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1979
700 Jahre Mengerskirchen
Im Jahre 1279 wurde Mengerskirchen erstmals in einer Urkunde des Chorherrenstifts St. Lubentius in Dietkirchen erwähnt, doch vermutlich bereits vorher haben hier Mensch gelebt. Der leicht erhöhte Ortskern war schon lange ein befestigter Platz mit Hof und Kapelle, wo die Menschen mehr und mehr siedelten. Vermutlich bildeten Kirche und “fester Hof” - später Schloß und Stadtmauern mit Kirche - das Zentrum von Mengerskirchen, im Mittelalter erhielt der Ort Stadt- und Marktrechte, entwickelte sich aber in bedrückender Enge. Mit den Unbilden des rauhen Westerwaldklimas un dem kargen Basaltboden hatten die Menschen um den Knoten herum seit jeher zu kämpfen. Sie mußten sich auch immer wieder auf neue Regierungen einstellen, denn in den vergangenen Jahrhunderten wechselte sehr oft und schnell die Herrschaft über Land und Leute zwischen den Fürstenhäusern hin und her.
Mit einem historischen Festzug feierte die Gemeinde Mengerskirchen ihren 700. Ge- burtstag. Mehr als 40 Wagen und Gruppen stellten die gute alte Zeit auf dem Wester- wald dar.
Merenberg 850 Jahre alt
Die Gemeinde Merenberg feierte mit einem historischen Festzug ihren 850. Geburtstag. Als die Burg noch bewohnt war - 1646 wurde sie niedergebrannt - verkehrte hier eine vornehme Gesellschaft. Denn die von Merenberg, mit den hochadeligen Gleibergern versippt, konnten sich den besten Kreisen des deutschen Mittelalters zurechnen. Sie waren mit dem Kaiserhaus verwandt und besaßen neben ihren großen Ländereien in der Burgvogtei auf dem Wetzlarer Kalsmunt ergiebige Pfründe. Merenberg erhielt Stadtrechte 1290, fünf Jahre früher als Weilburg. Als letzter intakter Rest der alten Stadtbefestigung steht das malerische Tor über der Straße nach Heckholzhausen. Der Dreißigjährige Krieg hat dann mit dem, was einst die Stadt Merenberg war, gründlich aufgeräumt.
Bei der Jubelfeier war auch die letzte Nachfahrin der Merenberger Ritter, Clothilde von Rintelen, geborene Gräfin von Merenberg, zugegen. Aufsehen erregten der historische Festzug und die reiche Ausstellung des Meren- berger Heimatvereins.
Die Mehrenberger, die sich um die Jahrhundertwende für das Foto auf der Wiese unterhalb des Dorfes versammelten, mögen machmal angesichts der ärmlichen Verhältnisse auf dem Westerwald von den feudalen Zeiten geträumt haben, in denen ihre Vorfahren gelebt haben. So reichte vor über hundert Jahren der Tageslohn vieler Arbeiter gerade, um einen Laib Brot zu kaufen.
Hallenbad-Katastrophe
Eine gewaltige Gasexplosion zerstörte am 4. September das Hallenbad Limburg/Diez völlig. Wie die Untersuchungen ergaben, war aus einer undichten Gasleitung in der Nähe des Bades Erdgas in einen Raum unter dem Schwimmbecken geströmt. Dabei war ein riesiger Druck entstanden. Bei der Explosion waren ein Todesopfer, fünf zum Teil schwer Verletzte und ein Sachschaden in Millionenhöhe zu beklagen.
Weltchronik 1979
Ugandas Staatschef Idi Amin wird entmachtet. Seinem Terrorregime fielen etwa 300.000 Menschen zum Opfer.
Margret Thatcher wird erster weiblicher Premierminister in England.
Karl Carstens wird neuer Bundespräsident.
US-Präsident Jimmy Carter und der sowjetische Parteichef Leonid Breschenew unterzeichnen in Wien das SALT-II-Abkommen (Bild)

Beim “Admiral’s Cup” der Hochseesegler ertrinken bei orkanarigen Stürmen 17 Segler in der Irischen See.
Michael Endes Buch “Die unendliche Geschichte” erscheint.
Die Ordensgründerin Maria Teresa, die in den Armenvierteln Indiens wirkt, erhält den Friedensnobelpreis.
Nach Explosion der Bohrinsel Ixtoc 1 im Golf von Mexiko bedroht ein Ölteppich die Küste von Texas.
In neun Ländern der EG finden direkte Wahlen für ein europäisches Parlament statt.
Die USA und China nehmen formell diplomatische Beziehungen auf.
China kündigt den Freundschaftsvertrag mit der UdSSR von 1950.
Schah Reza Pahlewi (Bild links) geht ins mexikanische Exil. Mit Rückkehr des Ayatollah Khomeini (rechtes Bild) aus dem Exil in Paris beginnt im Iran die islamische Revolution.

Israel und Ägypten unterzeichnen in Washington einen Friedensvertrag, mit dem der mehr als 30 Jahre andauernde Kriegszustand beendet wird.
Der Machtwechsel im Iran stürzt die westliche Welt in die zweite Ölkrise.
Die Botschaft der USA in Teheran wird von Anhängern Khomeinis besetzt.
Sowjetische Truppen dringen in Afghanistan ein.
Das sowjetische Raumschiff “Sojus 33” muß wegen einer technischen Panne vorzeitig zur Erde zurückkehren.
+ Carlo Schmid, deutscher Politiker, verstirbt.
+ Jean Monet, französischer Politike, verstirbt.
+ Park Chung Hee, südkoreanischer Staatspräsident, verstirbt.
1980
Rund um Winkels ist alles Ton in Ton
Der in den Tongruben Maienburg, Wimpfsfeld I und II - zwischen Mengerskirchen und Winkels gelegen - gewonnene hochplastische Ton ist von der Keramikindustrie Westeuropas begehrt. Entstanden ist er durch Verwitterung feldspathaltiger Gesteine. Die “Weilburger AG zur Fabrikation von Steingut und Papier”, Eigentümer Wimpf, trat erstmals 1851 als Besitzer von Belehnungsrechten in Winkels auf. Der Abbau gestaltete sich sehr strapaziös. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Betrieb auf der Grube Wimpfsfeld eingestellt. Die Entwicklung auf der Grube Maienburg verlief ähnlich. 1857 erhielt der Winkelser Johann Wilhelm Schäfer das Belehnungsrecht. Ihm folgten die Weilburger Karl Christian Rosenkranz und Hofrat Hermann Hertz Nach mehreren Schürfbohrungen begann Anfang 1955 die Firma Schmidt (Langendernbach) mit dem Tonabbau und der Förderung von Hand. Mit der Zeit wurde das Unternehmen modernisiert. Die Förderung der Industrie nach gleichbleibender Qualität machte den Bau einer Mischanlage erforderlich, der noch ein Mahlwerk angegliedert werden soll. Noch 60 bis 80 Jahre, so schätzen die Experten, kann der Rohstoff auf dem Westerwald abgebaut werden.
Mit modernem Gerät wird der Ton bei Winkels abgebaut.
Weidende Schafe am Knoten.
Kaum Veränderungen
Weilburgs neuer Bürgermeister heißt Erhard Olschewski, der den zum Oberstadtdirektor von Goslar gewählten Bodo Abt ablöst.. Auch andernorts fanden Bürgermeisterwahlen statt. Wiedergewählt wurden Josef Kohlmaier (Limburg), Günter Schmitt (Elz), Hermann Bellinger (Hadamar), Herbert Klos (Runkel), Theo Simon (Elbtal), Paul Arens (Dornburg), Norbert Jeuck (Waldbrunn), Ernst Enzmann (Camberg) und Joseph Wältermann (Selters); allerdings über eine neue Bewerbung. Ein neuer Mann regiert im Brechener Rathaus: Bernhard Königstein. Sein Vorgänger Josef Kramm war aus gesundheitlichen Gründen ausgeschieden.
Für uns nach Bonn
Dr. Manfred Langner (CDU) und Dietrich Sperling (SPD) vertreten auch weiterhin den Wahlkreis Hochtaunus/Weilburg im Bundestag. Langner gewann am 5. Oktober wieder das Direktmandat, doch auch Sperling zog über die Landesliste ins Parlament ein. Den Limburger Wahlkreis gewann wieder Benno Erhard (CDU), sein Konkurrent Georg Leber kam als Spitzenkandidat der Landesliste ebenfalls in den Bundestag.
Weltchronik 1980
Romero, der Erzbischof von San Salvador, wird während einer Messe von Unbekannten erschossen.
Der sowjetische Ministerpräsident Kossygin tritt aus Gesundheitsgründen zurück. Nachfolger wird Nikolai Tichonow.
Zwischen dem Iran und dem Irak bricht ein offener Krieg aus.
Großbritannien entläßst Rhodesien unter dem Namen Zimbabwe in die Unabhängigkeit.
Streiks in Polen: Parteichef Gierek wird von Stanislaw Kania abgelöst. Gründung der freien Gewerkschaft “Solidarität” unter Arbeiterführer Lech Walensa (Bild).

Eine US-Militäraktion zur Befreiung der Geiseln in der Teheraner Botschaft scheitert.
40. US-Präsident wird nach einem erdrutschartigen Sieg über Jimmy Carter der Republikaner Ronald Reagan.
Die Berliner Kongreßhalle (“Schwangere Auster” genannt, 1957 fertiggestellt, stürzt ein).
Königin Juliane der Niederlande dankt nach 32 Regierungsjahren an ihrem 71. Geburtstag ab. Nachfolgerin wird ihre Tochter Beatrix (Bild).

In den USA bricht der Vulkan St. Helens aus: mindestens 35 Tote. 425 Meter des Gipfels werden durch die Eruption weggesprengt.
Die XXII. Olympischen Sommerspiele in Moskau werden von vielen Staaten wegen des Einmarsches der UdSSR in Afghanistan boykottiert (81 Länder nehmen teil).
+ Sir Alfred Hitchcock (linkes Bild), britischer Filmregisseur, verstirbt.
+ Josip Broz Tito (rechtes Bild, jugoslawischer Staats- und Parteichef, verstirbt.
+ Lil Dagover, deutsche Schauspielerin, verstirbt.
1981
Der Anfang ist gemacht. Interessiert beobachten der Kreisbeigeordnete Dr. Ernst Loew, Bürgermeister Aumüller sowie zahlreiche Villmarer Bürger Finanz- minister Heribert Reitz beim Spatenstich für das neue Bürgerhaus, der am 27. Juni stattfand.
Die “König-Konrad-Halle” mit dem Restaurant “Klickermill” bilden das neue Gemeindezentrum von Villmar.
Im August 1981 trat die Weil nach stundenlangen Regenfällen über die Ufer und setzte die angrenzenden Straßen in Weilmünster unter Wasser.
1100 Jahre alt
1100 Jahre alt wurde im Sommer der heutige Weilburger Stadtteil Waldhausen. Besonderer Höhepunkt der eindrucksvollen Feiern war der historische Festzug, an dem 66 Wagen und Gruppen teilnahmen.
Neuer zweiter Mann an der Kreisspitze
Zum Nachfolger des verstorbenen Eberhard Kiefer wurde der Elzer Bürgermeister Günter Schmitt zum neuen Ersten Kreisbeigeordneten gewählt.
Kubacher Unterwelt
Als der Gymnasiallehrer Karl-Heinz Schröder 1972 nach Kubach kam, hörte er von begeisterten Beschreibungen und Bergleuten, die 1880 auf eine wunderschöne Höhle zwischen Kubach und Freienfels gestoßen waren. Auch das Weilburger Tageblatt berichtete schon 1906 von einer phantastischen Tropfsteinhöhle, doch niemand wußte, wo sie lag. Der Gedanke, diese Höhle ausfindig zu machen, ließ Schröder nicht mehr los, und daher gründete er am 14. Januar 1973 zusammen mit 13 anderen Personen eine Interessengemeinschaft zur Erforschung der Höhle. Am 28. November des gleichen Jahres schlossen sich die “Höhlenbären” - wie der Volksmund die Interessierten nannte - zu einem Höhlenverein zusammen. Heimische Firmen führten Suchbohrungen durch, deren Ergebnisse alles andere als zufriedenstellend waren. Erst die Baufirma August Göttker aus Celle schaffte den Durchbruch. Durch ein 60 cm schmales Bohrloch gelanten Höhlenforscher in eine 30 Meter hohe und 20 Meter lange Halle mit Milliarden von Kristallen. Die Männer der Bohrmannschaft brachten damit die letzten Zweifler zum Schweigen, wurden sie doch von ihnen als dreckverschmierte Maulwürfe belächelt, die in der Landschaft Löcher bohrten. Nach und nach entdeckte man weitere Teile der Höhle, so die imposante Südhalle mit dem Sommersee. Nach umfangreichen Baumaßnahmen (Errichtung eines Höhlenhauses) wurden am 11. März 1981 in Anwesenheit des Hessischen Wirtschaftsministers Karry die Kubacher Höhlen eröffnet. Die sagenhafte Tropfsteinhöhle, der eigentliche Grund für die Bohrungen, wurde bisher noch nicht gefunden. Nach ihr werden die “Höhlenbären” weitersuchen.
Sicherheit wird groß geschrieben. Bein den Führungen in der Höhle ist das Tragen eines Helms vorgeschrieben.
Einziges Bad im Kreis
Im Jahr 1927 begann Cambergs Aufstieg als Kurstadt mit der Gründung der Kneippkur. Zehn Jahre später bekam die Stadt das Prädikat “Anerkannter Kneippkurort”. Nachdem man 1877 zum staatlich anerkannten “Kneippheilbad” aufgestiegen war, hatte man am 27. August 1981 das Ziel erreicht. Seit diesem Tag führt die Stadt den Namen “Bad Camberg”.
Weltchronik 1981
Der Sozialist Francois Mitterand wird neuer Präsident Frankreichs.
Nach genau 75 Tagen Aufenthalt im Weltraum kehren die sowjetischen Kosmonauten Kowaljonik und Sawinych mit “Sojus T4” zur Erde zurück.
Ägyptens Präsident Sadat fällt einem Attentat zum Opfer.
Klaus von Dohnanyi Bürgermeister von Hamburg.
Der Moskauer Schriftsteller und Germanist Lew Kopelew, der seit November 1980 in der BR Deutschland lebt, wird von der Sowjetunion ausgebürgert.
Erster Flug der wiederverwendbaren US-Raumfähre “Columbia” (Space Shuttle).
Vor dem schwedischen Marinestützpunkt Karlskrona läuft ein sowjetisches Unterseeboot auf Grund.
In Ottawa (Kanada) findet der siebte Weltwirtschaftsgipfel statt.
Großbritanniens Thronfolger Charles, Prince of Wales, heiratet Lady Diana Spencer.
Papst Johannes Paus II. wird bei einem Attentat in Rom schwer verletzt.
Richard von Weizsäcker wird Regierender Bürgermeister von Berlin.
Die US-Geiseln in der Teheraner Botschaft werden freigelassen.
Erste Ermittlungen über die “Flick-Affäre”.
US-Präsident Reagan (rechtes Bild) wird bei einem Attentat in Washington schwer verletzt.

Griechenland wird zehnter Mitgliedstaat der EG.
Jiang Quing, Witwe Mao Tse-tungs zum Tode verurteilt.
General Jaruzelski (linkes Bild) wird neuer Ministerpräsident Polens.
Erster Kongreß der polnischen Gewerkschaft “Solidarität” in Danzig.
Israel annektiert die Golan-Höhen.
In Polen übernimmt ein “Militärrat der nationalen Errettung” die Macht und verkündet das Kriegsrecht. Die Gewerkschaft “Solidarität” wird aufgelöst, führende Gewerkschaftler werden verhaftet und interniert.
1982
Bischof Dr. Kempf -
Oberhirte in reformträchtigen Zeiten
Bischof Dr. Wilhelm Kempf, der in seiner 32jährigen Amtszeit - von 1949 bis 1981 - zunächst in den Nachkriegsjahren und später in der Nachkonzilzeit und der Phase der Strukturreformen Zeichen der Hoffnung für viele in der Kirche und über denen Grenzen hinaus gesetzt hat, starb am 9. Oktober 1982 in seiner Wiesbadener Wohnung an einem dritten Herzinfarkt. Sein Leben endete in der Stadt, in der er am 10. August 1906 das Licht der Welt erblickt hatte.
Vor seiner Bestätigung zum Bischof am 28. Mai 1949 durch Papst Pius XII. war der damals 42jährige Dr. Wilhelm Kempf Pfarrer von Riederwald. Entscheidend für die Diözese war damals, daß der neue Bischof aus der Großstadtseelsorge und aus einer Arbeiterpfarrei kam, die aus dem Nichts aufgebaut worden war und in der sich Pfarrer Kempf in der Zeit der Bombenangriffe und der Nachkriegsnot durch seinen Einsatz die Sympathien der Bevölkerung erworben hatte. Kein anderer Oberhirte derselben Diözese hatte so wie Dr. Kempf verschiedene Epochen der Nachkriegszeit durchlebt. Seine Bischofszeit unter fünf Päpsten reichte von der pianischen Ära bis Johannes Paul II. Bischof Dr. Kempfs Amtszeit endete an seinem 75. Geburtstag mit einem Festakt in der Limburger Stadthalle, zu dem - wie später auch zur Einführung seines Nachfolgers Dr. Franz Kamphaus - sich hohe kirchliche Würdenträger und Politiker von Rang und Namen einfanden.
Prof. Dr. Franz Kamphaus ist seit dem 13. Juni 1982 als Nachfolger von Wil- helm Kempf Bischof von Limburg.
Aufatmen im Westerwald
Blick auf Mengerskirchen im Westerwald. Viele Bewohner dieser Region sind froh, daß die in unmittelbarer Nähe geplante Wiederaufbereitungsanlage nun doch nicht gebaut wird. Besonders Landwirte, die Angst vor Gefährdung des Bodens, ihrer Produkte und ihrer Tiere hatten, sind mit dieser Entscheidung zu- frieden. Die Erwartungen der Bauwirtschaft und Aufträge und Schaffung neuer Arbeitsplätze würden damit zunichte gemacht.
Große Unruhe verbreitete sich auf dem Westerwald - insbesondere in Merenberg und Waldbrunn - als bekannt wurde, das Gebiet sei als Standort für eine Wiederaufbereitungsanlage (WAA) für atomare Kernbrennstoffe in die engere Wahl gekommen. Sofort bildete sich eine Bürgerinitiative, die Front gegen das Vorhaben machte. Das Parlament von Waldbrunn sprachsich einstimmig in einer Resolution gegen einen Standort in der Gemarkung aus. Der Streit um die WAA hatte inzwischen bundesweit Interesse geweckt. Im Limburg demonstrierten am 27. Februar 1982 mehrere tausend Menschen gegen den Bau der WAA “auf dem Westerwald oder anderswo”, darunter rund 200 Landwirte mit Traktoren, die ein Verkehrschaos verursachten. Schlagartig ließ aber das Interesse der Bevölkerung nach, über Kernenergie zu diskutieren, als am 20. Juli des gleichen Jahres die Landesregierung Wangershausen bei Frankenberg als WAA-Standort benannte. Im “richtigen Moment” kam für die Kernkraftgegner am 28. Juni ein Erdbeben, dessen Zentrum im Westerwald lag. Die Stärke von 4,8 auf der Richterskala übertraf alle bisherigen gemessenen Erdstöße in diesem Raum, was für die WAA-Planung vermutlich nicht ohne Auswirkung blieb.
Viel Geld für den Untergrund
47 Millionen Mark kostete der Bau des Schiedetunnels in Limurg, der am 18. November von Bundesverkehrsminister Dollinger und Hessens Wirtschaftsminister Reitz für den Verkehr freigegeben wurde.
Blick vom Schiedetunnel in Richtung Schiede.
Obst im Überfluß
Eine Apfelsinenschwemme brachte die Betreiber der heimischen Keltereien im Oktober und November ganz schön ins Schwitzen. Die Rekordernte ließ auch manchen Obstbauern resignieren: Weil sich die Äpfel nicht mehr absetzen ließen, wurden sie teilweise gar nicht mehr gepflückt.
Kaum Neues bei der Wahl
Die Landtagswahl am 26. September brachte im Kreis Limburg-Weilburg nicht viel Neues. Gerhard Dann (SPD) und Wolfgang Ibel (CDU) gewannen wieder die Direktmandate, Karlheinz Weimer (CDU) und Heribert Reitz (SPD) rückten über die Landesliste nach. Als fünfter Abgeordneter aus dem Kreis zog der Weilburger Reinhard Brückner über die Liste der Grünen ins Parlament in Wiesbaden ein.
Weltchronik 1982
Eine Volkszählung in China ergibt über eine Milliarde Einwohner (1008175288). Jährlich werden hier 19 Millionen Menschen geboren.
Italien besiegt Deutschland im Endspiel der Fußballweltmeisterschaft in Spanien mit 3 : 1
Drei Wochen nach seiner Wahl zum Präsidenten des Libanon wird der Führer der christlichen Milizen, Beschir Dschemeijel, ermordet. Nachfolger wird sein Bruder Amin.
Der sowjetische Staats- und Parteichef Leonid Brechenew (Bild) stirbt an Herzversagen. Nachfolger als Parteichef wird Juri Andropow.
Korsische Seperatisten begehen in diesem Jahr über 800 Attentate.
Das polnische Parlament verbietet durch ein neues Gewerkschaftsgesetz die unabhängige Gewerkschaft “Solidarität”.
Invasion der Israelis im Südlibanon mit dem Ziel, den Abzug der Palästinenser aus dem Libanon zu erreichen.
Durch das von der CDU/CSU im Bundestag eingebrachte konstruktive Mißtrauensvotum gegen Bundeskanzler Helmut Schmidt wird Helmut Kohl zum neuen Kanzler gewählt.
Nach dem Mißerfolg im Falkland-Krieg tritt der argentinische Präsident Galiteri zurück. Nachfolger wird der Generalmajor im Ruhestand Reynaldo Benito Bigone.
Im Krieg zwischen Irak und Iran bombardieren beide Seiten die gegnerischen Ölanlagen.
Nach der Besetzung der Falkland-Inseln durch die argentinische Soldaten landen britische Truppen in einer großangelegten Invasion und erobern die Inselgruppe zurück (Bild).

1983
Attraktive Reitsportstätte in Niederzeuzheim
Mitte der Siebziger Jahre ging der Reit- und Fahrverein Niederzeuzheim ein Wagnis ein, das seinen Namen über die Grenzen des Hessenlandes bekannt machte um ihm Ehre bis in die Spitze der internationalen Reiterei einbrachte. Nach einer Flaute im Vereinsleben war knapp 50 Jahre nach der Vereinsgründung der Beschluß zum Bau einer neuen Reitsportstätte mit Dressurstadion gefaßt worden, das zu den modernsten in der Bundesrepublik wurde. Das Projekt war mit erheblichen Vorleistungen von Vereinsmitgliedern, Bürgern, weiteren Pferdefreunden und der Stadt Hadamar realisiert worden. Nach der Fertigstellung konnte 1974 eine neue Turnierserie eingeleitet werden, bei der sich nationale und internationale Spitzenreiter in der Reitsportanlage im Westerwald einfanden. Das Nationale Olympische Komitee der Reiterei in Warendorf schenkte dem Reit- und Fahrverein Niederzeuzheim so viel Vertrauen, ihm 1976 das Abschlußtraining und die Ausscheidung der Deutschen Dressurmannschaft für die Olympiade in Montreal im Rahmen eines Turniers der Kategorie A auszurichten. Die deutsche Equipe brachte die Goldmedaille mit nach Hause. In den Folgejahren betrauten das NOK und der Landesverband den RuF Niederzeuzheim noch einige Male mir der Ausrichtung von Sichtungsturnieren und Meisterschaften, darunter auch die Hessenmeisterschaften der Gespannfahrer. Zur Teilnahme an qualifizierten Pferdeleistungsschauen sattelten in Niederzeuzheim bekannte Dressurreiter wie Dr. Reiner Klimke, Dr. Josef Neckermann, Harry Boldt, Herbert Rehbein, Herbert Krug, Gabriele Grillo und Karin Schlüter sowie Olympiasieger, Welt- und Europameister der Springreiter wie Gerd Wiltfang, Fritz Liffes, Hans-Günther Winkler, Hermann Schridde, Hugo Simon, Norbert Koof, Hendrik Snoek, Lutz Gössing und weitere deutsche und ausländische prominente Springreiter ihre Pferde.
Die deutsche Dressurreiterelite bei der Parade zur Siegerehrung in Niederzeuzheim Rechts erkennt man Dr. Reiner Klimke.
Vollgas im Laubustal
Einmal im Jahr ist es mit der Ruhe im beschaulichen Laubustal vorbei. Die Weltelite der Moto-Cross-Fahrer hat sich angesagt, um auf dem idyllisch gelegenen Rundkurs oberhalb von Laubuseschbach um Sieg und Platz zu kämpfen. Schon Tage vor dem eigentlichen Rennen herrscht hektische Betriebsamkeit an der Strecke. Die Fahrer testen ihre hochgezüchteten Maschinen und jagen über die Piste. Am Rennsonntag bewegt sich schon in den frühen Morgenstunden eine Blechkarawane auf zwei oder vier Rädern in Richtung des Weilmünsterer Ortsteils. Benzinangereicherte Luft liegt über der Rennstrecke. Bei sommerlichen Temperaturen müssen fleißige Helfer die Bahn wässern, um die Staubentwicklung in Grenzen zu halten. Bei feuchtem Wetter dagegen ist eine Schlammschlacht fällig. Nachdem die Jagd um Sekunden zu Ende ist, legt sich die Hektik sehr rasch. Alles gehr wieder seinen normalen Gang, bis in einem Jahr wieder ein Weltmeisterschaftslauf auf dem Programm steht.
Kurz nach dem Start beginnen die harten Positionskämpfe.
Riesengedränge in der Limburger Altstadt. Fliegende Händler, Profis und Amateure, bieten alles Mögliche und Unmögliche auf dem schon traditionellen Flohmarkt zum Verkauf an. Viel wertloser Plunder ist dabei, doch so mancher ergattert eine interessante Rarität.
Der aus Oberweyer stammende und jetzt im bayerischen Straubing ansässige Maler Alois Koch erwies seiner Heimat seine Referenz. Im Bürgerhaus von Hadamar waren die Werke des vielfach national und international ausgezeichneten Künstlers zu bewundern. Anläßlich dieser Ausstellung ehrte der Erste Kreisbeigeordnete Günter Schmitt (rechts) Alois Koch und überreichte ihm den Wappenteller des Kreises Limburg-Weilburg.
Neben Koch haben sich viele Künstler in unserem Kreis einen Namen gemacht und sind über die Grenzen des Kreisgebietes hinaus bekannt.
Weltchronik 1983
Die neue Trimm-Dich-Welle “Aerobic” gelangt aus Amerika nach Europa.
Monatelange Suche nach 41 verschwundenen Seveso-Fässern mit hochgiftigem Dioxin: Sie werden schließlich in einer Wellblechbaracke in Frankreich gefunden.
Bei einem Buschfeuer in Australien sterben 71 Menschen, 2000 werden verletzt. 750 Farmen und 2600 Wohnhäuser brennen aus, eine Waldfläche weit größer als das Saarland verkohlt, und 200.000 Schafe und 12.000 Rinder kommen um.
US-Truppen landen auf der Karibik-Insel Grenada.
Der polnische Arbeiterführer Lech Walesa erhält den Friedensnobelpreis.
Die Wochenzeitschrift “Der Stern” präsentiert Hitler-Tagebücher, die sich kurz darauf als gefälscht erweisen.
Das Westdeutsche Fernsehen (WDR) überträgt live eine Operation am offenen Herzen.
Die Jacht “Australia II” setzt der längsten Siegesserie im Sport ein Ende: Nach 132 Jahren jagt sie den Amerikanern den “America’s Cup ab.
In Williamsburgh (USA) treffen sich die sieben führenden Industrienationen zum “Weltwirtschaftsgipfel”.
Die Koalition aus CDU/CSU und FDP gewinnt die Wahl zum 10. Deutschen Bundestag. Helmut Kohl wird erneut zum Bundeskanzler gewählt.
Der schwarze Pastor Jesse Jackson gibt seine Kandidatur für die US-Präsidentschaftswahlen bekannt.
Der Saikatunnel (54 Kilometer Länge) zwischen der Insel Hokkaido und dem japanischen Festland (Honshu) wird vollendet. Die Bauzeit betrug 19 Jahre, die Kosten beliefen sich auf 5,5 Milliarden Mark.
In Hannover treffen sich Punks und Skinheads zum ersten Deutschlandstreffen: 195 Festnahmen und 235 Strafanzeigen wegen Plünderung und Widerstand gegen die Staasgewalt.
Richard Attenboroughs Monumentalfilm über Mahatma Gandhi kommt in die Kinos.
Das europäische Weltraumlabor SPACE-LAB wird zum erstenmal an Bord der NASA-Raumfähre “Columbia” unter Beteiligung des deutschen Wissenschaftlers Ulf Merbold erprobt.
Sowjetische Abfangjäger MiG 23 schließen ein Passagierflugzeug der Korean Air Lines ab: 240 Passagiere und 29 Besatzungsmitglieder kommen ums Leben.
+ Louis des Funes, französischer Schauspieler, verstirbt.
+ Werner Egk, deutscher Komponist, verstirbt.
+ Charlie Rivel, Clown, verstirbt.
+ Erik Ode, deutscher Schauspieler, verstirbt.
1984
Nassauer auf der “Grünen Woche” in Berlin
“Kann ick ooch eenen Tausender kriegen”? Mit diesen Worten bestürmten viele Berliner auf der “Grünen Woche” in der ehemaligen Reichshauptstadt die Hostessen am Messestand des Kreises Limburg-Weilburg. Obwohl die Besucher auf dieser kulinarischen Ernährungsschau mit allen möglichen Prospekten eingedeckt wurden, nahmen sie den tollen Werbegag mit dem Motiv des Limburger Doms gerne mit nach Hause. Daß der Kreis auch sonst noch etwas zu bieten hat, machte er durch den kostenlosen Ausschank von 600 Flaschen Selterswasser, 120 Litern Apfelwein und 30 Litern Dauborner Korn deutlich. Der Kreis, der diesmal das Land Hessen in Berlin vertrat, wurde von allen Seiten zu dieser gelungenen Präsentation beglückwünscht. Landrat Georg Wuermeling nahm auch die Gelegenheit wahr, Mißverständnisse über die Herkunft des Limburger Käses und des Begriffes “Nassauern” aus dem Weg zu räumen. Gleichzeitig erklärte er auch, wo das echte Seifenwasser herkommt. In den kommenden Jahren dürfte das Nassauer Land bei der Urlaubsplanung vieler Berliner eine Rolle spielen, denn man geizte auch nicht mit den landschaftlichen Reizen, die der Kreis zu bieten hat.
Die Fremdenverkehrsbeauftragten des Kreises, Georg Knoth (MItte) und Hans Ochsenfeld (rechts), schenken den Berlinern Original Dauborner Korn aus.
Eine Katastrophe kommt selten allein
Hochwasserkatastrophen wie vorher nie in diesem Maße vernichteten Millionenwerte an der Lahn und ihren Nebenläufen. Im Februar, Mai und November wurde die Alarmstufe eins ausgegeben. Während im Winter besonders die Anlieger an der Lahn zu leiden hatten, Campingplätze und Sportplätze zerstört wurden, traf es im November ganz besonders hart die Gemeinde Löhnberg mit ihren Ortsteilen Obers- und Niedershausen sowie die Westerwaldgemeinden Mengerskirchen. Kleine Bäche wie der Kallenbach verwandelten sich nach stundenlangen Regenfällen in reißende Ströme.
Beim “Jahrhunderthochwasser” breitete sich eine riesige Seenlandschaft zwischen Staffel und Limburg aus.
 Auch Bürgermeister Heribert Klos (Runkel) stand das Wasser bis zu den Kien.
Zehn Jahre Limburg-Weilburg
Am 22. Juni 1984 feierte der am 1. Juli 1974 aus den Kreisen Limburg und Oberlahn gebildete Kreis Limburg-Weilburg sein zehnjähriges Bestehen. In der König-Konrad-Halle in Villmar hatten sich neben der Bevölkerung zahlreiche Ehrengäste eingefunden, an der Spitze Regierungspräsident Knut Müller. Landrat Georg Wuermeling hob in seiner Ansprache hervor, daß der Kreis sich sehen lassen könne. Kreistagsvorsitzender Hermann Bellinger unterstrich, die beiden Kreise hätten sich nicht auseinandergelebt, sondern seinen aufeinander zugegangen. Zu den Ehrengästen gehörte auch Günter Funk, Bürgermeister von Berlin-Kreuzberg.
Blauröcke ganz groß
Das Jahr der Feuerwehr: Allein im Kreis Limburg-Weilburg wurden rund 40 Feuerwehrfeste gefeiert. Die Floriansjünger konnten aber nicht nur feiern, sie mußten auch löschen, wie beim Brand in der ehemaligen Molkerei Schupbach, beim Brand der Gaudernbacher Volkshalle oder des “Lord” in Weilburg. Alle Hände voll zu tun hatten sie auch, als in Limburg ein Mann ein Haus in die Luft sprengte, weil ihm der Gerichtsvollzieher auf die Pelle rückte.
Weltchronik 1984
Die USA erleben einen der kältesten Winter dieses Jahrhunderts. Rekord: minus 46 Grad Celsius in Wisdom. Über 300 Menschen sterben aufgrund der Kälte.
In Jugoslawien wird Titos Priatinsel Brioni für den Touristenverkehr geöffnet.
Bundesbürger können zum erstenmal mit der Lufthansa zur Leipziger Messe fliegen.
US-Präsident Reagan und Papst Johannes Paul II. treffen sich in Fairbanks (Alaska).
Der sowjetische Parteichef Juri Andropow stirbt. Nachfolger wird Konstantin Tschernenko.
Der polnische Priester Jerzy Popieluszko wird entführt und später ermordet aufgefunden.
Richard von Weizsäcker wird zum Bundespräsidenten gewählt.
Die indische Ministerpräsidentin Indira Gandhi wird von Mitgliedern der aufständischen Sikhs ermordet.
Blutige Unruhen im indischen Pandschab und Kaschmir. Indische Truppen zerstören den Goldenen Tempel von Amritsar, das Heiligtum der aufständischen Sikhs.
Tausende von Lastwagen in Frankreich, Österreich und am Brennerpaß legen den Frachtverkehr lahm. Sie demonstrieren gegen Schikanen und Bürokratismus der Zöllner an den Grenzen.
Churchills unterirdisches Hauptquartier in London aus dem Zweiten Weltkrieg wird Museum.
Tennisballgroße Hagelkörner (rund 700 g schwer) richten im Sommer in der Münchener Region Schäden von ca. 500 Millionen Mark an.
An einem Marathon-Lauf in New York nehmen 18.000 Läufer teil.
Der Modetanz “Brakedance” kommt aus den USA nach Europa.
Nach einem Unglück in einer Chemiefabrik im indischen Bhopal sterben über 3000 Menschen, über 20.000 erblinden und etwa 200.000 tragen sonstige Verletzungen davon.
Der schwarze südafrikanische Bischof Desmond Tulu erhält den Friedensnobelpreis.
Amerikanische Ärzte setzen einem Baby ein Affenherz ein. Das Baby stirbt kurze Zeit später.
Der 15-Stunden-Film “Heimat” von Edgar Reitz feiert auf der Biennale in Venedig sensationelle Erfolge.
Die Ostblockstaaten boykottieren die Olympischen Sommerspiele in Los Angeles.
Der Amerikaner Joe Kittinger überquert in seinem Ballon “Rosie O’Grady” im Alleingang den Atlantik.
+ Count Vasie, amerikanischer Jazzmusiker, verstirbt.
+ Dimitri Ustinow, sowjetischer Verteidigungsminister, verstirbt.
+ Martin Niemöller, Pastor, verstirbt.
1985
Der Limburger Dom -
spätromanischer Bau der Stauferzeit.
1985 feierte das Bistum Limburg das 750jährige Bestehen seiner ehemaligen Stiftskirche und jetzigen Kathedralkirche . Der in der Zeit des Franz von Assisi und des Kaisers Friedrich II. auf dem Lahnfelsen in Limburg erbaute Dom hat Kriege überlebt. Viele Bauleute, Restauratoren und Steinmetze, die sich im Laufe der Jahrhunderte an ihm zu schaffen machten, konnten im wesentlichen seiner Substanz nichts anhaben. Im Jubiläumsjahr erstrahlt er in neuem Glanz. Das bis ins 19. Jahrhundert fünftürmige Bauwerk (die zwei Flankentürme des Südquerhauses wurden erst 1863-65 hinzugefügt) mit einer interessanten Geschichte, ist ein Bau der rheinischen Spätromanik und dürfte gleichermaßen von den mormannisch-staufischen Bauten in Süditalien, wie von den nordfranzösischen Kathedralbauten beeinflußt worden sein. Er steht auf dem Boden von Vorgängerbauten, deren erster durch Erzbischof Hetti von Trier (814 - 847) geweiht wurde. Ein weiterer Bau oder Umbau könnte aus der Zeit des Grafen Konrad, genannt Kurzbold, aus dem Geschlecht der Konradiner stammen. Der heutige Dom dürfte um 1180 begonnen worden sein. Die Übertragung des Pfarraltares St. Nikolaus in die Stiftskirche 1235, wird als Datum der Vollendung und Weihe des Gotteshauses angesehen. Geringfügige Veränderungen gab es im Laufe der Zeit aus verschiedenen Gründen. So wurden mindestens zweimal die Hauptdächer (Langhaus, Querhaus, Chorraum) um etwa einen Meter erhöht und nach einem Brand durch Blitzschlag im Jahre 1774 die abgebrannte Dachhaube des Vierungsturmes um 6,50 Meter erhöht. Den schwersten Eingriff in das äußere Erscheinungsbild des Domes erlaubte man sich in den Jahren 1871 - 1877, aufgrund des Bauentwurfes von Jubert Stier 1870 und in den folgenden Jahren unter Baurat Wolff und den beiden Bauführern Augner und Junker, mit dem damals sehr umstrittenen Abschlagen des bemalten Außenverputzes. Fast ein Jahrhundert präsentierte sich der Dom im naturbelassenen Bruch- und Werksteinkleid, in dem er aber den Witterungseinflüssen zu stark ausgesetzt war, wodurch such schnell fortschreitender Steinzerfall einstellte. Das war Grund genug, den Dom in den Jahren 1970 - 73 wieder zu verputzen und in den Farbtönen von einst - Weiß und Rot - als Hauptgliederung des Baues, mit zusätzlichen Schmuckfarben wie gelber Ocker, Grau und Schwarz zu bemalen.
 Hohen Besuch hatte die Stadt Limburg anläßlich des Domjubiläums, denn kein Geringerer als Bundespräsident Richard von Weizsäcker weilte in den Mauern der Stadt. Hier ist er im Gespräch mit dem Limburger Bürgermeister Josef Kohlmaier (links), Bischof Prof. Dr. Franz Kamphaus und dem Hessischen Kultusminister Karl Schneider (rechts).
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Mutter Teresa, “Engel der Armen und Kranken” in Kalkutta, stattete dem Kreis Limburg-Weilburg einen kurzen Besuch ab. Zwei Maschinen der Elzer Segel- und Sportfliegergruppe holten die 76jährige Friedensnobelpreisträgerin aus Belgien ab. Von Elz ging es mit dem Auto nach Dietkirchen weiter. Sie betete am Grab des heiligen Lubentius, der vor 1000 Jahren den christlichen Glauben an die Lahn gebracht hatte. Weitere Stationen bei ihrer Rundreise waren der Limburger Dom und das St.-Vincenz-Krankenhaus Der Erste Kreisbeigeordnete Günter Schmitt, der Mutter Teresa begleitete, sprach tief beeindruckt von “einer schlichten Frau, die die ganze Welt beschenkt”. Er überreichte ihr in der St.-Lubentius-Kirche in Dietkirchen ein Erinnerungsgeschenk.
Die gute alte Zeit wird lebendig
650 Jahre Rohnstadt - das ließ sich der Weilmünsterer Ortsteil etwas kosten. Im historischen Festzug schwitzten die Bürger bei hochsommerlichen Temperaturen in ihren Gewändern und Uniformen. In Rohnstadt waren früher nur Bauern und Bergleute ansässig, was auch beim Festzug deutlich wurde. Historische Verkündigungen (Maulkorb einer Kuh gefunden - abzuholen beim Bürgermeister, Aufforderung zum Kartoffelkäfersuchen) lockerten auf und trugen zur Belustigung bei.
In der Ortsmitte “Auf der Linde” schwangen kräftige Männer den Dreschflegel. Der “Schellenmann” Ottmar Schäfer (links) schaut interessiert zu.
Neuer Kreistagsvorsitzender
Dr. Manfred Fluck, seit 1968 Mitglied des Kreistages, wird zum Vorsitzenden dieses Gremiums gewählt. Der SPD-Kommunalpolitiker tritt die Nachfolge von Hermann Bellinger (CDU) an. Die Wahl von Dr. Fluck spiegelte die geänderten Mehrheitsverhältnisse nach der Kreistagswahl wider. Die CDU hatte die absolute Mehrheit verloren, SPD und Grüne waren an der Verantwortung nun stärker beteiligt.
Weltchronik 1985
Der Parteichef der UdSSR, Konstantin Tschernenko, stirbt. Nachfolger wird Michael Gorbatschow.
Weinskandal in Österreich.
Gipfeltreffen zwischen Reagan und Gorbatschow in Genf.
Boris Becker (Bild) gewinnt als jüngster Spieler und erster Deutscher das Tennis-Finale in Wimbledon.
 Der Deutsche Klaus von Klitzing erhält den Nobelpreis für Physik.
Die deutschen Wissenschaftler Reinhard Furrer und Ernst Messerschmidt nehmen an der ersten unter deutscher Leitung stehenden Weltraummission teil.
Einem Bombenanschlag auf die Abflughalle des Frankfurter Flughafens fallen drei Personen zum Opfer.
Beim Fußball-Europapokalendspiel zwischen Turin und Liverpool in Brüssel finden 39 Zuschauer den Tod.
“Otto - Der Film” erfolgreichste Kinoproduktion in der Bundesrepublik Deutschland.
Erstmals übernehmen die Grünen Regierungsverantwortung. In einer Koalition mit der SPD in Hessen wird Joschka Fischer Umweltminister.
Arabische Terroristen bringen das Kreuzfahrtschiff “Achille Lauro” im Mittelmeer in ihre Gewalt und töten einen amerikanischen Passagier.
Radikale Schiiten kidnappen zwischen Athen und Rom ein amerikanisches Flugzeug. Die Passagiere - überwiegend Amerikaner - werden mehrere Wochen in Beirut gefangengehalten.
Der Spionage-Skandal Tiede schlägt in Bonn hohe Wellen. Der Mann vom Bundesamt für Verfassungsschutz läuft in die DDR über.
Bei einer Brandkatastrophe im Stadion von Bradford in England sind 53 Tote zu beklagen.
Bei einer Sturmflut in Bangladesch finden rund 40.000 Menschen den Tod; ca. 26.000 sterben bei einem Vulkanausbruch.
+ Heinrich Böll, deutscher Schriftsteller, verstirbt (Bild).

1986
Überraschung zum Jahresende
Am 19. Dezember war die politische Sensation perfekt. Obwohl die CDU im Kreistag nicht die Mehrheit besitzt, schaffte sie es mit Hilfe von zwei Abgeordneten der Koalition aus SPD und Grünen im zweiten Anlauf, ihren Kandidaten, den bisherigen Landrat Georg Wuermeling, für weiter sechs Jahre wiederzuwählen. Schon bei der Wahl des hauptamtlichen Ersten Beigeordneten Günter Schmitt Anfang des Jahres hatte die SPD das Nachsehen, als ebenfalls zwei Abgeordnete der Koalition die Gefolgschaft verweigerten.
In ein neues Zeitalter
Erst gewöhnten sich die Bundesbahnloks das Rauchen ab, dann wurde auch das Ende des Diesel-Zeitalters gefeiert. Am 20. September 1986 fuhr der erste von einer E-Lok gezogene Zug auf der elektrifizierten Bahnstrecke Limgurg - Niedernhausen. Auf allen Stationen wurde er vor allem von Vätern mit ihren Söhnen bewundert und gebührend begrüßt. Anfangs von den Politikern fast als Jahrhundertereignis angesehen, hat sich die Euphorie inzwischen gelegt, denn für die Pendler in das Rhein-Main-Gebiet ist die Fahrzeit kaum kürzer geworden.
 Wie hier auf dem Bahnhof in Bad Camberg säumten viele Schaulustige die Strecke Limburg - Niedernhausen, als die E-Lok ihre Jungfernfahrt antrat.
Eine Schaufensterleuchte war schuld am Theile-Brand
Ein Großband zerstörte am 3. August 1986 das Limburger Kaufhaus Theile. Für die rund 250 Blauröcke der 14 Feuerwehren war bereits am frühen Morgen die Sonntagsruhe wegen Großalarms zu Ende. Im Erdgeschoß war vermutlich durch eine überhitzte Schaufensterleuchte Feuer ausgebrochen. Während das 2. und 3. Obergeschoß, in dem sich Büros und Hausmeisterwohnung befanden, gerettet werden konnten, brannten die beiden unteren Etagen völlig aus. Die Hausmeisterfamilie entging nur knapp dem Flammentod. Über eine Drehleiter wurde sie von Feuerwehrmännern in Sicherheit gebracht, nachdem sie sich mit einem Bettlaken auf ein Vordach abgeseilt hatte. Der Gesamtschaden belief sich auf mehr als 10 Millionen Mark.
Vom Limburger Neumarkt aus bekämpft die Feuerwehr den Kaufhausbrand.
Ein runder Geburtstag
Die Herren trugen feierliches Schwarz, als am 19. April der Landkreis Limburg-Weilburg mit einem Festakt in der Sporthalle der Lahntalschule in Limburg die Serie seiner Veranstaltungen zum Doppeljubiläum anläßlich des 100- bzw. 120jährigen Bestehens der Altkreise Limburg und Oberlahn eröffnete.
Ins Goldene Buch des Kreises trugen sich die Grußredner beim Festakt ein. Das Bild zeigt von links: Landrat Willi Eiermann, Präsident des Hessischen Landkreistages, Prof. Dr. Eberhard Laux, Staatssekretär Andreas von Schöler vom Hessischen Innministerium, Staatssekretär Hans Neusel vom Bundes- innenministerium, Landrat Georg Wuermeling und Bürgermeister Robert Becker (Mengerskirchen).
Weltchronik 1986
Das zweite Gipfeltreffen zwischen Präsident Reagan und Parteichef Gorbatschow auf Island bringt keine Annäherung der unterschiedlichen Standpunkte.
Den Terroranschlägen der Rote-Armee-Fraktion (RAF) fallen der Siemens-Manager Beckurts und der Staatssekretär von Braunmühl zum Opfer.
Der russische Regimekritiker und Nobelpreisträger Andrej Sacharow kehrt nach siebenjähriger Verbannung in Gorki nach Moskau zurück.
Kampfflugzeuge der USA fliegen Bombenangriffe auf Libyen.
Der schwedische Ministerpräsident Olof Palme fällt einem Attentat zum Opfer.
Der Präsident der Philippinen, Marcos, muß nach dem Wahlbetrug und auf Druck der Bevölkerung das Land verlassen. Corazon Aquino wird seine Nachfolgerin.
Das Reaktorunglück im russischen Kraftwerk Tschernobyl erhöht die Strahlenmeßwerte auch bei uns erheblich und führt zur Verseuchung des Bodens und verschiedener Lebensmittel.
Die amerikanische Challenger-Rakete explodiert kurz nach dem Start; die siebenköpfige Besatzung findet dabei den Tod.
Walter Wallmann wird erster Umweltminister der Bundesrepublik Deutschland.
Von der am 14. April 1912 im Nordatlantik gesunkenen Titanic machen Taucher die ersten Aufnahmen.
Der Südtiroler Bergsteiger Reinhold Messner bezwingt als erster Mensch alle 14 Achttausender der Welt ohne Sauerstoffgerät.
Der Halleysche Komet fliegt nach rund 76 Jahren wieder an der Erde vorbei.
Die beiden Amerikaner Jeana Yeager und Dick Rutan fliegen Nonstop mit einem Superleichtflugzeug in neun Tagen um die Erde und legen dabei rund 44.000 Kilometer zurück.
Ein Brand im Chemie-Werk Sandoz in Basel führt zur Vergiftung des Rheins und hat katastrophale Auswirkungen für die Tier- und Pflanzenwelt des Flusses.
Die Bundesrepublik Deutschland wird in Mexiko Vizeweltmeister im Fußball hinter Titelträger Argentinien.
+ Benny Goodman, Jazzmusiker, verstirbt.
+ Samora Machel, Staatschef von Mosambik, verstirbt.
+ Rudolf Schock, deutscher Kammersänge, verstirbt.
+ Boy Gobert, Theaterintendant, verstirbt.
+ Lilli Palmer, deutsche Schauspielerin, verstirbt (Bild).

Josef Beuys, deutscher Künstler, verstirbt.
1987
Karlheinz Weimar zum hessischen Umweltminister berufen
Bundes- und Landespolitik waren die beherrschenden politischen Themen in den ersten vier Monaten. Am 25. Januar wurde der neue Bundestag gewählt. In unserem Kreis kamen bei den Erststimmen die CDU mit 52.066 Wählern auf 51,08 Prozent, die SPD mit 40.216 auf 39,46 Prozent, die FDP mit 3.131 auf 3,07 Prozent, die Grünen mit 5.487 auf 5,49 Prozent. Direkt gewählt wurden wiederum, Dr. Manfred Langner (CDU) aus Weilburg und Michael Jung aus Hangenmeilingen, der im Kreistag die Fraktion der CDU anführt. Jund wurde damit Nachfolger des langjährigen Bundestagsabgeordneten Benno Erhard aus Bad Schwalbach, der in der Regierung Kohl parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesinnenministerium der Justiz war.
Bei der Landtagswahl am 5. April wurde die CDU mit 46.208 Wählern und 48,01 Prozent erneut stärkste Partei im Kreis. Au die SPD entfielen 38.156 und 39,65 Prozentpunkte, auf die FDP 5.533 (5,75 v. H.) und die Grünen 6.148 (6.39 v. H.) Ähnlich erfolgreich waren CDU und FDP im ganzen Lande. Mit zwei Stimmen Mehrheit im Landtag lösten sie SPD und Grüne in der Regierungsverantwortung ab. Der neue Ministerpräsident Walter Wallmann berief am 23. April den Rechtsanwalt und langjährigen umweltpolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, den 37jährigen Karlheinz Weimar aus Odersbach, zum Umweltminister. Außer Weimar wurden erneut Wolfgang Ibel (CDU), Heribert Reitz und Gerhard Dann (beide SPD) ins Landesparlament gewählt.
Der neue Umweltminister Karlheinz Weimar räumt seinen Schreibtisch in seiner Anwaltskanzlei in Limburg.
8000 sangen in Lindenholzhausen
Fünf Tage war Lindenholzhausen der klingende Mittelpunkt der Sängerwelt. Etwa 8000 Sänger, Tänzer und Folkloregruppen aus 35 Ländern versammelten sich Ende Mai und Anfang Juni zum großen “Harmonie”-Festival. Ministerpräsident Walter Wallmann eröffnete das größte Sängerfest in der Bundesrepublik. Lindenholzhausen rüstet sich bereits für das nächste große internationale Freundschaftstreffen im Jahre 1992.
Stadthalle in Hadamar brannte ab
Brandstifter legten Ende Juli die Hadamarer Stadthalle mit dem Pfarrzentrum sowie der Gaststätte und der Kegelbahn in Schutt und Asche. Schaden: vier bis fünf Millionen Mark. Die Hadamarer Stadtväter gingen, nachdem sie sich von dem Schreck erholt hatten, unverzüglich an dei Planung undden Bau einer neuen Halle, die größer und schöner als das niedergebrannte Zentrum wurde. Sie wurde im Januar 1989 eingeweiht.
Bundespräsident von Weizsäcker besuchte
Weilburg, Hadamar und Camberg
Mehrere tausend begeisterte Menschen jubelten am 2. Juli in Weilburg Bundespräsident Richard von Weizsäcker zu, als er auf dem Marktplatz die Reihen der Bürgergarde abschnitt. Er setzte damit den krönenden Abschluß zu den Jubiläen des Kreises: 100 jahre Kreis Limburg - 120 Jahre Oberlahnkreis Der Hubschrauber mit Weizsäcker war am Leitzwerk Oberlahn gelandet, wo sich der hohe Gast aus Bonn die modernen Betriebseinrichtungen ansah. Nach Stippvisiten zur Liebfrauenkirche in Hadamar und Bad Camberg zum zum historischen Amthof kam er in die Residenzstadt. “Noch nie bin ich auf einem Marktplatz in Deutschland so grandios empfangen worden wie in Weilburg”, machte Weizsäcker der Stadt und ihrer Bürgern sein Kompliment. Er trug sich anschließend in das Kreisbuch und das Goldene Buch der Stadt ein. Bei dem Rundgang des Bundespräsidenten durch die Schloßanlagen hatten viele Menschen die Möglichkeit, sich von seiner Herzlichkeit zu überzeugen: er drückte Hände, lächelte und sprach mit Musikern der Weilburger Schloßkonzerte. Nach einem Empfang in der Stadtmitte kehrte von Weizsäcker zurück nach Bonn. Der geplante Besuch der Schloßkonzerte mußte ausfallen, weil ihm wegen der anschließenden Moskau-Reise die zeit drängte. Den Konzert-Besuch holte der Bundespräsident zusammen mit dem Luxemburger Großherzog Jean drei Jahre später nach.
Auf der Weilburger Marktplatz begrüßte Bürgergardehauptmann Ernst Krombach den Bundespräsidenten.
Georgsplakette
Ende April zeichnete Bischof Dr. Kamphaus neun Persönlichkeiten mit der Georgsplakette für besondere Verdienste um die Kirche im Bistum Limburg aus. Unter den Geehrten befand sich auch Hildegard Loew aus Weilmünster, Ehefrau des früheren Kreisbeigeordneten Dr. Erst Loew.
Steinplakette für Winkels
Aus Anlaß des 750jährigen Bestehens von Winkels wurde in dem Westerwalddorf im August groß gefeiert. Höhepunkt war ein historischer Umzug mit siebzig Motivwagen und Fußgruppen. Umweltminister Weimar brachte den Winkesern die Freiherr-vom-Stein-Plakette der hessischen Landesregierung mit, eine Delegation aus der Partnergemeinde Weser-Koggenland hatte 20.000 Tulpenzwiebeln im Gepäck. Unter den Gästen auch Kreuzbergs Bürgermeister Wolfgang Krüger, der daheim ebenfalls ein Riesenjubiläum feierte: auch Berlin war 750 Jahre alt geworden.
65.000 auf der WE-La-Ta
Vom 25. April bis 3. Mai war die Weilburger Regionalmesse WE-La-Ta (Westerwald-Lahn-Taunus-Ausstellung) der Anziehungspunkt für 65.000 Schau- und Kauflustige. In acht Hallen auf dem Gelände an der Hainkaserne stellten heimisches Gewerbe, Handwerk und Dienstleistung in einem großen Schaufenster ihre Leistungskraft unter Beweis.
Geburtstagsparty der Oldtimer
Tausende von Besuchern strömten am 23. Mai auf den Weilburger Marktplatz, um mit Oldtimern einen Oldtimer zu feiern. Das WEILBURGER TAGEBLATT hatte zu seinem 125. Geburtstag eingeladen, der Kreis machte mit mehreren Veranstaltungen darauf aufmerksam, daß vor 120 Jahren der Oberlahnkreis gegründet wurde. Bei soviel Nostalgie und geschichtlichem Rückblick paßte es genau, daß ausgerechnet an dem Jubiläumswochenende das Gordon-Bennett-Gedächtnisrennen durch den Taunus und über den Marktplatz führte, mitten durch die fröhliche Schar der Geburtstagsgäste.
Schöne alte Autos in einer schönen alten Residenzstadt.
Jubiläen bei Bahn und Post
Zum 200. Geburtstag des Weilburger Postgebäudes kam Bundespostminister Dr. Christian Schwarz-Schilling an die Lahn. Das Postgebäude diente in seiner Entstehungszeit auch als Rathaus und bot Postkutschen und Pferden Platz. 10.000 Menschen feierten das 125-jährige Bestehen der Lahntalbahn am Weilburger Bahnhof. Besonders reizvoll war für viele die Fahrt in dem neuen Triebwagen VT 628 auf der stillgelegten Strecke zwischen Weilburg und Freienfels. Es sollte die Abschlußfahrt auf der Weiltalstrecke sein, denn im Mai 1990 wurde mit dem Abbruch der Gleise zwischen Weilmünster und Weilburg begonnen.
Lahndampfer
Das Fahrgastschiff “Wappen von Limburg” startete am 25. April zur Jungfernfahrt. Das 32 Meter lange und fünf Meter breite Schiff mit Heimathafen Limburg verkehrt seitdem in den Sommermonaten regelmäßig auf der Lahn zwischen der Domstadt und Balduinstein - einem der landschaftlich schönsten Flußabschnitte.
Weltchronik 1987
Bei der Bundestagswahl am 25. Januar wird die Bonner Regierung unter Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl bestätigt. Die Mehrheit der Koalitionsparteien CDU/CSU und FDP schrumpfte zwar von 58 auf 41 Sitze, ist aber von so hohem Gewicht, daß Kohl eine klare Mehrheit verbleibt. Die DCU/CSU kommt auf 44,3 Prozent der Stimmen, die SPD auf 37, die FDP auf 9,1. Die Grünen sammeln 8,3 Prozentpunkte.
Die Angst vor Aids greift insbesondere in Europa um sich. Keine Zeitung, die nicht täglich Warnungen und Aufklärungen verbreitet.
In Moskau kündigt der Regimekritiker Andrej Sacharow an, die Ursachen des Reaktorunglücks von Tschernobyl erforschen zu wollen.
Smog über Norddeutschland. Die Behörden schlagen Alarm, in Hamburg wird ein Fahrverbot erlassen.
Nach der Hessenwahl vom 5. April sprechen Politiker und Kommentatoren von einem historischen Datum. Nach 41jähriger Regierungsverantwortung wird die SPD in die Opposition verbannt. Die CDU wird mit 41,2 Prozent stärkste Partei im lande, gefolgt von SPD (40,2), Grünen (9,4) und FDP (7,6). Unter Walter Wallmann bilden CDU und FDP am 23. April die neue Regierung in Wiesbaden. Die vorgezogene Wahl in Hessen wurde notwendig, nachdem nach der Bundestagswahl die Koalition SPD/Grüne zerbrochen und der grüne Umweltminister Fischer von Holger Börner entlassen worden war.
Bei einer Auktion in London erzielt ein Gemälde von Van Gogh die Rekordsumme von über 70 Millionen Mark.
Vor Zeebrugge kentert die britische Fähre “Herald of Free Enterprise”. 180 Menschen, meist Engländer sterben in den eisigen Fluten.
Bei den Alpinen Skiweltmeisterschaften in der Schweiz gewinnt Frank Wörndl überraschend den Spezialslalom.
Die bundesdeutsche Tennisspielerin Steffi Graf rückt mit ihrem Sieg über Chris Evert (USA) im Endspieldes des internationalen Damentennisturniers von Manhatten Beach an die erste Position der Computer-Weltrangliste im Damentennis.
Während schwerer Krawalle an der Startbahn West des Frankfurter Flughafens werden die beiden Polizeibeamten Klaus Eichhöfer und Thorsten Schwalm erschossen.
Größte innenpolitische Krise der Bundesrepublik: Schwere Anschuldigungen zwingen den schleswig-holsteinischen CDU-Ministerpräsidenten Uwe Barschel zum Rücktritt. Es stellt sich heraus, daß die Beschuldigungen im wesentlichen zutreffend sind und Barschel in vielen Punkten ehrenwörtlich die Unwahrheit gesagt hat. Am 11. Oktober 1989 wird er in einem Hotel in Genf tot aufgefunden (Bild).

+ Gustav Knuth, deutscher Schauspieler, verstirbt (Bild).

+ Bernhard Grizmek, ehemaliger Frankfurter Zoodirektor, verstirbt (Bild).

1988
Einsturzgefahr in der Weilburger Schloßkirche
Die Weilburger Schloßkirche mußte im Februar auf mehrere Jahre für Gottesdienste und andere Zusammenkünfte gesperrt werden, weil die Gefahr bestand, daß die gewaltige Kuppel des Sakrikalbaus einstürzte. Die angegriffene Bausubstanz wurde nach einer Untersuchung der Kuppel durch Fachleute sichtbar und danach gab es für die evangelische Kirchengemeinde nur noch eine Entscheidung: das Gotteshaus zu schließen, damit niemand durch herabfallende Konstruktionsteile gefährdet wird. Die Hoffnung des Vereins Weilburger Schloßkonzerte, schon nach ein bis zwei Jahren wieder in der Kirche musizieren zu können, erfüllten sich nicht, denn es folgten weitere Hiobsbotschaften. Die Bauarbeiter entdeckten bei der Restaurierung ständig neue Schäden. Der Zahn der Zeit hatte auch in den Hof- und Fürstenlogen genagt, die deshalb einzustürzen drohten. Die Kosten für die Sanierung des Gotteshauses gegen in die Millionen. Nachdem es als Denkmal von nationalem Rang eingestuft wurde, fließen auch Gelder aus Bonn. Unter dem Vorsitz des Landrats (zuerst Georg Wuermeling und dann nach seinem Tode Dr. Manfred Fluck) hat sich der Verein zur Rettung der Schloßkirche zum Ziel gesetzt, Spenden zu sammeln und um finanzielle Hilfen für die Instandsetzung zu werben.
Schweine auf dem Laufsteg
Einen hessischen Rekord vermeldete das Limburger Tierzuchtamt: dem zunehmenden Preisverfall für Schweinefleisch zum Trotz ging in der Limburger Markthalle de 400. Schweineauktion über die Bühne. Pro Jahr setzen die Landwirte hier für etwa drei Millionen Mark Borstenvieh um, die Domstadt ist dafür inzwischen Hessens größter Umschlagplatz. Züchter aus der gesamten Bundesrepublik kommen zu den Versteigerungen.
Neue Heimat für die Lehrerfortbildung
Hessens Kultusminister Dr. Christean Wagner weihte im März in Weilburg den Neubau des Hessischen Instituts für Lehrerfortbildung ein, ein 27,5 Millionen teurer Prachtbau. Bis zu 130 Pädagogen aus ganz Hessen frischen hier laufend ihr Wissen auf, das Institut setzt damit die pädagogische Tradition fort, wo bis in die sechziger Jahre Lehrer studierten. Die Stadt Weilburg hatte das Gelände, auf dem vormals das alte Krankenhaus gestanden hatte, kostenlos für den Neubau zur Verfügung gestellt.
Schadecker Landsknechte führten durchs Mittelalter
Die Schadecker Landsknechte beherrschten das Bild auf der 700-Jahr-Feier des Ortes vom 1. bis 11. Juli. Den Organisatoren gelang eine bunte Mischung aus historischem Ernst und zeitgenössischem Frohsinn. So verzauberten die Schadecker bei einem historischen Markttreiben die Besucher und stellten einen Festzug auf die Beine, bei dem die Zuschauer in frühere Jahrhunderte versetzt wurden. Auch mittelalterliche (Fr)eßgewohnheiten kamen nicht zu kurz: Bei dem von den Landsknechten vorbereiteten Mahl konnte jeder Gast wie die alten Ritter speisen.
Dienstältester Rathauschef im Ruhestand
Der dienstälteste Bürgermeister Hessens, Hubert Aumüller in Villmar, wurde nach 35 Dienstjahren in den Ruhestand verabschiedet, sein Nachfolger Manfred Schmidt vereidigt. Bei der feierlichen Verabschiedung erhielt Aumüller die Freiherr-vom-Stein-Plakette, die höchste in Hessen zu vergebende Auszeichnung. Wachablösung auch im Weilmünsterer Rathaus: nach 30jähriger Amtszeit ging Waldemar Windmeier in Pension, sein Nachfolger wurde Klaus Pfeiffer. Wiedergewählt wurde der seit 18 Jahren in Merenberg amtierende Bürgermeister Erich Meuser. Ohne Bürgermeister standen plötzlich die Waldbrunner da, als die Verfehlungen von Norbert Jeuck bekannt wurden und dieser vom Dienst suspendiert wurde.
Historische Garden marschierten
Ein bunter Zug historischer Garden fürhte durch die barocke Residenzstadt. Zwei Tage feierte die Weilburger Bürgergarde das 175jährige Bestehen mit mehr als 400 Angehörigen befreundeter Traditionsvereine.
8.8.88
Am 8.8.88 standen die Heiratswilligen Schlange in den Standesämtern, um den Bund fürs Leben zu schließen. Um den wichtigsten Tag im Leben auch an einem würdigen Datum zu begehen, war dieser Montag im August genau der richtige - und das nicht nur, weil so der Hochzeitstag nicht so leicht vergessen geht. Der große Tag der Acht bescherte aber auch den Postbeamten einen Massenansturm. Briefmarkenfreunde rannten ihnen vor allem zwischen 8 und 8.59 Uhr die Schalter ein, denn in dieser Stunde prangten die meisten Achten auf den Postwertzeichen.
LM-AA salonfähig
Heiß begehrt, aber lange verboten: Das Autokennzeichen mit der beziehungsreichen Buchstabenkombination “LM-AA” wurde im August wieder zugelassen. Die Liebhaber des deftigen Zitats machten sofort regen Gebrauch von der Möglichkeit, per Nummernschild ihren Zeitgenossen zu zeigen, was sie von ihnen halten. Der Kreis machte damit Schlagzeilen in der gesamten Bundesrepublik.
Wehren aus ganz Hessen übten in der Kreisstadt
Fast 15.000 Feuerwehrmänner und -frauen kamen zum 13. Hessischen Feuerwehrtag nach Limburg. Das bislang größte Treffen dieser Art, zu dem auch Hessens Innenminister Gottfried Milde in die Kreisstadt kam, stand im Zeichen des vorbildlichen Einsatzes der Brandschützer für die Sicherheit ihrer Mitmenschen. Mit einer Vielzahl von Wettkämpfen, Übungen und Vorführungen demonstrierten die Wehren aus allen Teilen des Landes ihren hervorragenden Ausbildungsstand. Bei den Leistungsvergleichen der hessischen Wehren schnitten die heimischen Blauröcke hervorragend ab: die Obertiefenbacher Männer landeten auf dem sechsten Platz, ihre Buben sicherten sich Rang drei und die Kirberger Mädchen siegten gar bei den Nachwuchswettbewerben. Im Mittelpunkt des Interesses stand die technische Ausrüstung der Wehren. Immer mehr Aufgaben müssen die Männer und Frauen übernehmen, die Gefahren für die Brandschützer wachsen dabei ständig. Vor allem der Transport von Gefahrgütern stellt die Mannschaften vor große Probleme. Zum Abschluß des Feuerwehrtages zogen Musikkapellen zum Teil in historischen Uniformen durch die Straßen. Von allen Beteiligten gab es dann großes Lob für die Organisation.
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Viele Zuschauer verfolgten die brandhistorischen Übungen vor der Limburger Feuerwache.
600. Geburtstag von Haintchen
Ganz Haintchen war auf den Beinen, als anläßlich des 600. Geburtstages des Taunusortes ein Festzug durch den Straßen unterwegs war. Beim Festkommers trat auch eine Tanzgruppe aus dem afrikanischen Malawi auf.
Wertverlust
Der Limburger Dom zierte bislang des Deutschen beliebtestes Stück Papier: den Tausend-Mark-Schein. Dies wird sich ändern: die Bundesbank will den Georgs-Dom gegen ein anderes Motiv auswechseln.
Weltchronik 1988
Mit deutlicher Mehrheit wird der Republikaner George Bush zum 41. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt.
Nach einem Eklat um seine Gedenkrede zum 50. Jahrestag der Novemberpogrome durch die Nationalsozialisten tritt Bundespräsident Philipp Jenninger zurück.
24. Olympischen Spiele in Seoul. Durch den Dopingfall von Ben Johnson (100 Meter in 9,79 Sekunden) geraten die internationalen Wettkämpfe ins Zwielicht.
Drei Tage lang halten die zwei Gladbecker Geiselgangster auf ihrer Irrfahrt die gesamte Bundespolizei in Atem. Die Bilanz: drei Tote und heftige Kritik an Polizei und Journalisten (Bild).

Der Hormonskandal läßt den Kalbfleischmarkt zusammenbrechen.
Nach acht Jahren tritt im Golfkrieg zwischen Iran und Irak auf Vermittlung der UNO ein Waffenstillstand ein.
In der Sowjetunion feiert die russisch-orthodoxe Kirche ihr 1000jähriges Bestehen.
An der bundesdeutschen Nordseeküste sterben etwa 3000 Seehunde. Experten machen die Verschmutzung des Meeres dafür verantwortlich.
Die SPD feiert ihr 125jähriges Bestehen.
Kanellos Kanellopoulos fliegt mit einem nur 32 kg schweren Tretflugzeug von Kreta nach Santorin (119 Kilometer in knapp 4 Stunden). Noch nie ist eine Mensch mit Muskelkraft so weit geflogen.
Vor 25 Jahren wurde der deutsch-französische Freundschaftsvertrag unterzeichnet.
Vor der schottischen Küste explodiert die Ölplattform “Piper Alpha”. 167 Menschen kommen ums Leben.
Politischer Hickhack um die Hanauer Atomfabrik Nukem. Auf undurchsichtige Geschäfte mit spaltbaren Materialien reagieren die Behörden mit Stillegungsbescheiden. Nukem stellt schließlich die Brennelementproduktion ein.
Bei einem Grubenunglück in Borken (Nordhessen) werden 57 Bergleute verschüttet. Nur sechs können gerettet werden.
70 Menschen kommen in einem Feuerball um, den eine italienischer Jet beim Absturz in die 350.000köpfige Zuschauermenge beim Flugtag in Ramstein entfachte.
Der Hoechst-Manager Rudolf Cordes wird in Beirut nach 605tägiger Geiselhaft in Händen von Hisbollah-Schiiten freigelassen.
Alle 290 Insassen eines israelischen Verkehrsflugzeuges kommen ums Leben, als die Maschine von US-Raketen abgeschossen wird. Der Airbus war nach offizhiellen Angaben mit einem F-14-Bomber verwechselt worden.
Ein furchtbares Erdbeben sucht Armenien heim. Fast 25.000 Opfer sind zu beklagen.
+ Franz-Josef Strauß, deutscher Politiker, verstirbt (Bild).

+ Christina Onassis, Frau des griechischen Milliardärs und Großreeders, verstirbt.
+ Gerd Fröbe, deutscher Schauspieler, verstirbt.
+ Enzo Ferrari, italienischer Automobilhersteller, verstirbt.
+ Joseph Kardinal Höffner, verstirbt.
+ Fred Astaire, Tänzer und Schauspieler, verstirbt.
+ Peter Lorenz, deutscher Politiker, verstirbt.
+ Andy Warhol, Maler, verstirbt.
1989
Kreistagswahl: Klare rot-grüne Mehrheit
Die hessischen Kommunalwahlen verliefen im März auch im Kreis Limburg-Weilburg im Trend. Die CDU mußte nach dem Verlust der absoluten Mehrheit vor vielen Jahren weitere Einbußen hinnehmen. Sie gab zwei Sitze an die SPD und die Grünen ab, die im letzten Kreistag zusammenarbeiteten und jetzt eine deutliche Mehrheit haben. SPD und CDU erhielten jeweils 33 Mandate, die Grünen sind mit fünf Abgeordneten im Kreistag vertreten. Die Christdemokraten büßten verwiegend in Städten und Gemeinden Stimmen ein, wo sie stark vertreten waren. Den größten Absturz erlebten sie in Waldbrunn mit 14,2 Prozent, eine Spätfolge der Affäre um den wegen Unregelmäßigkeiten im Rathaus vom Dienst suspendierten Bürgermeister Jeuck. Aber auch in Hadamar rauschte es mit über elf Prozent minus gewaltig. Die SPD verzeichnete bis auf Runkel, Limburg und Merenberg Zuwachs, der mit 4,2 Prozent in Bad Camberg am deutlichsten war. Auch die Grünen verzeichneten bei der Kreistagswahl deutliche Stimmengewinne, am meisten in Hadamar mit 4, Prozent. Gab es bei der Kreistagswahl einen durchwegs einheitlichen Trend, so waren die Ergebnisse aus den Gemeinden sehr unterschiedlich. Die Christdemokraten hatten in Selters und Mengerskirchen Grund zur Freude, dort konnten sie ihre Position dank der Bürgermeister Zabel und Becker ausbauen. Dagegen gingen die absoluten Mehrheiten in Waldbrunn, Bad Camberg, Beselich und Hadamar verloren. Die SPD konnte sich in Weilburg über die Rückgewinnung der absoluten Mehrheit freuen und legte auch in ihren Hochburgen (so Villmar 64 Prozent, Lohnberg 67,5 und Weinbach 65 Prozent) noch einmal zu. Die Grünen schafften den Sprung ins Runkeler Parlament sowie in die Gemeindevertretung von Weilmünster. Die FDP tröstete sich mit dem Einzug in das Parlament von Beselich.
Hultsch brannte
Ein Feuer, das an den großen Bürgerhausbrand im Jahre 1972 erinnerte, legte am 27. Februar die Weilburger Firma Hultsch - ein Unternehmen der Stixi-Gruppe - in Schutt und Asche. Eine Produktions- und eine Lagerhalle wurden vernichtet, es entstand ein Schaden von über zwanzig Millionen Mark. Die Produktion wurde durch den Brand lahmgelegt, 220 Beschäftigte waren davon betroffen.
Wechsel an der Kreisspitze
Ein SPD-Landrat regiert
Das zweite rot-grüne Bündnis im Kreistag bestand seine Bewährungsprobe. Der Limburger Rechtsanwalt und Notar Dr. Manfred Fluck (SPD) wurde im Juli zu neuen Landrat gewählt. Erste Beigeordnete und Nachfolgerin von Günter Schmitt wurde die Diplom-Bibliothekarin Gerda Pfahl von den Grünen. Was vor vier Jahren in greifbare Nähe gerückt schien, wurde jetzt Wirklichkeit: Eine rot-grüne Regierungsmannschaft zog in das Kreishaus ein. Vor der Wahl hatten harte Wortgefechte zwischen der Regierungskoalition und Opposition die Debatte im Kreisparlament bestimmt. Dr. Fluck versprach nach seiner Wahl, es werde keine “Revollution im Kreishaus” geben.
 Gerda Pfahl nimmt die Glückwünsche von Dr. Manfred Fluck zu ihrer Wahl entgegen.
Der Tod von Georg Wuermeling löste tiefe Betroffenheit aus
Tiefe Betroffenheit löste im Lande der Tod von Georg Wuermeling aus. In der Nacht zum 28. August starb er im Alter von 59 Jahren in der Gießener Universitätsklinik nach einem Riß in der Aorta. Er hatte vormittags noch den Gottesdienst im Limburger Dom gesucht und war kurze Zeit später zusammengebrochen, als er sein Wohnhaus beitrat. Der CDU-Politiker hatte seit 1975 an der Spitze des Kreises gestanden und sich große Verdienste beim Zusammenwachsen der so unterschiedlichen Kreisteile Limburg und Oberlahn erworben. Trotz der unterschiedlichen Arbeit für bessere Lebensverhältnisse der Menschen in Limburg-Weilburg kam plötzlich das Ende der Amtszeit im Kreishaus: nach der Kreistagswahl gab es eine rot-grüne Mehrheit, die Georg Wuermeling im Juli aus seinem Amt abwählte. Während der Trauerfeier im Georgs-Dom würdigte Ministerpräsident Walter Wallmann die Leistungen es ehemaligen Landrates. Wuermeling, der 1930 in Berlin geboren wurde, war nach seiner Ausbildung zum Juristen zunächst Stadtdirektor von Werne, bevor er zum Landrat gewählt wurde. Der machte sich als Präsident des Hessischen Landkreistages und Vizepräsident des Deutschen Landkreistages sowie als Mitglied des Bundesstrukturausschusses der CDU einen Namen weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus. Kurz vor seinem Tod hatte er noch die Präsidentschaft des Hessischen Heimatbundes übernommen.
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Ministerpräsident Walter Wallmann hielt im Limburger Dom die Trauerrede.
Die Übersiedler-Welle erfaßt auch den
Kreis Limburg-Weilburg
Dramatische Szenen spielten sich im Spätsommer und Herbst an der ungarisch-österreichischen Grenze, vor den Botschaftsgebäuden in Prag, Warschau und Budapest sowie in vielen Städten der DDT (besonders bei den Montags-Demonstrationen in Leipzig) ab: Hunderttausende von Bürgern des Arbeiter- und Bauernstaates flüchteten, noch mehr gingen auf die Straße. Ihre sanfte Revolution bewirkte unglaublich rasch Veränderungen auf dem Weg zu mehr Freiheit, Demokratie und der Einheit Deutschlands. Im Oktober feierte sich noch das SED-Regime zum 40. Jahrestag der DDR-Gründung, spätestens am 9. November, als die Grenzen geöffnet wurden, war es im Ende. An den Wochenenden rollte eine Trabbi-Welle nach der anderen mit Besuchern von drüben in das Bundesgebiet, begleitet von viel Sympathie und Hilfsbereitschaft. Trotz dieser erfreulichen Entwicklung riß der Strom der Übersiedler aus dem anderen deutschen Staat nicht ab. Weil die Quartiere knapp wurden, mietete das Land Hessen dreißig Häuser des Feriendorfes am Seeweiher an und stellte den Lehrbetrieb am Hessischen Institut für Lehrerfortbildung vorübergehend ein, damit dort achtzig Übersiedler einziehen konnten.
Diese drei jungen Männer siedelten wie so viele mit ihrem Trabbi um und kamen im Feriendorf Seeweiher gut unter.
Ende November lebten 1.371 Aus- und Übersiedler im Kreis, damit war die Grenze der Aufnahmekapazität fast erreicht: in Weilburg wohnten 164 Neubürger aus dem Osten, in Ahausen 42, in Drommershausen 41, in Hasselbach 96, im Weilmünster 33, im Laimbach 22, in Gräveneck 37, in Aumenau 86, in Hausen 12, in Hintermeilingen 49, in Offheim 72, in Merenberg 42, in Barig-Selbenhausen 35, in Waldernbach 143, in Probbach 15, in Frickhofen 4 , in Dorndorf 41, in Heuchelheim 5, in Dorchheim 54, in Hadamar 30, in Oberzeuzheim 73, in Würges 34 und auf Schloß Dehrn 90.
Weilburg weiht Marktplatz und Altes Rathaus ein
Der Weilburger Marktplatz ist für Damen mit Stöckelschuhen wieder passierbar, seitdem er neues Basaltpflaster bekommen hat. Die Stadt ließ sich die Neugestaltung 1,2 Millionen Mark kosten. Mit der Einweihung wurde das mit einem Aufwand von 2,7 Millionen Mark sanierte Alte Rathaus für repräsentative Zwecke seiner Bestimmung übergeben. Gleichzeitig öffnete hier ein Café seine Pfoten. In die Freude über die Freigabe des städtischen Mittelpunkts mischten sich Kritik, weil die Autos vom Marktplatz verbannt wurden. Ein Streit, der zum Dauerthema in der Bevölkerung und den politischen Parteien wurde.
Die Schnellbahn kommt
Das Bonner Kabinett fällte die mit Spannung erwartete Entscheidung über den Trassenverlauf der Schnellbahn Köln-Frankfurt. Ab 1998 sollen die Hochgeschwindigkeitszüge über den Westerwald brausen. Damit machte sich die Bundesregierung die von der Bahn favorisierte Trasse zu eigen, die mit 4,5 Milliarden Mark die kostengünstigste ist. Wegen des anhaltenden Widerstandes aus Rheinland-Pfalz taten sich die Bonner Politiker schwer, gleich auch den Haltepunkt Limburg festzulegen, der für die Entwicklung der mittelhessischen Region wichtig ist.
Strom aus Müll
Auf der Kreismülldeponie in Beselich kam im Juli ein neues Kraftwerk seinen Betrieb auf, in dem aus Müll Strom erzeugt wird. Das 9,5-Millionen-Mark-Projekt, das die Main-Kraftwerke errichteten, kann 2000 Haushalte mir Energie versorgen.. Die Anlage wandelt das in der Deponie entstehende Methangas in Strom um.
Giftgasalarm
Ein Feuer im Limburger Rathaus hat in der Nacht zum 25. Oktober einen Millionenschaden verursacht und die gesamte EDV-Anlage lahmgelegt. Das Rathaus blieb wegen möglicher freigewordener Giftgase und der gefürchteten Dioxine für zwei Wochen gesperrt. Die Dienststellen wurden evakuiert. Ein 32jähriger Limburger gestand, das Feuer gelegt zu haben.
Weltchronik 1989
95 Tote fordert eine Panik im mit 54.000 Fans überfüllten Sheffielder Fußballstadion in Großbritannien.
Die Bundesrepublik feiert 40 Jahre Grundgesetz.
Rumänien erkämpft sich die Freiheit. Der langjährige Diktator Nicolae Ceausescu und seine Frau werden hingerichtet.
Das Verbot des Treibgases FCKW in Spraydosen, das mitverantwortlich für den Treibhauseffekt gemacht wird, soll der drohenden Klimakatastrophe auf der Erde Einhalt gebieten.
Mit einem Blutbad ersticken die chinesischen Machthaber die Demokratiebewegung ihres Volkes.
Die verlängerten Ladenöffnungszeiten bis 20.30 Uhr an Donnerstagen bleiben umstritten.
Bei einem RAF-Attentat stirbt der Bankier Alfred Herrhausen (Bild).

Die polnische Gewerkschaft “Solidarität” ist offiziell wieder zugelassen. Seit der Verhängung des Kriegsrechts 1981 arbeiteten die 6.000 Mitglieder illegal im Untergrund weiter.
Die Stromkonzerne geben den Bau der umstrittenen atomaren Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf auf.
Steffi Graf und Boris Becker gewinnen beide Einzelfinalspiele bei den Internationalen Tennismeisterschaften von England in Wimbledon.
“Heiliger Zorn”: Ayarollah Khomeini verurteilt den Autor der “Satanischen Verse”, Salman Rushdie, zum Tode. Der taucht unter.
Zehntausende von DDR-Bürgern kommen in der größten Massenfluchtwelle seit dem Mauerbau über Ungarn in die Bundesrepublik.
Vorübergehender Führungswechsel in der DDR: Krenz ersetzt Honecker.
9. November: Nach 28 Jahren öffnet sich das Symbol der deutschen Trennung, die Berliner Mauer. Die SED verliert ihren politischen Einfluß. Die alte Garde der Honecker-Ära wird demontiert. Stimmen nach der Wiedervereinigung Deutschlands werden in Ost und West immer lauter (Bild).

Der letzte sowjetische Soldat verläßt Afghanistan.
Der Supertanker ”Exxon Valdez” schlägt leck und verursacht eine Umweltkatastrophe vor Alaska. Dabei laufen 44.000 Tonnen Öl aus und verseuchen die Küste auf mehr als 1100 Kilometer Länge.
Erstmals in der deutschen Geschichte wird eine Regierung gebildet, der mehr Frauen als Männer angehören: der Berliner Senat.
+ Salvator Dali, Maler, verstirbt
+ Hoimar von Ditfurth, Naturwissenschaftler, verstirbt.
+ Max Grundig, Unternehmer, verstirbt.
+ Kaiser Hirohito von Japan verstirbt.
+ Vladimir Horowitz, Pianist, verstirbt.
+ Herbert von Karajan, Dirigent, (Bild) verstirbt.

1990
Fünf Orkane wüteten im Taunus und Westerwald
Kahlschlag im Wald bei Mengerskirchen. Bürgermeister Becker rief zu einer Baumspende auf, um die Wiederaufforstung zu beschleunigen.
Fünf Orkane richteten im Februar und Anfang März in Taunus und Westerwald riesige Schäden, besonders in den Wäldern an. Bäume blockierten Straßen, Dächer wurden bei Windstärke 12 abgedeckt, Stromleitungen zerstört, Fensterscheiben eingedrückt und Antennen geknickt, Zugverspätungen waren an der Tagesordnung. Nach dem Sturm kam das Hochwasser und sorgten Schneeverwehungen auf dem Hohen Westerwald für weiter Probleme. Der fünfte Orkan mit dem Namen “Wibke” tobte am schlimmsten. laut Auskunft der Wetterstation Bad Marienberg wurden 130 Kilometer Pro Stunde gemessen. Polizei, Feuerwehren, Forstleute und andere Hilfskräfte mußten Schwerstarbeit verrichten. Besonders auf dem Westerwald bot sich ein Bild der Verwüstung. Ganze Bestände im Menerskirchener Gemeindewald - wie das Waldstück Buchwald - hat der Orkan umgepustet. Auch die Fichtenbestände am Knoten und anderen Waldgebieten haben arg gelitten.
Limburger HC Deutscher Meister
Am 25. März um 16.15 Uhr war der Limburger Hockey-Club am Ziel aller Träume: Durch einen 7:6-Finalsieg gegen Rot Weiß Köln sicherte er sich zum zweiten Mal in seiner Vereinsgeschichte nach 1985 den Titel eines deutschen Hallenhockeymeisters. Die Mannschaft beeindruckte in der packenden Begegnung in Höchst durch Zweikampfstärke und eine großartige Teamleistung. Die Experten waren sich einig: Der Titel ist verdient.
Landrat protestiert auf der Hardthöhe
Da alle bisherigen Proteste gegen den unerträglichen Fluglärm von Militärmaschinen in der Region ohne Erfolg verhallt waren, führ Landrat Dr. Manfred Fluck zusammen mit einem Bus voll aufgebrachter Frauen und Männer zu einer Protestaktion nach Bonn. Dort verlangte er im Verteidigungsministerium unmißverständlich, die “vorsätzlichen Körperverletzungen” der im Kreis lebenden Menschen durch die Piloten der alliierten Luftwaffe unverzüglich einzustellen.
Limburg-Weilburg und Kreuzberg:
10 Jahre partnerschaftlich verbunden
Locker und fröhlich, wie es unter guten Freunden üblich ist, feierten zwischen Fronleichnam und 17. Juni der Kreis Limburg-Weilburg und der Berliner Bezirk Kreuzberg das zehnjährige Bestehen ihrer Partnerschaft. Insbesondere am 16. Juni lag “Musik in der Luft”. In Niederbrechen, Runkel, Obertiefenbach, Weilburg, Hangenmeilingen und Frickhofen, wo die Berliner Delegation in Begleitung von Landrat Dr. Manfred Fluck und Kreispolitikern in einem doppelstöckigen Oldtimer-Bus vorfuhren und dort von den örtlichen Bürgermeistern, von Chören und Orchestern stimmungsvoll empfangen wurden, erklangen altbekannte Berliner Melodien. Auf dem Programm auch ein Abstecher nach Bauborn mit “Dawener” Kostprobe und - zum Auftakt - ein festlicher Empfang im Elzer Hotel Schäfer mit Austausch von Gastgeschenken. Die Verbindungen mit dem Berliner Bezirk wurden nach dem Mauerbau 1961 geknüpft, als Kinder jeden Sommer zu kostenlosen Ferienaufenthalten in das Weilburger Land eingeladen wurden. Im Laufe der Jahre entstanden viele Freundschaften, die 1980 auf offizieller Ebene besiegelt wurden. Die Zeiten haben sich geändert: war Kreuzberg durch die Teilung Berlins an die Randlage gedrängt, befindet es sich nach der Vereinigung der Stadt wieder im Herzen der Stadt.
Königliche Hoheiten lassen bitten
Weilburg sonnte sich im Glanz von zwei Staatsoberhäuptern
Zwei Staatsoberhäupter hatte Weilburg am 9. Juni zu Gast: Großherzog Jean von Luxemburg und Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Mit ihnen waren der Premierminister des Großherzogtums, Jaques Santer, der hessische Ministerpräsident Dr. Walter Wallmann neben vielen anderen Gästen aus Politik und Wirtschaft in die Residenzstadt gekommen, der an diesem Tag die Aufmerksamkeit der Medien bundesweit sicher war.
Anlaß war ein Thronjubiläum: 1890 hatte der letzte Herzog von Nassau, Adolph, die Regentschaft in Luxemburg übernommen. In Weilburg steht das Stammschloß der Dynastie Nassau-Luxemburg, und in der Fürstengruft unter der Schloßkirche hat Adolph seine letzte Ruhestätte gefunden. Ministerpräsident Wallmann überreichte Großherzog Jean und seiner Gemahlin, Großherzogin Joesphine-Charlotte, ein beziehungsreiches Geschenk: die königlichen Hoheiten erhielten zur Erinnerung an ihre Visite im Land und an der früheren Wirkungsstätte ihrer adeligen Vorfahren das Hausarchiv der Nassauer Fürsten - vom hessischen Staatsarchiv auf Mikrofilm
Das Luxemburger Fürstenpaar (im Vordergrund) genoß in Weilburg das “Bad in der Menge”.
übertragen. Vor dem Eintreffen in Weilburg gesuchten die Regenten aus dem Großherzogtum das Wiesbadener Schloß Biebrich, wo Adolph - der Urgroßvater von Jean - bis 1866 regiert hatte, und die griechische Kapelle auf dem Neroberg, die Mitte des vergangenen Jahrhunderts im Auftrage Adolphs als Grabeskirche für seine erste Gemahlin, die russische Prinzessin Elisabetha Michailowna, erbaut worden war. Die Weilburger bereiteten dem Luxemburger Fürstenpaar auf dem Marktplatz einen herzlichen Empfang. Trotz Regens hatten sich rund tausend Menschen mit der Bürgergarde, die in ihren nassauischen Uniformen angetreten war, eingefunden. Auch beim anschließenden Gang durch die Innenstadt zum Schloßhotel, wo die Königlichen Hoheiten übernachteten, begleitete sie viel Applaus. Auf dem Schloßplatz pflanzte Großherzog Jean eine Linde, in der Stadthalle eröffnete er die Ausstellung “100 Jahre Luxemburger Herrscher aus dem Hause Nassau”.
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Bundespräsident von Weizsäcker mit den Königlichen Hoheiten und Bürgermeister Olschewski (in Amts- kette) beim Empfang im Schloß.
Abends erlebte Weilburg einen glanzvollen Empfang im Schloß mit Gästen aus Adel, Politik und Hochfinanz, zu dem sich auch Bundespräsident von Weizsäcker mit seiner Frau Marianne gesellte.
Sportzentrum in Bad Camberg
Rechtzeitig zu Beginn des neuen Schuljahres 1990/91 konnte in Bad Camberg das neue Sportzentrum fertiggestellt werden. Die immerhin vier Millionen Mark teure Anlage umfaßt einen Rasenplatz, eine Rundbahn, weitere leichtathletische Anlagen sowie ein Sportheim für den SV Bad Camberg. Die Kreissportanlage wird sowohl dem Schul- wie auch dem Vereinssport zugänglich sein. Zu den Besonderheiten gehört eine 80.000 Liter fassende Abwasserzisterne, die als Sammler für das Oberflächenwasser dienen und damit zugleich die Berieselungsanlage bedienen soll.
450jährige Schultradition - das Weilburger Gymnasium
Das Weilburger Gymnasium feiert 1990 das Jubiläum seines 450jährigen Bestehens. Die Schule wurde 1540 gegründet - im Zeitalter der Reformation als evangelische städtische Lateinschule. Wo die ersten Unterrichtsgebäude standen, ist nicht genau bekannt. Das erste, von dem wir wissen, stand in der Schulgasse. Genauere Angaben gibt es seit 1761: ab diesem Jahr erschienen die Schulprogramme, die regelmäßig über das Geschehen an der Schule berichteten. 1764 erhielt die Anstalt den Namen Gymnasium und 1780 ein neues, repräsentatives Gebäude: in der Mauerstraße. Erst 1965 wurde dieser Standort aufgegeben. Die Adresse lautet seitdem Lessingstraße 33 (auf dem Karlsberg). Von 1817 bis 1844 erlebte die Schule einen Höhepunkt ihres Bestehens: Sie war in diesen 27 Jahren die einzige höhere Lehranstalt im ganzen Lande Nassau. Wiesbadener, die in diesem Kleinstaat das Abitur machen wollten, konnten dies in diesem Zeitraum nur in Weilburg tun. Das Weilburger Gymnasium wurde 1866 preußisch und 1945 hessisch. 1950 erhielt es den Namen Gymnasium Philippinum - nach dem Gründer Philipp III. von Nassau-Weilburg. Erst seit 1920 konnten auch Mädchen die Schule besuchen, 1927 machte die erste Schülerin das Abitur. 1928 erhielt die Schule elektrisches Licht. 1941 war Griechisch zum letzten Mal Pflichtfach im Abitur. Bis 1940 stieg die Schülerzahl nie über 250. Heute besuchen rund 1300 Jungen und Mädchen das Philippinum.
Vier Dörfer 1200 Jahre alt
König Karl, dem späteren Kaiser Karl dem Großen, haben es die Ennericher, Heringer, Weyerer und Niederzeuzheimer zu verdanken, daß sie 1990 das 1200jährige Bestehen ihrer Gemeinden feiern. Der König der Franken und Langobarden und römischer Patritius war es, der diese und weitere Orte außerhalb unseres Kreises im Jahre 790 dem Kloster Prüm schenkte und dies in einer Urkunde festhalten ließ. Sie ist bis heute ältestes Zeugnis für die Existenz der Dörfer.
In Theater- und Musikaufführungen sowie historischen Festzügen blicken die vier Ortschaften auf ihre stolze Vergangenheit zurück. Die Jubiläumsdörfer dokumentieren in bemerkenswerten Veröffentlichungen ihre bewegte Geschichte.
Unser Kreis hilf Greiz
Greiz liegt in einer Mittelgebirgslandschaft, die an Taunus und Westerwald erinnert.
Die von der Bevölkerung der DDR in die Wege geleitete Wiedervereinigung Deutschlands führte schon im Januar den vogtländischen Kreis Greiz und den Landkreis Limburg-Weilburg freundschaftlich zusammen. Seitdem vertiefen die Kontakte sich, und Landrat Dr. Manfred Fluck vereinbarte mit seinem Greizer Kollegen Seiffert enge Zusammenarbeit mit dem Ziel, dem 56.000-Einwohner-Kreis im Süden Thüringens nach Kräften zu helfen, eine leistungsfähige Verwaltung aufzubauen. Beamte beider Verwaltungen tauschen Fachwissen und Erfahrungen aus, auf der Landratsebene finden für beide Seiten Begegnungen mit guten Ergebnissen statt, und es bahnen sich darüber hinaus kirchliche, wirtschaftliche und freundschaftliche Bindungen innerhalb der Bevölkerung an. So weilte der Greizer Landrat Seiffert mit seiner Familie Anfang August für 14 Tage zum Urlaub im Kreisgebiet. Er betrachtet sich nun als Werbeträger für einen erholsamen Urlaub in der guten Luft des Feriengebietes Westerwald-Taunus. Ein gegenseitiger Urlaubsaustausch dürfte sowohl im Interesse der Bewohner des vogtländischen als auch des Kreises Limburg-Weilburg sein.
Weltchronik 1990
Die Unabhängigkeitsbewegungen in der Sowjetunion drohen das Riesenreich auseinanderbrechen zu lassen und stellen Präsident Gorbatschow und seine Reformbemühungen auf eine harte Probe.
Nelson Mandela (Bild), Symbolfigur der Schwarzen gegen die Rassentrennung im Apartheitsstaat Südafrika, wird nach 27 Jahren Haft freigelassen.

Die Bonner Koalition erklärt sich nach harten internen Auseinandersetzungen bereit, Polens Westgrenze ohne Vorbedingungen anzuerkennen. Eine wichtige Voraussetzung für die kommende Einheit Deutschlands ist erfüllt.
Zahlreiche RAF-Terroristen sind in den vergangenen Jahren in der DDR untergetaucht und werden verhaftet.
Ein schweres Erdbeben im Iran fordert mehr als 50.000 Menschenleben.
Sensation bei der Volkskammerwahl in der DDR: Die CDU erhält 41 Prozent, die SPD 22. Die Initiatoren der friedlichen Revolution, die verschiedenen Bürgerinitiativen, rangieren unter ferner liefen.
CDU, DSU, Demokratischer Aufbruch, Liberale und SPD bilden eine Große Koalition, die nur wenige Monate hält. Ministerpräsident wurde Lothar des Maizere (Foto). Im Juli verließ die FDP die Regierung, einen Monat später erklärte auch die SPD die Zusammenarbeit mit den Christdemokraten für beendet.

Nach mehr als 40 Jahren wird am 1. Juli die D-Mark als gesetzliche Währung der DDR eingeführt. Die Mark der DDR gilt nicht mehr.
Anhaltende wirtschaftliche Schwierigkeiten mit der Folge wachsender Arbeitslosigkeit beschleunigen den Vereinigungsprozeß. Bonn und Ost-Berlin vereinbaren die ersten gesamtdeutschen Wahlen am 2. Dezember 1990.
Der 3. Oktober wird der neue nationale Feiertag: Nach vier Jahrzehnten Trennung ist das deutsche Volk wieder vereint, die DDR hat aufgehört zu existieren.
Mordanschlag auf SPD-Kanzlerkandidaten und saarländischen Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine. Eine 42jährige Arzthelferin sticht Lafontaine bei einer Wahlveranstaltung in Köln auf offener Bühne mit einem hinter einem Blumenstrauß versteckten Messer nieder.
Zum erstenmal seit Kriegsende hat die Lufthansa Direktflüge in die DDR aufgenommen: von Frankfurt nach Leipzig.
Die Bundesrepublik gewinnt die Fußball-Weltmeisterschaft nach einem 1:0 gegen Argentinien. Auf den Straßen und Plätzen der Städte geht nichts mehr. Hunderttausende feiern die ganz Nacht den Sieg der Beckenbauer-Elf (Bild).

Saddam Hussein, irakischer Staatschef, überfällt mit seiner Armee Kuweit und annektiert den reichen Ölstaat. Der Diktator löst damit die schwerste Krise in der Golf-Region aus.
+ Greta Garbo, Fildiva, verstirbt.
+ Luis Trenker, Schauspieler und Bergsteiger, verstirbt.
+ Walter Sedlmeyer, Schauspieler, verstirbt.
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