Patenschaftsübernahme findet alle zwei Jahre das Bundestreffen der Freystädter in Weilburg statt.

“Wasser marsch” heißt es am Dorfbrunnen in Hirschhausen. Die Aufnahme
mit den beiden Kindern entstand 1963.

 

 

Aus Naturfasern wie Manilaö, Sisalfasern, Hanf oder Kokosfasern werden wie
hier in der Seilerei Paul Schupp in Limburg Seile hergestellt, die vielseitig
zu verwenden sind. Die Seilherstellung erfolgt auf der sogen. Seilerbahn.
Heute hat auch hier der Kunststoff Einzug gehalten, und vermehrt werden
Polyamid- und Polyesterfasern verwendet. Darüber hinaus werden aus
einzelnen Drähten Drahtseile hergestellt, die wesentlich stärker belastet wer-
den können. Die Produktion erfolgt heute zunehmend mit Hilfe von Verseil-
maschinen (Seilschlagmaschinen).
Die Aufnahme in der Seilerei Schupp entstand 1963.

 

 

 

Weltchronik 1963

  • US-Präsident Kennedy besucht Berlin.
  • Der deutsch-französische Freundschaftsvertrag wird unterzeichnet.
  • Militärputsch in Südvietnam.
  • Der “heiße Draht” zwischen Kreml und Weißem Haus wird installiert.
  • Ludwig Erhard wird Nachfolger von Bundeskanzler Konrad Adenauer.
  • Der Beitritt Großbritanniens zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft scheitert am Widerstand de Gaules.
  • In Dallas (Texas) wird Präsident Kennedy erschossen. Lyndon B. Jahnson wird als 36. Präsident der Vereinigten Staaten sein Nachfolger (Bild: Beerdigung Kennedys).
  • Das Internationale Rote Kreuz erhält den Friedensnobelpreis.
  • Englische Posträuber erbeuten 2,5 Millionen Pfund Sterling.
  • + Gustaf Gründgens, deutscher Schauspieler und Regisseur, verstirbt.
  • + Theodor Heuss, deutscher Bundespräsident von 1949 bis 1959, verstirbt.
  • + Paul Hindemith, deutscher Komponist, verstirbt.

 

 

 

 

1964

 

Weilburg: Probleme um das stille Örtchen

Eine große Sorge ist von den Vätern der Weilburger Kirmes genommen und damit allen Besuchern dieses schönen Festes. Bei der Verbesserung und Entrümpelung des Platzes am Schießhaus verschwand auch jenes kleine massive Häuschen, das so manchen wein- oder biertrinkenden Gast von der Drangsal des Leibes befreite und dessen Besucherzahl mit der Zunahme leerer Flaschen zu wachsen pflegte. Da es jedoch ohne eine solche Einrichtung nicht geht, versah in den letzten Jahren ein Spezialwagen der sanitären Industrie diesen Dienst. Diskret hinter dem Zelt postiert, lud er mit “D” und “H” die Festbesucher ein, gegen einen geringen Obolus sich freundlichst seiner zu bedienen.
Als man zu Jahresbeginn das Fahrzeug wieder bestellen wollte, bekam man eine Absage, und auch im gesamten Umland war keiner aufzutreiben. Nun war guter Rat teuer. Letztendlich hatte die Stadt ein Einsehen und bestellte in Frankfurt ein funkelnagelneues, mit allem technischen Komfort ausgestattetes rollendes WC für satte elftausend Mark. Die Stadt hofft, wenigstens einen Teil des Geldes wiederzubekommen, wenn sie die Toilette auf Rädern an in Not geratene Festveranstalter ausleiht.


Auch Sangesbrüder verstehen zu feiern. Anläßlich des 125jährigen bzw.
120jährigen Bestehens der Gesangvereine “Cäcilia” und “Germania” bewegt
sich ein Festzug durch die Straßen von Kirberg und Dietkirchen (Foto unten).

 

 

 

 

Limburg für 1000 Mark

Seit 1964 gibt es wieder Tausend-Mark-Scheine. Seit der Währungsreform 1948, als die alten Tausender-Reichs-Banknoten aus dem Verkehr gezogen wurden, waren zunächst nur Geldscheine bis zu einem Wert von hundert Mark im Umlauf. 1964 entschloß sich die Bundesbank, wieder Tausender auszugeben, mit dem Limburger Dom als Motiv auf der Rückseite.

 

 

 

Weltchronik 1964

  • Chruschtschow wird abgesetzt. Regierungschef wird Alexei Kossygin, Parteichef Leonid Breschnew.
  • Heinirch Lübke wird erneut zum Bundespräsidenten gewählt.
  • Willi Stoph wird Ministerpräsident der DDR.
  • Die DDR erlaubt Rentnern, die Bundesrepublik zu besuchen.
  • Amnestie für “Republikflüchtige” in der DDR.
  • China zündet seine erste Atombombe.
  • In den USA wird das Bürgerrechtsgesetz verabschiedet, die wichtigste Maßnahme zur Gleichberechtigung der Farbigen seit Lincolns Negerbefreiung.
  • In Großbritannien kommt die Labour Party unter Harold Wilson an die Regierung.
  • Die amerikanische Mondsonde Ranger VII übermittelt Fotos von der Oberfläche des Mondes.
  • Der St. Bernhard wird als erster großer Straßentunnel der Alpen fertiggestellt.
  • Jean Paul Sartre (Frankreich) lehnt den Literatur-Nobelpreis ab.
  • Pilgerfahrt von Papst Paul VI. ins Heilige Land: Hier begegnet er Patriarch Athenagoras, Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche.
  • Der Abu-Simbel-Tempel in Ägypten wird versetzt und somit vor den Fluten des gestauten Nils gerettet.
  • + Hans Moser, österreichischer Schauspieler, verstirbt.
  • + Werner Bergengruen, deutscher Schriftsteller, verstirbt.

 

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